Als Deutschland seine Seele retten wollte

alsdeutschland Worüber man schwieg und schrieb.

Im Oktober 1945 wurde die ›Süddeutsche Zeitung‹ gegründet. Für den Druck der ersten Ausgabe am 6. Oktober 1945 schmolz man den Bleisatz von „Mein Kampf“ ein. Sie umfasste vier Seiten und erschien zunächst nur zwei Mal wöchentlich.

München war ein zerbombtes Trümmerfeld, überall herrschte unbeschreibliches Elend, es fehlte an allem. Lange Schlangen von Menschen standen an den Kiosken an, um eine Zeitung zu ergattern. Mit ihr konnte man sich orientieren. Zehn Jahre später hatte sich Politisches wie Privates wieder konsolidiert.

Die Ausgaben der frühen Jahre sind der Öffentlichkeit kaum mehr zugänglich. Sie erweisen sich als Fundgrube, denn sie spiegeln die Nachkriegszeit mit all ihren Facetten wider: von den Kriegsverbrecherprozessen über die Entnazifizierung und die Entstehung der zwei neuen deutschen Staaten bis hin zu den Nöten des Alltags, die sich sehr eindringlich aus den Inhalten der Inserate ablesen lassen. Aufschlussreich ist auch, was ausgeblendet und worüber wie berichtet wurde.

Die damaligen Protagonisten – Redakteure, Politiker, Künstler, Literaten – erhalten durch eine Ausleuchtung ihrer Biografien ein Gesicht. Die Artikel der ›Süddeutschen Zeitung‹ sind eine einzigartige Quelle zur Zeitgeschichte und eröffnen zugleich einen Zugang zum Verständnis der jungen Bundesrepublik.

Autor
Knud von Harbou
, Historiker und Germanist, Verlagslektor, Sachbuchredakteur und im Feuilleton der ›Süddeutschen Zeitung‹ tätig, hat 2013 Aufsehen erregt mit einer Biografie über den Mitbegründer der SZ, den katholischen Publizisten Franz Josef Schöningh.

Als Deutschland seine Seele retten wollte
Autor: Knud von Harbou
448 Seiten, mit s/w Abb., gebunden
DTV
Euro 26,90 (D)
Euro 27,70 (A)
ISBN 978-3-423-28055-6

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