Beth Hart „Fire on the Floor“

bethfireBeth Hart ist nicht nur Feuer und Flamme, sondern reitet derzeit auch auf einer kreativen Flutwelle der Gezeiten. Die Alben der Grammy-nominierten Singer/Songwriterin werden von den Kritikern gefeiert. Sie arbeitet mit den absoluten Größen der Musikbranche zusammen und verzaubert ihr Publikum mit ihrer rauen und zugleich honigsüßen Stimme jeden Abend aufs Neue. Am 14.10.2016 veröffentlicht sie ihr neues Album „Fire On The Floor“ bei Provogue, das selbst die sonst so selbstkritische Künstlerin als „verdammt gut“ beschreibt.

The Blues Magazine bezeichnete Beth Hart einmal als „den ultimativen weiblichen Rockstar“ und in der Tat gleicht ihre inzwischen 20 Jahre andauernde Karriere einer solchen Achterbahnfahrt. Geboren in Los Angeles veröffentlichte sie in den 90er Jahren einige erfolgreiche Alben, bis es ruhig um die heute 44-jährige wurde. In den 2000ern kehrte sie auf die Bühne zurück und machte sich nicht nur als Solokünstlerin einen Namen, sondern auch als Sängerin für Joe Bonamassa, Jeff Beck und Slash. „Eine außergewöhnliche Stimme wie sie nur einmal pro Generation vorkommt“ lobte sie die Times, während der Guardian ihre „verwegenen, nachdenklichen und dennoch wütenden“ Auftritte pries.

Doch erst seit Kurzem blüht Beth Hart wirklich auf. Im April 2015 veröffentlichte sie „Better Than Home“ und landete damit kommerziell und bei den Kritikern einen Volltreffer. Das Album dominierte die iTunes Blues Charts und wurde vom Mojo Magazin auf Platz vier der besten Blues Alben des Jahres gewählt. Ihr bislang größtes Konzert spielte sie in der Heineken Music Hall in Amsterdam vor 5.500 Leuten.

Ihr Heimatland hat sie ebenfalls fest im Griff: auf der „Better Than Home“-Tour trat sie im legendären Ryman Auditorium in Nashville auf und die American Blues Foundation nominierte sie in der Kategorie „Beste zeitgenössische Blueskünstlerin“. „Es war unglaublich.“, gibt sie zu. „Wir spielten in den USA größere Hallen als jemals zuvor – und sie waren ausverkauft!“

Auch in Europa stieg ihr Bekanntheitsgrad immer weiter an. Sie trat in der Royal Albert Hall und dem Barbican in London auf und teilte sich mit Joe Bonamassa im historischen Hampton Court Palace die Bühne. 2015 war sie bei Jools Hollands berühmter Silvestershow „Annual Hootennanny“ zu sehen.

Sie begrüßte das neue Jahr mit dem gefühlvollen „Tell Her You Belong To Me“ und performte gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund und Mentor Jeff Beck „Notbush City Limits“. Der Auftritt des Paares wurde schnell zum meistgesehen Clip auf dem offiziellen YouTube-Kanal der BBC und ließ sogar Schwergewichte wie Tom Jones und Paul Weller hinter sich. „Für mich ist Jeff einer der größten Künstler aller Zeiten. Er ist der absolute Wahnsinn!“, schwärmt die Sängerin über den Gitarrenveteranen, mit dem sie kürzlich erstmals beim Hollywood Bowl zu sehen war.

Ebenso denkwürdig war Beth Harts erster Soloauftritt in der Londoner Union Chapel im Dezember, der anschließend von den Fans der ehrwürdigen Kapelle zum Gig des Jahres gekürt wurde. „Es war die furchterregendste Erfahrung meines Lebens. Ich stand auf der Bühne und hatte schreckliche Angst. Doch etwa ab der Hälfte der Show begann ich sie zu genießen. Am Ende fühlte ich mich wie mit dem Publikum verbunden, es war, als wären wir alle eine Band und hätten die Show gemeinsam gespielt.“

Ein Highlight dieser Show war Beths innige Interpretation von „Mama This One’s For You“. Die Kirche glich plötzlich einem Lichtermeer und inspirierte die Sängerin im Frühjahr 2016 zu einem kleinen Wettbewerb. Sie forderte ihre Fans auf, ihr Videos von sich und ihren Müttern zu schicken, um ein spezielles „Mama“-Video zum Muttertag zu veröffentlichen. „Als ich die fertige Fassung zum ersten Mal sah, musste ich weinen.“, erinnert sich Beth. „Ich liebe meine eigene Mutter mehr als alles andere auf der Welt. Es war so bewegend und wunderschön.“

Ihrer Leidenschaft für Kooperationen geht Beth Hart auch im Jahr 2016 nach. Nach Don’t Explain (2011) und dem Grammy-nominierten Seesaw (2013) wird es ein weiteres Zusammentreffen mit Bluestitan Joe Bonamassa im Studio geben. Die Aufnahmen für das neue Album beginnen bereits im August. „Ich möchte Zeug aus den 40ern und 50ern singen.“, verrät sie. „Rock’n’Roll, Balladen und Jazz.“

