Abay „Everything’s Amazing And Nobody Is Happy“

abayDie Geschichtsstunde zur Einleitung halten wir an dieser Stelle so kurz wie möglich, ist die bisherige Karriere von Aydo Abay doch zu genüge dokumentiert und für jedermann ohne große Mühe allerorts nachzulesen. 14 Jahre sang er bei Blackmail, einer der einflußreichsten Gitarrenbands, die in den vergangenen zwanzig Jahren überhaupt aus Deutschland kamen, stieg überraschend aus, betrieb seit 2009 Projekte wie Ken, Crash:Conspiracy und zahlreichen weitere, war nie ganz weg, aber auch nie mehr so da wie zu Blackmail-Zeiten. Bis jetzt.  Nun erscheint das erste Album seines offiziellen neuen Projekts Abay. Es trägt den zeitgeistigen Titel „Everything’s Amazing And Nobody Is Happy“, und obwohl sein Nachname in großen Lettern auf dem Cover prangt, ist Abay kein Solo-Ding, sondern ein Duo mit Band.

Der zweite Teil des Duos ist Jonas Pfetzing – Gitarrist und Songschreiber von Juli, der Band die für ein paar der kommerziell erfolgreichsten deutschen Pop-Songs der vergangenen Dekade verantwortlich ist. Die Zusammenkunft der beiden Musiker war keine von „pfiffigen Produzenten“ arrangierte Business-Idee, sondern viel mehr ein wunderbarer Zufall. Vor mehr als vier Jahren begegnen sich Pfetzing und Abay nachts an einem Kiosk in Berlin (oder Späti, wie es wohl im lokalen Slang heißen müsste), und Pfetzing gesteht, schon seit seiner Jugend großer Fan von Aydos Ex-Band zu sein und sie mehrfach live gesehen zu haben. Darauf müsse nun ein Schnaps getrunken werden fordert Pfetzing, Abay verzichtet jedoch aufgrund temporärer Abstinenz. Zumindest aber möchte er Abay neue Musik schicken, die er geschrieben habe. Ob er dazu singen wollen würde?

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. In den vier Jahren seit dem nächtlichen Treffen schreiben die beiden gemeinsam über 80 Songs, nehmen sie in sechs verschiedenen Studios mit zahlreichen Produzenten und Hilfe von 25 Musikern auf. Es erscheinen Singles und die EP „Blank Sheets“, auch spielen sie erste öffentliche Auftritte, touren mit Interpol oder Madsen. Letztendlich entsteht mit Ole Fries (Bass), Chris Stiller (Keys) und Johannes Juschzack (Drums) sowie Produzent Thies Neu (Tonbrauerei) ein funktionierendes Umfeld, um das erste Abay Album endlich Realität werden zu lassen.

„Everything’s Amazing And Nobody Is Happy“ ist ein Indie-Rock Monster mit jeder Menge Pop-Appeal geworden. Elektronische Ausflüge, wie Abay sie mit seinen Nebenprojekten gern machte, hört man darauf kaum. Allein schon wegen dem charakteristischen Timbre in seiner Stimme liegt ein musikalischer Vergleich zu Blackmail natürlich nahe, und auch der über acht-minütige Titeltrack würde mit seinen stoischen Riffs und Ausbrüchen fabelhaft auf Platten seiner ehemaligen Band passen – doch das stört ihn keinesfalls: „Jonas war mit 16 Fan meiner alten Band, von unseren Melodien und auch Kurts Sound. Ich bin ich. Kombiniert erinnert das natürlich hier und da an Blackmail. Vor allem, wenn es laut wird. Ich mag die Referenz, denn ich bin immer noch stolz darauf, was wir damals erreicht haben. Wir waren immer anders, laut und nervig. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Alles richtig gemacht.“

Auf dem ganzen Album hört man neben der klassischen Rock-Besetzung Gesang-Gitarre-Bass-Schlagzeug auch viele Keyboard- und Klavier-Anteile, die immer wieder eine wichtige Rolle in den Stücken von Abay übernehmen. Die vorab veröffentlichte Single „The Queen Is Dead“ umreißt den Sound vorzüglich: während ein energisch gespieltes Klavier zusammen mit Abays Gesang den Song nach vorne trägt, schlagende bratende E-Gitarren und Trommelwirbel immer wieder Kerben in die vermeintliche Ballade, die durch den verzerrten Gast-Gesang von Safi an Dramatik gewinnt.

Tracks
1 The Queen Is Dead
2 Fen Fire
3 Signs
4 1997 (exit A)
5 1999 (exit B)
6 Easy Ease
7 Everything’s Amazing And Nobody Is Happy
8 Different Beds
9 A Boat
10 Out Of The Sun

Abay „Everything’s Amazing And Nobody Is Happy“
Unter Schafen Records

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