Die vierte Wand

wandEin Schauer ergreift Georges, als er ihn im Januar 1974 zum ersten Mal sieht: Samuel Akounis kommt aus Griechenland, steht plötzlich im Hörsaal der Pariser Universität und spricht in wenigen, ausdrucksvollen Worten davon, wonach sich die französischen Studenten sehnen: Widerstand. Für Georges, einen linken Aktivisten, wird Samuel, der bald wieder als Theaterregisseur arbeitet, wie zu einem Bruder.

Samuel schenkt ihm eine Ausgabe der „Antigone“ von Jean Anouilh – aber erst Jahre später, 1982, liest er das Drama um die Frau, die sich gegen ihren Onkel Kreon, ihren König, stellt. Samuel ist jetzt schwerkrank, kann nicht mehr beenden, um was er so lange kämpfte: eine Inszenierung der „Antigone“ inmitten des Krieges, inmitten des vom Bürgerkrieg zerrütteten Beirut.

An einem neutralen Ort, irgendwo zwischen den Fronten sollen Vertreter aller Kriegsparteien das Stück gemeinsam auführen – Drusen, Palästinenser, Sunniten, Maroniten, Schiiten, Katholiken. Auf Bitten Samuels fährt Georges nach Beirut und versucht, in einem zerbombten Kinosaal „Antigone“ zu inzenieren. Gelingt es, dem Krieg zwei Stunden zu stehlen, die Waffen ruhen zu lassen – und vielleicht sogar die Parteien einander anzunähern?

Autor
Sorj Chalandon
war Journalist bei der Zeitung „Libération“. Seine Reportagen über Nordirland und den Barbie-Prozess wurden mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Er veröffentlichte die Romane „Le petit Bonzi“ (2005), „Une promesse“ (2006, ausgezeichnet mit dem Prix Médicis) und „Mon traître“ (2008). Sein vierter Roman „La légende de nos pères“ (2009) ist sein erstes Buch in deutscher Übersetzung. Der folgende Roman „Retour à Killybegs“ (2011) wurde mit dem Grand Prix du roman de l’Académie francaise 2011 ausgezeichnet und war für den Prix Goncourt 2011 nominiert.

Die vierte Wand
Autor: Sorj Chalandon
320 Seiten, Broschur
dtv premium
Euro 15,95 (D)
Euro 16,40 (A)
ISBN 978-3-423-26066-4

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