Brad Mehldau Trio „Blues and Ballads“

bradmehldauDas Brad Mehldau Trio meldet sich mit Blues and Ballads, der ersten Studioeinspielung des Trios seit dem 2012 veröffentlichten Album Where Do You Start, zurück. Der Vorgänger in der Alben-Chronologie des Trios wurde mit Kritikerlob geradezu überschüttet. „Mehldau lässt den erzählerischen Fluss seiner wunderbar gespielten Geschichten nie von seiner einzigartigen Technik und seinem akkuraten Timing überschatten.

Mit dieser wunderbaren Herangehensweise graben der Pianist und sein Trio tief im Linksaußen-Pop und dem American Songbook. Den Modern Jazz lassen sie abenteuerlich anders und neu schimmern“, schrieb die Financial Times. Blues and Ballads folgt dieser Fährte einmal mehr mit außergewöhnlichen Interpretationen von Fremdkompositionen. Diesmal haben Mehldau und sein Trio, zu dem Bassist Larry Grenadier und Drummer Jeff Ballard zählen, den Fokus allerdings auf den Blues und Balladen gelegt, wie der Albumtitel vorgibt.

Auf Blues and Ballads geht Mehldau konsequent seinen Weg als Geschichtenerzähler und bindet Songs in eine nonchalante Dramaturgie. Er klingt im Verbund mit seinen beiden Trio-Kollegen geerdet, wie immer ein wenig neu und spielt dabei dennoch auf gewohnt hohem Niveau. Das große narrative Vermögen des Tastenmannes, dem Die Zeit kürzlich „Feierstunden des Klaviers“ attestierte, fasst den Jazz-Begriff dabei weit. Mehldau ist einer der wenigen ausgewiesenen Jazzer, deren Musik mit beinahe greifbaren emotionalen Intensitäten Menschen für den Jazz öffnen, die mit Jazz eigentlich nichts am Hut haben. Beliebig oder gar geschmäcklerisch ist Blues and Ballads dabei keineswegs. Unterhaltung offenbart bei Mehldau immer auch Haltung – im wahrsten Sinne des Wortes.

Jon Brions Ballade Little Person schwingt langsam und lädt zum Verweilen im Sentiment ein, während Charlie Parkers Cheryl das dialogische Vermögen des Trios beleuchtet. Buddy Johnsons Since I Fell For You durchläuft in Mehldaus spannender Auffassung eine Vielzahl von Stimmungen. Das Grundthema von Paul McCartneys My Valentine bricht in der Lesung des Mehldau Trios auf wunderbar überraschende Weise immer wieder neu auf und kreiert damit Motive voller Schönheit. Ein elegantes Arrangement von Lennon & McCartneys And I Love Her schafft Raum für den brillanten Artikulationsreichtum der drei Solisten.

In den 90er-Jahren wurde der Wahl-New Yorker Brad Mehldau als Mitglied des Quartetts von Joshua Redman erstmals einem breiteren Publikum bekannt, bevor er seine eigene Band gründete. Sein Trio, mit dem er mehrfach um die Welt tourte, spielte bislang 13 Alben ein. Nicht minder produktiv gestaltete Mehldau sein Werk als Solist, Quartett-Leader und Kollaborateur. Mit der gefeierten Sopranisten Renée Fleming spielte er das Album Love Sublime ein. An der Seite von Pat Metheny nahm er das Duo-Album Metheny Mehldau auf und bat für Quartet seine beiden Trio-Musiker Ballard und Grenadier zur gemeinsamen Studio-Session mit dem Gitarristen.

Für seine beiden Alben Ode und Mehliana:Taming The Dragon, für das er sich mit Mark Guiliana zusammen tat, wurde er jeweils mit einem Grammy nominiert. Im November 2015 veröffentlichte er die 4-CD-Box 10 Years Solo Live und erhielt im gleichen Jahr als erster Jazz-Musiker überhaupt die Medaille der Wigmore Hall für sein bisheriges Schaffen. Das Brad Mehldau Trio wurde im Rahmen der ECHO-Verleihung 2013 zum Besten Internationalen Ensemble gekürt. Im gleichen Jahr erhielt die Mehldau Trio-Einspielung Where Do You Start die Auszeichnung als Album des Jahres der französischen Académie du Jazz.

Tracks
1 Since I Fell for You
2 I Concentrate On You
3 Little Person
4 Cheryl
5 These Foolish Things (Remind Me of You)
6 And I Love Her
7 My Valentine

Brad Mehldau Trio „Blues and Ballads“
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