Aus der Werkstatt der deutschen Revolution

ausderwerkstattRechtfertigungsschrift Emil Barths über seine Rolle vor und während der Novemberrevolution 1918.

“Von den verschiedenen Parteien von links und rechts verfemt, ist es mir ein dringendes Bedürfnis, das niederzuschreiben, was mir notwendig erscheint, um zu verhüten, dass ich später in der Geschichte als Bluthund, als Streber oder als Esel behandelt werde.” Diese Worte stellte Emil Barth seiner 1919 erschienenen Rechtfertigungsschrift voran.

Im „Rat der Volksbeauftragten“, einer Art Revolutionsregierung, waren Liebknecht und Luxemburg nicht vertreten, aber neben Ebert, Scheidemann und Otto Landsberg von der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (SPD) für etwa 6 Wochen auch drei Vertreter der 1916 von dieser abgespaltenen „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (USPD): Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth. Die USPD-Vertreter sind heute so gut wie vergessen. Das gilt ganz besonders für Emil Barth. Über ihn gibt es nur wenige wohlwollende oder gar anerkennende, bestenfalls nachsichtige Kommentare. Verkürzt kann man aber sagen, dass Barth im „Rat der Volksbeauftragten“ in dem Bemühen, einerseits die Belange seiner linksradikalen Unterstützer zu vertreten und andererseits den Realitäten Rechnung zu tragen, also „zwischen beiden Stühlen sitzend“, gescheitert ist.

Bei allen Vorbehalten dem Text gegenüber wird deutlich, dass Emil Barth zwar kein deutscher Trotzki war, aber auch kein „Hofnarr der Revolution“, wie ein böses Wort lautete: Im Rat der Volksbeauftragten konnte er sich gegen Ebert und vor allem Landsberg (beide SPD) nicht behaupten, geschweige denn durchsetzen, und durch Dittmann und den phlegmatischen Haase (der immerhin auf dem Papier gleichberechtigter Vorsitzender neben Ebert war), den beiden weiteren USPD-Vertretern, fand er keine Unterstützung. Es erscheint daher als gerechtfertigt, das autobiografische Buch nach fast 100 Jahren wieder zugänglich zu machen.

Aus der Werkstatt der deutschen Revolution
Autor: Emil Barth
175 Seiten, Broschur
Dieter von Reeken Verlag
Euro 15,00 (D)
ISBN 978-3-945807-19-4

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