Boytronic „Jewel“

boytronicMitunter bedarf es lediglich eines klitzekleinen Funkens, eines kurzen aber besonders inspirierenden Moments, um ein lautlos vor sich hin schwelendes Feuer neu zu entfachen. Diesen Augenblick erlebten Hayo Lewerentz und Ingo Hauss vor knapp zwei Jahren, als sie im Grunde genommen ohne konkrete Zielsetzung einen Song mit dem britischen Sänger James Knights aufnahmen. Dabei stellten die drei Musiker überrascht fest, dass das Resultat dem charakteristischen Sound ihrer Band Boytronic erstaunlich nahe kommt. „Wir spürten, dass damit in uns sofort auch eine große Lust aufstieg, wieder ein komplettes Boytronic-Album zu schreiben“ , blickt Lewerentz auf die Initialzündung zurück, die jetzt in der Veröffentlichung des neuen Albums Jewel kulminiert.

Als dann kurze Zeit später auch noch das Video zu besagtem Song es handelt sich um ´Time After Midnight` im Internet auf begeisterte Reaktionen stieß und den Wunsch der Fans nach weiteren neuen Boytronic-Songs befeuerte, war die Entscheidung gefallen, zehn Jahre nach der letzten Studioscheibe Dependence die Bandaktivitäten wieder zu intensivieren. Lewerentz: Genaugenommen waren wir eh noch nie eine feste Band im traditionellen Sinne, sondern mehr ein Projekt mit Musikern, die für gezielte Aktionen zusammenkommen. Da unser bisheriger Sänger Holger derzeit nicht zur Verfügung steht und wir mit James den idealen Nachfolger gefunden haben, war die perfekte Konstellation für das neue Projekt gefunden.

Gegründet im Jahr 1983 gehören Boytronic zu den wichtigsten und erfolgreichsten deutschen Electronic Bands der Achtziger und Neunziger, mit gleich mehreren Hits in verschiedenen Besetzungen und ihrem bekanntesten Titel ´You`, der sich acht Wochen lang in den deutschen und internationalen Top 10 hielt. Im Laufe der Jahre wurden ein knappes Dutzend Alben und mehr als 20 Singles veröffentlicht, viele davon auch als Videoclip. Die erste Auskopplung vom neuen Album Jewel nennt sich ´Mad Love` und könnte mit ihrem magisch-elektronischen Sound, dem pulsierenden Beat und der hypnotischen Gesangsmelodien kaum typischer für Boytronic sein. Bei Boytronic geht es immer um Popsongs, tanzbar, eingängig und stets auch ein klein wenig geheimnisvoll.

All diese Kriterien erfüllt ´Mad Love` und erinnert zudem an den Sound unserer beiden ersten Alben in den frühen Achtzigern , findet Lewerentz, der gemeinsam mit Ingo Hauss und Produzent Alex Christensen auch am Erfolgsprojekt U96 (´Das Boot`) beteiligt und zehn Jahre lang Inhaber des Labels ´Major Records` war, auf dem er bekannte Szene-Bands wie IAMX, Ladytron oder Nitzer Ebb veröffentlichte. Er sagt: Als Musiker und Label-Manager habe ich mich immer schon für ganz unterschiedliche Bands wie etwa Chemical Brothers, Underworld oder auch das House/Dubstep-Duo Knife Party interessiert. Ingo und ich waren noch nie reine Depeche Mode-Devotees, sondern künstlerisch deutlich vielseitiger orientiert.

Diese stilistische Vielfalt hört man auf Jewel, auf dem gleich mehrere Songs den Rahmen typischer Electronic-Popsongs sprengen. ´The Universe` beispielsweise ist sehr speziell, mehr als nur eine einfache Popnummer, sondern ein kleines Opus mit eigenwilligem Arrangement und einem wie Lewerentz es bezeichnet Mittelpart im Alice-im-Wunderland-Modus. Ungewöhnlich ist auch das langsame ´Dark Passion` mit seiner musikalisch hintergründigen Note. Und natürlich ´New Year`s Day`, eine Coverversion des bekannten U2-Hits. Die Idee dazu entstand spontan im Studio , erzählt Lewerentz. Ingo, James und ich jammten, plötzlich sang James auf unsere Akkordharmonien den Refrain von ´New Year`s Day`. Nachdem wir uns verblüfft angeschaut hatten, wurde entschieden: Wenn schon, dann nehmen wir uns gleich das Original vor.

Tracks
01 Time After Midnight
02 The Universe
03 Mad Love
04 Share
05 My Baby Lost Its Way
06 Jewel
07 Dark Passion
08 Free To Love
09 Big Hands For The Dreamers
10 Disco City
11 New Year‘s Day

Boytronic „Jewel“
Oblivion

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