70 Jahre DEFA

70_jahre_defa_schuber_3d_mit_fskSie existierte länger als die DDR: die Deutsche Film AG, kurz DEFA. Am 17. Mai 1946 wurde sie in Potsdam-Babelsberg gegründet und bestand bis zu ihrer Auflösung 1990 knapp 45 Jahre lang.

Sie war die einzige, staatliche Filmproduktionsfirma der DDR und produzierte Spielfilme für Kinder und Erwachsene sowie Dokumentar- und Animationsfilme, zudem die Wochenschau »Der Augenzeuge«. Darunter befinden sich Meisterwerke der Filmgeschichte sowie Filme, der wegen ihrer allzu kritischen Inhalte gleich ins Archivregal wanderten, aber auch linientreue Propagandafilme.

Der Name DEFA ist eng verbunden mit bedeutenden Regisseuren wie Frank Beyer, Kurt Maetzig, Konrad Wolf oder Egon Günther. Auch viele Schauspieler wie Manfred Krug, Armin Mueller-Stahl, Angelica Domröse und Jutta Hoffmann haben ihren Erfolg bekannten DEFA-Filmen zu verdanken.

Die DEFA war in ihren besten Zeiten und Filmen ein Seismograph der Wirklichkeit. Wer sich heute mit dem Leben in der DDR in seinen vielen Facetten befassen will, kommt an ihnen nicht vorbei.

Für diese Jubiläumsedition wurden 10 zeitlose Spielfilm-Klassiker ausgewählt. Dazu gehören neben anderen der erste Spielfilm der Nachkriegszeit, »Die Mörder sind unter uns« von 1946 mit Hildegard Knef, der Verbotsfilm »Spur der Steine« mit Manfred Krug, das Oscar-nominierte Holocaust-Drama »Jakob der Lügner« und der Kultfilm »Die Legende von Paul und Paula« mit der Musik der Puhdys.

Die Filme liegen in digital überarbeiteter Bild- und Tonqualität vor und sind mit umfangreichem Bonusmaterial versehen.

Die Filmtitel
Die Mörder sind unter uns (1946, 81 min.)
Als die junge Fotografin Susanne (Hildegard Knef) aus dem KZ zurückkehrt, findet sie in ihrer Wohnung den Chirurg Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) vor, der mit übermäßigem Alkoholkonsum versucht, seine furchtbaren Erinnerungen zu verdrängen. Susanne hilft ihm, dass er wieder langsam zu sich findet. Dann begegnet Mertens seinem ehemaligen Hauptmann Brückner (Arno Paulsen), der nun ein aalglatter Geschäftsmann ist. Mertens fordert Sühne für ein von Brückner befohlenes Massaker an Frauen, Kinder und Männern. Susanne kann Mertens im letzten Moment davon überzeugen, dass Vergeltung keine Privatangelegenheit ist und Brückner als Kriegsverbrecher von einem Gericht verurteilt werden muss.

Der Untertan (1951, 104 min.)
Diederich Heßling ist ein verweichlichtes, autoritätshöriges Kind, das sich vor allem fürchtet. Doch bald schon erkennt er, dass man der Macht dienen muss, wenn man selbst Macht ausüben will. Nach oben buckeln und nach unten treten, wird von nun an seine Lebensmaxime. So macht er seinen Weg als Student in Berlin und später als Geschäftsmann in seiner Papierfabrik in Netzig. Dem Regierungspräsidenten von Wulkow untertänig, weiß er sich dessen Beistand sicher. So denunziert er seinen Konkurrenten und schmiedet ein betrügerisches Komplott mit den korrumpierten Sozialdemokraten im Stadtrat. Auf seiner Hochzeitsreise mit der reichen Guste nach Italien bekommt er endlich Gelegenheit, seinem Kaiser einen Dienst zu erweisen. Und schließlich geht sein größter Wunsch in Erfüllung: die Einweihung eines Kaiserdenkmals, bei der er die Festansprache hält – ordensgeschmückt. Bis ein Gewitter hereinbricht.

