Bürgschaft für ein Jahr + Bonusfilm „Glück im Hinterhaus“

herrmann-zschoche-buergschaft-schuber-vs„Bürgschaft für ein Jahr“
Einer jungen alleinerziehenden Mutter ist wegen ihres „asozialen Lebenswandels“ das Sorgerecht für ihre drei Kinder entzogen worden. Nina Kern will eine gute Mutter sein und einer geregelten Arbeit nachgehen, doch immer wieder treibt ihre Einsamkeit sie in ein feucht-fröhliches Partyleben. Um sich ein letztes Mal bewähren zu können, werden ihr zwei Bürgen an die Seite gestellt. Die jüngste Tochter Mireille darf probeweise aus dem Heim nach Hause kommen, doch wieder schlittert Nina in eine unglückliche Liebesgeschichte und in den Alkohol. Erst mit Hilfe ihrer Bürgen begreift die junge Frau, dass nur sie die Verantwortung für ihr Leben und die Kinder übernehmen kann. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass es für die älteste Tochter besser ist, nicht bei der Mutter zu bleiben.
Laufzeit: 89 Minuten
Produktionsjahr: 1981
FSK: 6
Darsteller: Karin Saß, Monika Lennartz, Jaecki Schwarz, Jan Spitzer, Christian Steyer, Heide Kipp, Barbara Dittus, Ursula Wernder, Angelika Mann, Dieter Montag

„Glück im Hinterhaus“
Karl Erp kann mit seinem Leben zufrieden sein. Mit Mitte vierzig hat er einen guten Job, eine Familie und ein eigenes Haus. Doch eines Morgens ist ihm das nicht mehr genug und er beginnt eine Affäre mit seiner jungen Arbeitskollegin. Nach 15 Jahren Ehe eröffnet er seiner Frau, sie nie wirklich geliebt zu haben und zieht zu Fräulein Broder ins Hinterhaus. Der Enthusiasmus für die neue Beziehung erlischt jedoch bald im bescheidenen Alltag. Karl fällt es schwer, die Enge, die dünnen Wände und den Lärm zu ertragen. Als die Geliebte eine Entscheidung von ihm erzwingen will, gibt er das neue Leben auf und kehrt in den vermeintlich sicheren familiären Hafen zurück. Doch seine Frau hat sich verändert …
Laufzeit: 94 Minuten
Produktionsjahr: 1979
FSK: 0
Darsteller: Dieter Mann, Ute Lubosch, Jutta Wachowiak, Peter Bause, Gerry Wolff, Käthe Reichel, Fritz Diez, Ursula Werner, Fred Delmare, Jaecki Schwarz

Herrmann Zschoche gehört zu den erfolgreichsten und produktivsten Regisseuren, die das Oeuvre des DEFA-Spielfilmstudios entscheidend geprägt haben. Wenn sein Name genannt wird, dann sind damit zuerst Filme wie Karla (1965/90), Sieben Sommersprossen (1978), Bürgschaft für ein Jahr (1981) oder Insel der Schwäne (1983) verbunden.
Auch wichtige Arbeiten für Kinder, etwa Lütt Matten und die weiße Muschel (1964) oder Philipp der Kleine (1976), werden schnell genannt. Die beiden Filme der vorliegenden Edition sind heute unter den insgesamt 20 Spielfilmen des Regisseurs aus unterschiedlichen Gründen weniger bekannt. Dennoch bedeutet ihre Veröffentlichung mehr als nur das Bedienen einer Chronistenpflicht. Auch in diesen Filmen kommt das, was Zschoches filmische Handschrift ausmacht, in interessanter Weise zum Tragen.
Der Regisseur erzählt in fast allen seiner Filme Alltagsgeschichten in einer dezenten poetischen Überhöhung. Sie zeichnen sich nicht zuletzt besonders durch eine beachtliche soziale Genauigkeit aus. Im Vordergrund stehen bei ihm sensibel in Szene gesetzte private Geschichten, die aber auf der zweiten Ebene eine hohe gesellschaftliche Brisanz entfalten. Indem sich seine Figuren mit alltäglichen Konflikten auseinandersetzen, wird indirekt immer wieder der in der DDR postulierte gesellschaftliche Anspruch im Verhältnis zu den gegebenen Realitäten hinterfragt. Seine Protagonisten sehnen sich nach Gerechtigkeit, und sie stoßen damit an Grenzen ideologischer Borniertheit, sozialer Egoismen und eines beflissenen Opportunismus.

Der 1934 in Dresden geborene Herrmann Zschoche interessiert sich schon früh für das Medium Film. Während seiner Schulzeit wird er bereits Mitglied einer Schmalfilm-Arbeitsgemeinschaft. Nach dem Abitur 1953 geht er als Assistent und Kameramann zum Fernsehfunk der DDR. 1954 gehört Zschoche zum ersten Jahrgang im Fach Regie an der neugegründeten Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Nach dem Diplom 1959 wird er Regieassistent bei Kurt Maetzig, Gerhard Klingenberg und Frank Beyer im DEFA-Spielfilmstudio.
1961 folgt mit Das Märchenschloss – auf der Grundlage einer Bilderbuchgeschichte von Fred Rodrian – seine erste eigenständige Regiearbeit. Zum Kinderfilm kehrt er in den folgenden dreißig Jahren bei der DEFA immer wieder zurück. 1965 erzählt Zschoche erstmals mit Karla eine Gegenwartsgeschichte, die in der Erwachsenenwelt angesiedelt ist und eine starke Frauenfigur in den Mittelpunkt stellt. Der Film, der heute als eine wichtige Größe innerhalb der deutschen Filmgeschichte gilt, findet allerdings erst 1990 seinen Weg zum Publikum. In seiner Entstehungszeit fällt er unter das Verdikt des unrühmlichen 11. Plenums des Zentralkomitees der SED, in dessen Folge nahezu ein ganzer Jahrgang von DEFA-Filmen verboten wird, weil diese den DDR-Sozialismus »durch Pessimismus und Skeptizismus in Misskredit gebracht« hätten.
Nach dieser deprimierenden Erfahrung findet Zschoche erst 1968 mit Leben zu zweit wieder zur Regiearbeit zurück. Für die folgenden Filme werden Ulrich Plenzdorf und Christa Kožik zu seinen wichtigsten Autorenpartnern. Bei der Kameraarbeit verlässt er sich nach Günter Ost und Roland Gräf nunmehr in all seinen Filmen auf Günther Jaeuthe, bevor bei Das Mädchen aus dem Fahrstuhl Dieter Chill die Kamera übernimmt.
Nach 1990 kann Herrmann Zschoche im nunmehr gesamtdeutschen Filmgeschäft nicht reüssieren. Bis 1997 arbeitet er, quasi als Broterwerb, für diverse Fernsehserien. Danach zieht er sich aus dem Metier des Bewegtbildes zurück und widmet seine ganze Aufmerksamkeit seiner schon lange gepflegten stillen Leidenschaft, der deutschen Malerei der Romantik. Darüber hinaus ist er ein gefragter Gesprächspartner bei Veranstaltungen mit seinen Filmen. 2002 veröffentlicht Herrmann Zschoche mit Sieben Sommersprossen und andere Erinnerungen seine Autobiographie.

Bürgschaft für ein Jahr + Bonusfilm „Glück im Hinterhaus“
FSK 6 J.
1981 / 1979
89 Min. + 94 Min.
Icestorm
Regie: Herrmann Zschoche
Ton: Dolby Digital 2.0
PAL – RC 2

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