Cristina Branco „Menina“

cristinabrancoAuf „Menina“ wagt sich Branco das erste Mal in ihrer Karriere fast völlig über das Weltkulturerbe Fado hinaus und wir erhalten einen so tiefgehenden Einblick in die künstlerische (Musik-)Szene Portugals, so ergreifend wiedergegeben, wie dies einem breiten Publikum jenseits der iberischen Halbinsel wohl bisher noch nicht zu Ohren kam.

Ein Blick auf die Komponisten und Texter der aktuellen Musikszene Portugals verdeutlicht dies: Hier reichen (blut)junge Popstars etablierten Großmeistern die Hand: Mit der Vertonung von Gedichten des weltberühmten Schriftstellers Anónio Lobo Antunes oder der Spoken Word Art des avantgardistischen Rapstars Kalaf Angelos‘, mit Musik von Pedro da Silva Martins, Luís José Martins oder Mário Laginha. Auch haben André Henriques von Linda Martini, Luís Severo und Ana Bacalhau von Deolinda zu „Menina“ beigetragen.

Sie vereint das Neue mit dem Alten; Portugals Moderne mit der traditionsreichen Geschichte. „Menina“, das ist das „junge Mädchen“, von der sie erzählt, eine Art Reisebericht einer Portugiesin, die in einer niederländischen Fernsehsendung als Fadista entdeckt wurde, als solche aber schon immer eigene Wege gegangen ist. Dieses junge Mädchen hat als Geschenk ihre einzigartigen Stimme, ihre Kreativität und Ausdrucksstärke, die sie dazu nutzt, die Entdeckungen ihrer Reise mit uns zu teilen. Erzählt aus der heterogenen Perspektive einer „Menina“… tanzend, singend, trauernd, lachend, liebend, träumend, grübelnd. Cristina Branco sieht sich tiefer verwurzelt in der Tradition Portugals, als dass sie sich in ihrem musikalischen Schaffen allein auf den Fado beschränken könnte.

Ihrer bewährten Instrumentierung mit Konzertflügel (Luís Figuereido), Portugiesischer Gitarre (Bernardo Couto) und Kontrabass (Bernardo Moreira) bleibt Branco treu. Und so bleibt es folkloristischer Jazz, was wir auf dem neuen Album hören. Allerdings mit einem nicht zu leugnenden Hang zur Tradition amerikanischen Songwritings und mit klassischer Attitüde. Nicht viel anders also als das, was wir bisher von ihren Live-Konzerten kannten, bloß wurde der Pathos des Fado weitgehend ergänzt mit ihren Geschichten. Saudade aber, die unübersetzbare portugiesische Schwermut, sie ist nicht herauszuschreiben aus Brancos Werk. Sie hat eben mehr als nur das eine Gesicht.

Tracks

1 E Às Vezes Dou Por Mim
2 Alvorada
3 A meio do caminho
4 Deus à
5 Não há ponte sem nós
6 Luto Mudo
7 O gesto dela
8 Boatos
9 Quando eu canto
10 Saber aqui estar
11 Ai esta pena de mim
12 Quando julgas que me amas

Cristina Branco „Menina“
O-Tone Music

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