Karbid und Sauerampfer (1963, 80 min.)
Kalle muß Karbid holen. Als Vegetarier kann sich Kalle in den kargen Zeiten nach Kriegsende vom Sauerampfer am Straßenrand ernähren, außerdem hat er einen Schwager, der in einer Karbidbude arbeitet. Doch die steht nicht in Dresden, wo man den stinkenden Stoff zum Auseinanderschweißen der Trümmer braucht, sondern in Wittenberge. Also macht sich Kalle auf den Weg, der mit dem Vorspann schon vorbei ist: Der gesamte Film erzählt, wie Kalle sieben Zentnerfässer ohne ordentliche Transportmittel nach Dresden zu schaffen versucht, und warum davon nur zwei ankommen.

Nackt unter Wölfen (1963, 119 min.)
1945. Das Konzentrationslager Buchenwald kurz vor der Befreiung: Der polnische Häftling Jankowski rettet ein kleines Kind, versteckt in einem Koffer. Ein Kind in der Welt des Todes bedeutet Hoffnung und Gefährdung zugleich. Als die Mithäftlinge und Mitglieder der geheimen Widerstandsgruppe den Jungen entdecken, stehen sie vor einer schweren Entscheidung. Doch letztlich siegt die Menschlichkeit.
Frank Beyers Verfilmung – der erste deutsche Film über Leben und Sterben im Konzentrationslager – richtet seinen Fokus ganz auf die Reaktionen der Häftlinge. Die Frage nach Humanität, Gewissen und Disziplin werden in dieser menschenverachtenden Zeit ganz neu gestellt. Nie zuvor wurde die hermetisch abgeschlossene Welt der Lager so intensiv dargestellt, nüchtern, klar und unpathetisch.

Die Abenteuer des Werner Holt (1965, 165 min.)
Während des Zweiten Weltkriegs melden sich die beiden Schulfreunde Werner Holt und Gilbert Wolzow freiwillig zum Militär. Im Frühjahr 1945 verteidigen sie an der Ostfront ihre Stellung gegen die vorrückende Rote Armee. Die anfängliche Kriegsbegeisterung ist mittlerweile dem Schrecken und der Grausamkeit des Krieges gewichen. Allmählich beginnt Werner Holt seinen Vater zu begreifen, für dessen humanistische Lebenseinstellung er früher kein Verständnis aufbringen konnte. Gilbert hingegen glaubt weiterhin an die Notwendigkeit des Krieges. Als er einen Jugendlichen erschießt, kommt es zur offenen Konfrontation zwischen ihm und Werner Holt.

Spur der Steine (1966, 133 min.)
Absoluter King auf der Großbaustelle Schkona ist der großspurige Brigadier Hannes Balla. Er genießt vor allem bei seiner Truppe höchstes Ansehen, weil er dafür sorgt, dass die Abrechnungen und die Prämien stimmen. Ein bisschen ungemütlich wird es für Hannes allerdings, als die junge Ingenieurin Kati Klee und der neue Parteisekretär Werner Horrath auf der Baustelle erscheinen und mit neuen Ideen für frischen Wind sorgen. Hannes sieht seine Unangreifbarkeit und seinen Ruf gefährdet. Horrath fühlt sich nicht als Autorität anerkannt. Außerdem verlieben sich beide Männer in Kati. Die Kontrahenten verbindet eine Mischung aus Respekt und Rivalität. Kati geht, was die Baustellenprobleme anbelangt, mit Balla konform, ihre Liebe aber gehört Horrath, von dem sie ein Kind erwartet. Horrath gerät in Schwierigkeiten, denn er hat bereits Frau und Kinder.

