Die Wahrheit sagen

160308_die_wahrheit_sagen_coverVom Leben der fiktiven Figur Bernhard Mares nach realem Vorbild: Wiener Waisenkind, in Tschechien aufgewachsen, als junger Mann auf der Suche nach einer „Familie“ in der SS gelandet, die große Liebe gefunden und immer wieder verloren, den Krieg überlebt, bei den Kommunisten angedockt, mehrmals knapp am Tod vorbeigeschrammt und zigmal im Gefängnis gestrandet. In Tschechien verkaufte sich der Roman – er erschien 2008 – bestens, und Kritik, Leser und bekannte Schriftstellerkollegen wie Ivan Klíma oder Arnošt Lustig („Ein Meisterstück!“) waren begeistert.

Im Roman nennt Formánek seine Hauptfigur Bernhard Mares; der, dessen Leben hier erzählt wird, hieß in Wirklichkeit Waldemar Solar und starb 2011 mit 87 Jahren. Den Erfolg des Buches, in dem Josef Formánek seine Geschichte erzählt – natürlich mit der Freiheit zur Fiktion –, hat er noch miterlebt. Es war ein Leben, so voll von Gewalt und Einsamkeit, von Krieg, Tod und Willkür. Aber auch ein Leben, so voll von Lebenslust, dem Finden der Liebe und dem unerbittlichen Kampf ums Überleben in einer Welt, in der ein unbedachter Satz den Kopf kosten oder einen in den Knast bringen konnte. Mares saß oft, sehr oft – denn „die Wahrheit sagen“ lautete sein Motto.

Josef Formánek erzählt diese Geschichte – verschränkt mit seiner Begegnung mit Mares alias Solar – sprachlich dicht, wild und fesselnd. Es ist ein Ritt durch ein Leben, das geprägt wurde durch die dunkle, kriegerische, totalitäre Geschichte des 20. Jahrhunderts. Im Buch warnt eine alte Frau den Waisenjungen: „Hüte dich vor Uniformen.“ Doch Bernhard hält sich nicht daran und landet kurz darauf auf der Suche nach Anschluss und Abenteuer bei der SS. Im Traum erscheint ihm seine große Liebe. Ihr, Sophie, begegnet er real an einem tödlichen Ort, dem KZ Mauthausen, und verhilft ihr zur Flucht … Ist er also ein „guter Mensch“, dieser Bernard, oder „ein Arschloch“? Und wie geht das überhaupt, ein guter Mensch sein mitten im Krieg, mitten in einem gleichgeschalteten Regime?

Autor
Josef Formánek
, Jahrgang 1969, zählt in Tschechien zu den bekanntesten Autoren. Lange war Formánek als Journalist, Herausgeber und Verleger tätig. So gründete er z. B. 1992 „Koktejl“ – eine der beliebtesten Reisezeitschriften in Tschechien. Das Reisen beeinflusste auch stark sein literarisches Schaffen. So lebte Formánek länger auf der Insel Siberut bei dem Naturvolk Mentawai. Diese Zeit beschrieb er in seinem ersten Roman „Der vollbusige Mann und der Dieb der Geschichten“ (2003) – das Buch wurde in Tschechien zum erfolgreichsten Romandebüt des Jahrzehnts. Es folgten u. a. 2004 „Der Fliegende Jaguar“ und 2008 „Die Wahrheit sagen“. Gegenwärtig schreibt der Hollywood-Drehbuchautor Mitch Markowitz ein Drehbuch nach dieser Vorlage.

Die Wahrheit sagen

Autor: Josef Formánek
480 Seiten, gebunden
Gekko
Euro 23,00 (D)
ISBN 978-80-906354-0-1

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