Dennis Lisk “Suchen & Finden”


Dennis Lisk “Suchen & Finden”
Four Music

Wenn man eine Haltung hat und gleichzeitig über den Dingen steht,, kann einem keiner was. Dann ist man obenauf, dann kann man sich ? zumindest musikalisch ? alles erlauben. Man kann losziehen, sich auf die Suche begeben und was Neues für sich finden.
?Ich hatte schon immer etwas in mir, das raus wollte?, sagt Dennis Lisk.
Der Schlüssel für ihn war die Gitarre. ?Ich steh halt auf diese Liedermacherei, schöne, simple Songs, mit Gitarre und Gesang.?
Genau das hat er für sein neues Soloalbum verinnerlicht. Doch bevor wir uns eben dem widmen, rekapitulieren wir erst einmal kurz: Wem der Name Dennis Lisk nicht geläufig sein mag, kennt vielleicht sein Pseudonym Denyo aus der Zeit, als er mit den Beginnern von Hamburg aus die Republik mit den wohl cleversten, lustigsten Rap-Tracks versorgte.

Auf das viel beachtete Band-Debüt ?Flashnizm? folgte 1998 der endgültige Durchbruch mit ?Bambule?. Eißfeldt, DJ Mad und Denyo hatten ein Textbuch-Album abgelegt ? total eigen und smart, und dennoch die ultimative Vorlage für die Nachhut; so, verdammte Axt, hatte ein Rap-Album zu klingen.
Aber wer sich so profiliert, hat auch mal Lust, was anderes zu machen.
Dennis fing nach der ausgiebigen ?Bambule?-Tour und diversen kleineren Projekten an, seine erste Soloplatte aufzunehmen, die er 2001 als Denyo veröffentlichte. ?Minidisco?, ein intelligentes, schlagfertiges Rap-Album, blieb vielleicht etwas hinter den Erwartungen zurück, eröffnete Dennis jedoch neue musikalische Horizonte. Statt komplett auf HipHop zu setzen, nahm er hier und da den Beat raus und begann mit Singer-Songwriter-Elementen zu experimentieren. Darauf folgten das dritte Beginner-Album ?Blast Action Heroes? (2001) und Denyos zweites Solowerk ?The Denyos? (2005), das sich auf Rap- und Live-Wucht beschränkte.
Und jetzt, im Frühjahr 2009, nun endlich ein neues Album ? ?Suchen & Finden?. Diesmal lebt sich Dennis ganz als Singer-Songwriter aus und hat den Wandel zum Liedermacher gewagt.
Ein Geschichtenerzähler war Dennis schon immer. Was ihn als Sänger, Texter und Liederschreiber ausmacht, ist der besondere Flow, den er sich bewahrt hat.
Seine Melodien sind leicht, aber bestimmt, die Arrangements teils spielerisch-simpel, schlicht mit Gitarren unterlegt, teils aufwendig mit Bläser- und Streicher-Sätzen verfeinert. Was dadurch entsteht, ist ein überraschendes Album, sehr eklektisch in seiner Form. Er singt auf Deutsch, ist aber geprägt von verschiedenen Stilen, bringt ? wie erwähnt ? einen besonderen Melodie-Fluss als ehemaliger Rapper mit, kann gleichzeitig nach deutschem Liedermacher klingen mit emotionalen Popsongs, ebenso dank seiner vierköpfigen Band Reggae-durchdrungene Funkstücke spielen.
Bleibt die Frage, warum der Wandel vom gefeierten Rapper zum ernsthaften Songwriter?
?Ich hab 17 Jahre lang Rapmusik gemacht, hör die auch immer noch gern, leg auch noch immer auf. Aber irgendwann ist der Reiz nicht mehr so stark?, erzählt Dennis. ?Rap ist wie meine alte Jugendliebe. Ich bin nicht mehr mit ihr zusammen und doch verbindet uns weiterhin was Besonderes.? Und außerdem: ?Diese Goldgräberstimmung im HipHop, das jugendlich sein, das ist inzwischen vorüber.? Deshalb hat Dennis nach Alternativen gesucht, um sich auszudrücken.
?Ich hab mich hingesetzt, aber keinen Song mehr hinbekommen, der mich so richtig flasht. Ich brauchte eine andere Herausforderung.?
Als Ventil für die neue Ausdrucksweise fand er die Liedermacherei. Fast drei Jahre lang hat er an ?Suchen & Finden? gearbeitet ? von der ersten Idee bis zum fertigen Album. Mit den Demos, die er bei sich zuhause mit seiner Gitarre und dem Laptop aufgenommen hatte, ging er zu Four Music, mit denen er schon den Film-Soundtrack für ?Leroy? produziert hatte. ?Wenn man so melancholische Sachen macht, klingt das erstmal etwas wehleidig. Hab dann anderthalb Jahre ausprobiert, um meine Stimme zu finden. Man muss einfach aufpassen, dass das nicht langweilig wird ? und das liegt dann an den Texten.?
Früher, bei den Beginnern, musste Dennis nicht den kompletten Song füllen, konnte sich einfach in seine Rap-Strophe legen. Die Zeiten sind nun vorbei:
?Beim neuen Album bin ich viel ehrfürchtiger geworden, hab jetzt viel mehr Respekt vor Musik. Von der Idee bis zum Song vergehen tausend Schritte und wahnsinnig viel Arbeit.? Auch der Schritt vom Rappen zum Singen kostete Dennis Überwindung: ?Am Anfang war?s nicht schwer, weil ich mich bei Hooks auch früher schon immer ausprobiert hatte. Aber dann lernst du erst mal ganz klar deine Grenzen kennen, wenn Du richtig anfängst zu singen.?