Heißer Sommer (1967, 91 min.)
Zwei Gruppen von Oberschülern trampen in den Sommerferien an die Ostsee und kommen sich auf der Autobahn in die Quere. Zwischen den elf Mädchen aus Leipzig und den zehn Jungen aus Karl-Marx-Stadt entsteht ein Wettstreit, wer es zuerst bis zur Ostsee schafft. Natürlich sind die Mädchen beim Trampen im Vorteil. An der See trifft man sich wieder. Die Jungen sind auf Vergeltung ausun wollen den Mädchen eins auswischen. Der Spaß ist größer als der Ärger und man kommt sich näher. Stupsi, die die Reise ihrer Gruppe organisierte, hat ein Auge auf Kai geworfen. Der jedoch ist hinter der flotten Brit her und kommt deshalb mit Wolf ins Gehege.*

Die Legende von Paul und Paula (1973, 101 min.)
Liebe, Leidenschaft und Tod, Lachen und Weinen – aus diesen Bestandteilen formten Autor Ulrich Plenzdorf und Regisseur Heiner Carow den populärsten DEFA-Film aller Zeiten. Sie erzählen von der ledigen Verkäuferin Paula (Angelica Domröse) und dem verheirateten Staatsbeamten Paul (Winfried Glatzeder), der sich aus seiner routinierten Ehe löst und den Gefühlen freien Lauf lässt. ‚Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen‘, singen dazu die Puhdys. Bis heute sind die Zuschauer begeistert vom romantischen und ironischen Umgang mit der Wirklichkeit, von den Sehnsüchten und Träumen und der unverwechselbaren Individualität der Figuren.
Mit seinem Plädoyer für Freiheit und seinen vielen kleinen Frechheiten stieß ‚Die Legende von Paul und Paula‘ bei dogmatischen Politikern auf Widerspruch. Obwohl die Presse den Film teilweise verschweigen musste, sahen ihn Millionen Kinobesucher. Auch im vereinten Deutschland avancierte er zum ‚Kultfilm‘ – und 1998 wurde sogar eine Berliner Straße nach ‚Paul und Paula‘ benannt…

Jakob der Lügner (1974, 96 min.)
Ein komisch-tragischer Film über das jüdische Ghettoleben 1944: Jakob Heym hat Glück. Trotz angeblicher Überschreitung der Ausgangssperre kommt er auf dem Gestapo-Revier mit dem Leben davon. Zufällig schnappt er dort auch eine Radiomeldung über den Vormarsch der Roten Armee auf. Um diese hoffnungsvolle Nachricht seinen Leidensgefährten mitteilen zu können, muss er allerdings eine List anwenden. Anderenfalls würde er von ihnen für einen Gestapospitzel gehalten. So gibt er vor, ein Radio bei sich versteckt zu haben. Doch die Menschen im Ghetto, die dadurch endlich wieder Lebensmut schöpfen, sehnen sich ständig nach weiteren Nachrichten. So erfindet Jakob immer neue Lügen.

Sieben Sommersprossen (1978, 76 min.)
Die 14jährige Karoline und der 15jährige Robert, die früher mal im selben Haus gewohnt haben, treffen sich in einem Ferienlager wieder. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung, doch der strenge Tagesablauf im Ferienlager setzt ihnen Grenzen. Einige Lehrer sehen nicht eben wohlwollend auf das junge Liebespaar und auch den anderen jungen Leuten missfällt das ständige Beieinander von Robert und Karoline. So kommt es schnell zu kleinen Intrigen und Eifersüchteleien. Als der selbst heftig verliebte Gruppenleiter Benedikt vorschlägt, zur Abschlussfeier Shakespeares ‚Romeo und Julia‘ einzustudieren, sieht die Lagerleiterin die Moral im Ferienlager aufs äußerste gefährdet.

Die Helden der DEFA (mdr Doku)

70 Jahre DEFA
FSK 16 J.
DDR 1946 – 1978
1040 Min.
Icestorm
Regie: Frank Beyer, Heiner Carow, Herrmann Zschoche, Joachim Hasler, Joachim Kunert, Wolfgang Staudte
Darsteller u.a.: Angelica Domröse, Erwin Geschonneck, Frank Schöbel, Hildegard Knef, Kareen Schröter, Klaus-Peter Thiele, Manfred Krug, Vlastimil Brodsky, Werner Peters
PAL – RC 2

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