„Fire On The Floor“ war für die kalifornische Sängerin wie ein emotionaler Befreiungsschlag. „Die zwölf Songs sind in gewisser Weise Eskapismus. Wir steckten noch tief in der Mixingphase für „Better Than Home“, da wusste ich, dass ich ein weiteres Album aufnehmen musste. Der Produzent von „Better Than Home“, Michael Stevens, starb damals an Krebs und es war es sehr schmerzhaft für mich, das Album zu schreiben und aufzunehmen. Daher wollte ich die Songs für „Fire On The Foor“ möglichst schnell zum Leben erwecken.“

Beth wandte sich umgehend an den Produzenten Oliver Leiber, der sie zu einer Session in seinem Heimstudio in Toluca Lake einlud. Außerdem trommelte er die Studiocracks Michael Landau (Gitarre), Waddy Wachtel (Gitarre), Brian Allen (Bass), Rick Marotta (Schlagzeug), Jim Cox (Klavier), Dean Parks (Akustikgitarre) und Ivan Neville (Orgel und Hammond-Orgel) zusammen. „Michael Landau und Waddy Wachtel sind Legenden.“, strahlt sie. „Ich konnte kaum glauben, dass sie mit von der Partie sein würden. Wir nahmen sechzehn Songs in nur drei Tagen auf, verbrachten dann jedoch viel Zeit mit dem Mixing. Oliver ist streng und arbeitet hart, doch er ist auch unglaublich sensibel und hat ein großes Herz. Eine großartige Kombination! Ich bin so stolz auf dieses Album!“

Hat man „Fire On The Floor“ einmal gehört, weiß man auch warum. Die zwölf neuen Songs reflektieren die vielseitigen musikalischen Einflüsse aus Beths Kindheit wieder. „Ich fühle mich eingeengt, wenn ich versuche, mich an nur einen Stil zu halten.“, erklärt sie. „Früher hörte ich alles von Gospel über Soul, Klassik bis hin zu Rockbands wie Soundgarden. Es gibt so viele wunderbare Genres.“

Und diese reichen bei „Fire On The Floor“ vom frühlingshaften „Let’s Get Togehter“ zum kühlen Rock von „Fat Man“. „Ich liebe diesen Song.“, schwärmt die Sängerin über letzteren. „Ich schrieb ihn bereits vor sieben Jahren mit dem wunderbaren Songwriter Glen Burtnik. Wir arbeiten zusammen, seitdem ich 24 bin. Damals kreierten wir nur ein Grundgerüst, doch dann wurde ich inspiriert und schrieb den Text fertig. Es fühlt sich gut an, ihn zu singen und das ist das großartige am Rock’n’Roll. Man kann auf so viele fantastische Arten seine Angst herauslassen.“

Auch vom Titeltrack ist die Bluessängerin begeistert: „Er ist so schwelend und leidenschaftlich. Ich glaube, es wird fantastisch, ihn live zu singen. Er handelt davon, dass jemand, den Du magst, schlecht für Dich ist. Du weißt das, doch kannst nichts dagegen tun. Dann gibt es da noch „No Place Like Home“. Wenn Du die ganze Zeit auf Tour bist, merkst Du plötzlich, wie großartig es ist, zuhause zu sein. Also das absolute Gegenteil von „Better Than Home“., lacht sie.

Andere Hightlights auf dem Album sind das salsalastige „Baby Shot Me Down“ und das jazzige „Coca Cola“. Ihre Stimme bestätigt wieder einmal, warum Beth Hart kürzlich von The Blues unter die besten 20 Bluessänger aller Zeiten gewählt wurde. „Es erinnert mich ein bisschen an Billie Holiday. Ich liebe diese Art von Vibe und diese leichte, spaßige Sexiness.“

Dennoch sind auch einige emotionale Tracks auf dem Album zu finden. „Als ich „Picture In A Frame“ schrieb, dachte ich eigentlich an meinen Mann und wie sehr ich ihn liebe. Doch als der Song fertig war, realisierte ich, dass ich ihn mit Michael Stevens verband. Es war meine Art ihm zu sagen „ich hoffe, dass es dir jetzt besser geht“!

„Better Than Home“ ist eines meiner besten Alben, doch es war auch eine brutale Erfahrung. „Fire On The Floor“ hat mehr Energie und mehr Eier in der Hose.“, schmunzelt sie. „Ich brauchte wirklich einen Ausgleich, ich musste dieses Album machen.“

Und genauso müsst Ihr das Album hören. „Ich bin so zufrieden damit.“, fasst sie zusammen. Vor kurzem musste ich die Reihenfolge der Songs festlegen. Während ich das tat, sagte ich zu mir selbst: „Hey, das ist echt verdammt gut geworden…!“

Tracks
1 Jazz man
2 Love gangster
3 Coca cola
4 Let’s get together
5 Love is a lie
6 Fat man
7 Fire on the floor
8 Woman you’ve been dreaming of
9 Baby shot me down
10 Good day to cry
11 Picture in a frame
12 No place like home

Beth Hart „Fire on the Floor“
Mascot Label Group

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