Coco Montoya „Songs from the Road“


Coco Montoya „Songs from the Road“
Ruf Records

Vielleicht wart ihr dabei. Vielleicht auch nicht. Egal, denn Coco Montoyas Songs From The Road ist eine der besten Aufnahmen von Live-Rock ’n’ Roll Performances, die ihr in diesem Jahr hören werdet.

Drückt auf Play und euer Wohnzimmer wird sich in die erste Reihe verwandeln. Schließt eure Augen und ihr werdet beinahe das Publikum um euch und die Hitze der Röhrenverstärker spüren können. „Ladies and Gentlemen, willkommen im Triple Door. Bitte begrüßt mit mir…Coco Montoya!“

Die Songs From The Road-Reihe von Ruf Records hat sich mittlerweile zweifelsfrei einen Namen gemacht. Das Konzept dieser Live-Blues-Serie: Man bringe einen Weltklasse-Musiker mit einem Publikum in einem Club zusammen und warte nur noch darauf, dass der Funke überspringt und das Recording-Team und ein Spitzen-Produzent ihre Arbeit machen können. Auch 2014 wird dieses Erfolgsrezept beibehalten und präsentiert nun eine Coco Montoya-Show in Seattles berühmtem Triple Door-Club, die am 17. August 2012 und am 18. August 2013 in Zusammenarbeit mit Produzent Jim Gaines aufgenommen wurde.

Ohne die Arbeit der Studios herabsetzen zu wollen, so braucht es im Jahr 2014 mit all der digitalen Technologie doch kein Genie, um ein halbwegs gutes Album abzuliefern. Doch die Bühne ist anders. Dies ist eine Welt, in der die Spreu vom Weizen getrennt wird. Und während Coco zu Recht für sein Studioalbum gefeiert wurde, beweisen der Beifall, der „I Got A Mind To Travel“ vorausgeht, und der Rausch, der dem letzten Song „My Side Of The Fence“ folgt, dass der Bandleader auch ein großartiger Live-Künstler ist.

Neben Jim Gaines hatte Coco zudem noch ein perfektes Team, das ihn an diesen Abenden in Seattle flankierte: Brant Leeper (Keys), Nathan Brown (Bass) und Rena Beavers am Schlagzeug. Für die Fans war der Star des Abends natürlich der Mann am Mikrofon mit der Gitarre, der sich durch eine hochkarätige Setlist spielte, die das Publikum in Washington atemlos machte. Coco klang nie besser.

Wenn man sich seine bisherige Karriere anschaut, wird man feststellen, dass eine Live-Soloplatte eine der wenigen Dinge war, die Coco Montoya noch nicht verwirklicht hatte. Geboren am 2. Oktober 1951 in Santa Monica in Kalifornien war sein erster großer Auftritt in der Szene in den 1970er Jahren im Lineup von Bluesgröße Albert Collins. „Er griff zur Gitarre und ich griff zur Gitarre und wir spielten einfach“, erinnert sich Coco daran, wir er die Geheimnisse von Collins‘ einzigartigem Stil in sich aufnahm. „Ich habe einfach durch Zuhören gelernt. Ich spiele so wie ich es höre. Er sagte immer, ich solle nicht darüber nachdenken, sondern es nur fühlen. Er zeigte mir, wie ich mir meine innere Stärke zu Nutzen machen kann.“

In den frühen 80ern brauchte der Gitarrist diese innere Stärke auch wirklich, als er sein Mojo für die Musik verlor und er als Barkeeper in LA arbeiten musste, um über die Runden zu kommen. Zum Glück hatte das Schicksal andere Pläne und so wurde 1984 Brit-Blues-Legende John Mayall auf ihn aufmerksam und stellte ihm seinem Kollegen Walter Trout vor, mit dem er ebenfalls als Teil der Bluesbreakers von nun an auf der Bühne stand. „Ich würde niemals das tun, was ich heute mache, wenn es damals nicht den Anruf von John Mayall gegeben hätte.“

Songs From The Road vereint nun 14 seiner besten Solosongs, die Coco seit Mitte der 90er Jahre schrieb. Vom Album Gotta Mind To Travel (1995) gibt es eine Liveversion des groovigen Titeltracks sowie den Song „Love Jail“ und das ergreifende „Too Much Water“. Vom 1996er Album Ya Think I’d Know Better ist das nachdenkliche „You’d Think I’d Know Better By Now“ dabei, während vom Album Just Let Go aus dem folgenden Jahr der Song „My Side Of the Fence“ den Finalsong bildet.

Nachdem er bei Alligator unter Vertrag war, stieg Cocos Sammlung an Soloalben weiterhin an. Auch diese sind bei Songs From The Road gut vertreten: “I Need Your Love In My Life” sowie “I Wish I Could Be That Strong” vom 2000er Suspicion-Album, von Can’t Look Back (2002) das mit Funk gewürzte “I Won’t Beg” und sogar vom Debutalbum bei Ruf Records I Want It All Back sind “The One Who Really Loves You”, “Fannie Mae” und die sonnigen Rhythmen von “Hey Señorita” dabei.

Wenn euch die Studioaufnahmen gefallen haben, werdet ihr diese Liveversionen lieben. Und falls ihr Coco Montoya erst noch für euch entdecken müsst, dann ist die Setlist von Songs From The Road genau der richtige Einstieg. Play it loud!

Tracks
CD 1

01 I Got A Mind To Travel
02 Hey Senorita
03 Too Much Water
04 The One Who Really Loves You
05 Love Jail
06 Dont Go Makin Plans
07 I Wish I Could Be That Strong

CD 2
01 Fannie Mae
02 I Need Your Love In My Life
03 Good Days, Bad Days
04 I Want It All Back
05 I Wont Beg
06 Youd Think Id Know Better By Now
07 My Side Of The Fence

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