Dominic Miller & Manolito Simonet „Hecho En Cuba“

dominicDie Entfernung von der größten Antilleninsel Kuba zu den USA beträgt gerade einmal 150 Kilometer Luftlinie. Eigentlich ein Katzensprung und doch trennten die beiden Staaten viele Jahre lang Welten.
Ihre Politik- und Wirtschaftsideologien konnten unterschiedlicher nicht sein, weshalb sie einander bis vor kurzem spinnefeind waren. In jüngster Zeit ist jedoch eine vorsichtige Annäherung zu beobachten, die nicht zuletzt den Kulturschaffenden in Kuba und Amerika bzw. im Westen allgemein zugute kommt. Seitdem die Abschottung durchlässiger wird, nutzt eine junge Generation im Karibikstaat die Gunst der Stunde, um die Kultur des “kapitalistischen Klassenfeindes” zu erkunden, und amerikanische und europäische Künstler besuchen die Rum- und Tabakinsel auf der Suche nach neuen Impulsen.

Gitarrist Dominic Miller erkannte die Zeichen des Wandels anscheinend, noch bevor Barrack Obama eine Lockerung des US-Wirtschaftsembargos ankündigte und Raúl Castro seinen Landsleuten größere Freiheiten in Aussicht stellte. Vor über drei Jahren lernte er Manolito Simonet bei einer Begegnung in Deutschland kennen und “von der ersten Sekunde an bestand eine musikalische Verbindung” zwischen ihm und dem Pianisten, wie er unlängst in einem Interview sagte. Bereits im Mai 2012 reiste der Wahllondoner dann nach Havanna und spielte mit Simonet gemeinsam in einem kleinen Studio, das sich der Kubaner im Keller seines Hauses im Stadtviertel Vibora Park eingerichtet hat, das Album “Hecho en Cuba” (”Made in Cuba”) ein.

Die Studiokooperation der beiden Ausnahmemusiker verbindet Kubas Klangtraditionen (Son, Salsa, Charanga, Timba etc.) mit westlichem Fusionjazz zu einer so noch nicht gehörten Mischform. Dafür wurden fast ausschließlich Instrumentaltitel aufgenommen, komponiert hat die Dominic Miller, einzig “D’Pronto” stammt aus der Feder von Manolito Simonet. Dazu kommen drei besondere Coverversionen, nämlich originelle Bearbeitungen der Songs “La belle dame sans regrets”, “Shape of My Heart” und “Lullaby to an Anxious Child”, die Miller einst zusammen mit einem gewissen Gordon Matthew Sumner, besser bekannt als Sting, verfasst hat. Begleitet werden die beiden Frontmänner in den meisten Tracks von Musikern aus Simonets Ensemble Manolito y su Trabuco. So haben beispielsweise Flötist David Bencomo Guedes, die Trompeter Robin Feliz Martinez und Rafael Arboláez, die Posaunisten Leonardo Alarcón und Ivanois Garzón sowie Bassist Roberto Vázquez (alias “El Chino”) exzellente Instrumentalparts beigesteuert. Und natürlich darf auch Powerhouse-Drummer Roicel Riverón nicht fehlen, er sorgt mit seinem Rhythmusgefühl für so manches Highlight.

Für Dominic Miller ist mit dieser Produktion in Kuba ein weiterer Traum seiner Karriere wahr geworden, wie er in den Liner Notes ausführt: “Ich hatte das Glück, einige Gelegenheiten ergreifen zu können, die man nur einmal im Leben hat. Die jüngste ist die Zusammenarbeit mit Manolito, auf die ich sehr stolz bin. Ich liebe Kuba, seine Menschen und die Musik.” Sein Albumpartner Manolito Simonet ist mit dem Ergebnis ebenfalls mehr als zufrieden: “Es hat großen Spaß gemacht und war ganz einfach, mit Dominic zu arbeiten – er ist ein Latino! Für die kubanische Popularmusik ist es von Nutzen, dass Musiker vom Kaliber eines Dominic Miller sie derart begeistert aufgreifen. Deren Vision und Begabung befördert unsere eigene Weiterentwicklung.” Am 8. Oktober dieses Jahres stellten Miller und Simonet die Früchte ihrer Zusammenarbeit übrigens live in Havanna vor. Im Rahmen der Britischen Kulturwoche traten sie gemeinsam in der Fabrica del Arte auf und präsentierten sozusagen in einer Weltpremiere Stücke ihres Albums “Hecho en Cuba”.

Manuel Perfecto Simonet Pérez, wie Manolito eigentlich heißt, zählt heute zu den führenden Musikern in der República de Cuba. Nachdem er mehrere Jahre lang als Pianist und musikalischer Leiter des Orquesta Maravilla de Florida fungiert hatte, gründete der Mann aus Camagüey 1993 Manolito y su Trabuco. Gleich mit dem Debütalbum “Directo al corazón” von 1995 etablierte sich die Formation als wegweisende Kraft des damals brandneuen Stils “Timba”, einer modernen Variante der Salsamusik. Mit jedem weiteren Album wuchs die Beliebtheit in Kuba, 1998 gelang mit dem Song “Marcando la distancia” dann auch der Durchbruch auf internationaler Bühne. Es folgten ausgiebige Tourneen, die Manolito und seine Trabuco-Truppe bis nach Europa und Japan führten.

Auch der nicht weniger reiselustige Dominic Miller ist überall auf der Welt ein gern gesehener Gast, sei es als Sideman von Sting oder in eigener Sache. Der in Buenos Aires geborene Sohn eines Amerikaners und einer Irin studierte zunächst Gitarre an Bostons renommiertem Berklee College sowie an Londons Guildhall School Of Music und ist seit den späten 80ern ein viel gebuchter Sessionprofi. Die Liste seiner Engagements sprengt jeden Rahmen, stellvertretend seien nur die Kollaborationen mit The Chieftains (”Long Black Veil”), Eddi Reader (”Mirmama”), Manu Dibango (”Wakafrika”) und Tina Turner (”Wildest Dreams”) genannt. Seit “The Soul Cages” aus dem Jahre 1991 war Dominic Miller zudem an jedem Sting-Album beteiligt, er stand in über eintausend Konzerten mit dem ehemaligen “Polizisten” auf der Bühne. Der hält den Saitenvirtuosen längst für unverzichtbar und bezeichnete ihn einmal scherzhaft als “meine rechte und meine linke Hand”.

Tracks
1 La Bella Dame Sans Regrets 3:18
2 Embrace 4:01
3 Tokyo 3:31
4 Shape of My Heart 3:45
5 La Boca 3:38
6 Chanson I 4:25
7 D’pronto 6:05
8 Lullaby to an Anxious Child 3:06
9 La Belle Dame Sans Regrets 3:17

Dominic Miller & Manolito Simonet „Hecho En Cuba“
Q-Rious Music

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