Brüder, zur Sonne, zur Freiheit

bruederAls im November 1918 in Deutschland die Throne fielen, spielte sich diese Revolution ohne Musik ab. Denn es gab keine revolutionären Lieder in deutscher Sprache, die allgemein bekannt gewesen wären. So konnte in den Zwanziger Jahren eine Melodie aus der russischen Arbeiterbewegung zur Hymne der deutschen Sozialisten aufsteigen: “Brüder, zur Sonne, zur Freiheit”.

Eckhard John schildert, wie das Lied entstand und sich international verbreitete, wie es vom NS-Regime ebenso in Dienst genommen wurde wie vom Widerstand dagegen. Ursprünglich ein freiheitlich-oppositionelles Lied, wurde es in den sozialistischen Staaten zum Lied der Herrschenden. Mit dieser Wandelbarkeit spiegelt es die Geschichte des politischen Liedes im 20. Jahrhundert, die der Autor exemplarisch skizziert.

Heute erscheint “Brüder, zur Sonne, zur Freiheit” als unzeitgemäßes Lied, dessen Sprache und Pathos antiquiert wirken. Seine Geschichte jedoch ist ein präziser Seismograph der damit verknüpften sozialen Ideale und Hoffnungen, und sie erweist sich gleichermaßen als einzigartiger Erinnerungsort für das Funktionsfeld politischer Lieder im vergangenen Jahrhundert.

Autor
Dr. Eckhard John
, Jahrgang 1959, ist Musikwissenschaftler am Zentrum für populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg i. Br., forscht zur Sozialgeschichte von Musik und ist Gründungsherausgeber des »Historisch-kritischen Liederlexikons« (www.liederlexikon.de).

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit
Autor: Dr. Eckhard John
208 Seiten, s/w 30 Abb., Broschur
mit CD
Ch. Links Verlag
Euro 15,00 (D)
ISBN 978-3-96289-016-2

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