Als Hitler meine Geige verspielte

alshitlerRagnar Tessloffs autobiographische Aufzeichnungen schildern eine ungewöhnliche Jugend zwischen 1931 und 1945. Sie bieten einen mitreißenden Einblick in ein Zeitbild aus bisher unbekannter Sicht. Sein Vater, zunächst Journalist und SPD-Funktionär in Hamburg, erhält 1933 von den Nazis Berufsverbot. Im aktiven Widerstand arbeitet er weiter für die SPD, fliegt auf und wird schließlich wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu fast vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Hamburg-Fuhlsbüttel absitzen muß.

Währenddessen wird Ragnar Tessloff unter dem Druck der Verhältnisse in das NS-System eingebunden. Er wird Mitglied der Hitlerjugend und schwingt bald stolz den Tambourstab vor einem HJ-Musikkorps.

Behutsam, aber dennoch ungeschminkt, schildert er persönliche und intime Erlebnisse aus Pubertät und Bekanntschaften im Homosexuellen-Milieu und seine letztlich stärkere Liebe zur Frau. In diesem Spannungsfeld wachsen seine Kreativität, seine musische Begabung und seine Leidenschaft zur Geige.

Im Krieg spielt für den Soldaten Ragnar Tessloff die Geige dann eine geradezu schicksalhafte Rolle. Sie erspart ihm eine qualvolle Wiederholung der Rekrutenausbildung und die Vereidigung auf Führer, Volk und Vaterland – ein seltener Fall in der deutschen Wehrmacht. Und sie lässt ihn Menschen kennen lernen, denen er sonst kaum begegnet wäre. Tessloff wird Barmusiker, Orchester-Organisator und Bibliotheksleiter und beginnt, das Leben beim Militär zu lieben.

Einem unerwünschten Offizierslehrgang entgeht er durch eine Verurteilung zu Festungshaft, die er im alten Fort von Marseille absitzen muss. Anschließend abkommandiert in die Adria, führt Tessloff bei mehreren Einsätzen an der Bordflak auf Zivilschiffen ein nahezu freies Piratenleben – bis auch sein letztes Schiff versenkt wird.

Kurz vor Kriegsende hilft ihm erneut die Geige; sie bewahrt ihn vor dem sicher scheinenden Tod. Nach fünf Jahren Kriegsmarine und kurzer Kriegsgefangenschaft springt Ragnar Tessloff im Herbst 1945 in Hamburg von einem britischen Militär-Lkw. Es ist sein Sprung zurück ins Zivilleben.

Im Anhang des Buches schildert der Autor seinen kurvenreichen Weg in den Jahren danach zum erfolgreichen Verleger von Jugendsachbüchern.

Autor
Der Autor Ragnar Tessloff, geboren 1921 in Hamburg, gestorben am 8. Mai 2009 auch in Hamburg, war Verleger und Gründer des Tessloff Verlages, den er bis Ende der 80er Jahre führte. Bekannt wurde er durch seine Jugendsachbücher, speziell die Reihe „WAS IST WAS“, mit der er völlig neue Maßstäbe im Jugendsachbuch aufstellte – mit einem Millionen-Erfolg, der bis heute anhält.

Als Hitler meine Geige verspielte
Autor: Ragnar Tessloff
320 Seiten, viele Fotos, gebunden
Zeitgut Verlag
Euro 9,90 (D)
ISBN: 3-933336-45-7

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