Dadurch ist sein besonderer Flow entstanden, der ihn sicherlich unter den meisten Singer-Songwritern hervorheben dürfte und das Album auf seine Weise so originell macht. Dennis? HipHop-Einfluß, die Reggae-Elemente sorgen dafür, dass ?Suchen & Finden? nie blöd poppig klingt. Seinen Wortwitz, der ihn bei den Beginnern auszeichnete, hat er sich bewahrt, sodass er keineswegs mit den Texten ins Kitschige abdriftet, die trotzdem emotional und ernsthaft sein können.
?Ich bin auf der Platte der, der ich bin. Denyo bin ich auch. Auf dieser Platte bin ich Dennis, sehr persönlich.?
Mit HipHop verbindet ihn eine alte, innige Lovestory. Genauso ist Dennis auch mit Rock- und Reggae-Platten aufgewachsen. ?The Police, die haben immer geil gespielt. Deren Reggae-Pop-Mischung war so sexy, das wollte ich auch hinbekommen. Inzwischen hör ich alles Mögliche: ich kann mir M.I.A. reinpfeifen oder MGMT, und danach hör ich halt Grönemeyer, das geht für mich wunderbar. Erst Peter Fox, dann Little Wayne, kein Ding.?
Obwohl es seine dritte Solo-CD ist, ist ?Suchen & Finden? für Dennis eine ganz besondere Platte, die sich nicht einfach in seinen Kanon einfügt: ?Das ist schon ein Debütalbum für mich. Fühlt sich zumindest so an, obwohl es schon komisch ist?? Dennis hält inne: ?? aber es ist so komplett anders, mein Leben ist auch ein krasser Neuanfang, alles passt zusammen. Hab mich mit dem Album auch selbst überrascht. Ich bin noch nicht ganz fertig damit. Ein zweites Album würde ich gern machen ? ich hab auch schon ein paar Ideen.?
Was glaubt er, wie die neue Platte nach drei Jahren Abstinenz ankommen wird?
Darüber hab ich mir bisher keine Gedanken gemacht, und das ist für mich in erster Linie auch gar nicht so wichtig. Ich hab mich vor drei Jahren dafür entschieden, dass ich das machen möchte, was ich jetzt tue, weil ich da einen neuen Zugang für Musik gefunden habe. Natürlich hat meine Historie auch Türen geöffnet, hab bestimmte Möglichkeiten gehabt, Sachen zu machen ? und? ich würde mich sehr freuen, wenn meine bisherigen Fans alle mitkommen. Hab?s Dennis Lisk genannt, alles dafür getan, damit niemand blind losrennt, die Platte kauft und Rap erwartet oder zum Konzert kommt und fragt, wo DJ Mad steckt oder ruft, Spiel doch mal ?Liebeslied?.?
Wen will der Singer-Songwriter Dennis denn erreichen?
?Im besten Fall ist das Album für Leute, die auch eine Ader zu schöner, handgemachter, vielleicht etwas melancholisch angehauchter Musik haben. Es geht halt viel um Liebe, Liebe zum Leben. Es steckt auch ein bißchen Weisheit drin. Nicht auf eine kitschige oder beknackte Weise, aufrichtig halt.? Weil Dennis sich seine Haltung zu musikalischen Einflüssen bewahrt, gepaart mit seiner Lässigkeit, hat er den Wandel zum Liedermacher problemlos vollzogen. Oder wie er auf ?Lass los? singt: ?Der eine kommt/ der andre geht/ schaut nicht zurück/ geh Deinen Weg?.

Tracks
1. Navigation
2. Lass Los
3. Blick Nach Vorn, Schau Zurück
4. Wo Auch Immer
5. So Und Nicht Anders
6. Derbe
7. Irgendwann
8. Lenk Mich Ab
9. Zwei Köpfe, Ein Gedanke
10. Einfach Mal Sehn Feat. Clueso, Jan Delay, Max Herre & Sadyo
11. Gefährlich
12. Weiterdrehn

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