Daniel Freitag „Still“

danielDaniel Freitag veröffentlicht sein erstes Album „Still“ auf eigenem Label Akkerbouw. Freitag zeichnet sich bereits durch verschiedene Musik-Produktionen für Theater und Film verantwortlich. Der Berliner Multiinstrumentalist hat sein Debüt in Eigenregie über mehrere Jahre hinweg aufgenommen und daran gefeilt.

Michael Haves („Super700“) beteiligte sich als Co-Produzent und Mixer. Beratend zur Seite stand Olaf Opal (The Notwist, Die Sterne). Für die Einspielung der Songs konnte Freitag außerdem Musiker aus der Berliner Jazzszene gewinnen. Gemeinsam entstand „Still“, ein energiegeladener Ritt, vorbei an den Untiefen des verbrauchten Indie-Pops unserer Zeit und damit ein emanzipierter Entwurf, wie scharfsinnige Musik heute klingen kann. Dass es dabei zeitlos wirkt, liegt sicherlich auch an der vor allem analogen Produktion, bei der alte italienische Synthesizer, obskure Drum-Machines und unzählige staubige Effekte und Instrumente zum Einsatz kamen. Mit seinen detailreichen Arrangements drängt es zum mehrmaligen Hören und belohnt mit immer wieder neuen Facetten.

Mit seinem Album „Still“ begibt sich Daniel Freitag nun erstmals als Solo-Künstler ins Rampenlicht. Nachdem er in den letzten Jahren vor allem für internationale Theater-Produktionen Musik kreiert hat, ist sein Debut eine Rückkehr zu seinen Wurzeln als Songwriter. Das musikalische Vokabular seines bisherigen Experimentierfeldes ist ihm dabei nicht abhandengekommen. So möchte man die Musik von Daniel Freitag leichtfertig als Art-Pop beschreiben und läge damit doch ganz falsch. Denn wann immer man hier die Songwriter-DNA von Bowie oder den Beach Boys zu hören denkt, schlägt der Freitagsche Überraschungsmoment schon einen neuen Haken. Mal durch ein jazziges Gitarren-Solo („Low“), dann durch einen unerwartet verkuschelten Pop-Chorus („Don’t“), und an wieder anderer Stelle durch soulige Bläser-Sätze („Take On“). Im Zentrum steht dabei jedoch immer Daniel Freitags Stimme. Sie berichtet von den Dingen, denen wir nicht entfliehen können: Angst, Isolation, Liebe und vor allem uns selbst.

So vielschichtig wie die Songs ist der Albumtitel „Still“: ein Standbild, ein Zustand, aber vor allem ein „trotzdem“. Einen Schritt weitergehen, auch wenn man schon am Abgrund steht. Und zwar mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein Album über das Loslassen. Die aktuelle Single „Don’t“ ist eins der Kernstücke des Albums. Das persönliche Lied dreht sich um verloren Liebe, verpasste Chancen und letztlich um eben dieses Loslassen. Für das dazugehörige Video hat Freitag Die Ausnahmeschauspielerin Sandra Hüller („Toni Erdmann“, „Requiem“, „Fack Ju Göthe 3“) gewinnen können. Daniel Freitag hat bei „Don’t“ selbst Regie geführt und das Konzept mit Sandra Hüller im Kopf geschrieben: „Für mich ist das Video eine Erweiterung des Lieds, indem es Ebenen des Songs beleuchtet, die beim ersten Hören nicht unbedingt sofort klarwerden. Vielleicht richtet sich der Text auch letztlich an einen selbst.

„Still“ ist damit das Newcomer-Album eines alten Hasen geworden. Und es möchte am Stück gehört werden. Wenn der eine Song den Untergang umarmt, umarmt er damit immer auch den Hörer („This Is How It Started“), kippt zum nächsten Song ins Erhabene, dann ins Minutiöse, und taumelt am Ende betrunken aber zufrieden nach Hause („Careful What You Wish For“). Was bleibt, ist Reflektion und die befreiende Erkenntnis, dass auf dieser Album-Reise nichts ironisch zu verstehen war.

Tracks
Venice 3:41
Don’t 4:04
Low 3:49
Take On 4:22
Something’s Broken 4:07
Silesia 3:14
Maria 5:04
This Is How It Started 2:59
Styrofoam 3:10
Come Fear You Not 3:52
Careful What You Wish For 5:04

Daniel Freitag „Still“
Akkerbouw

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