Fidel Castro – Das Ende einer Ära


Fidel Castro – Das Ende einer Ära
120 Min.
Edel Motion
Ton: DD 2.0 – Deutsch + Englisch – PAL – RC 0

Ein Jubeltag hätte der 80. Geburtstag Fidel Castros werden sollen, für alle Kubaner und seine Anhänger in Lateinamerika und aller Welt, die in ihm den Befreier Kubas und den Kämpfer gegen den US-Imperialismus sehen. Es kam anders: Fidel Castro war schwer erkrankt und musste zum ersten Mal seit seiner Machtübernahme das Zepter an seinen Bruder Raúl übergeben.

Seither hat sich Fidel Castro nicht von einer komplizierten Operation erholt. Immer wieder werden Bulletins und Bilder in die Öffentlichkeit lanciert, die den sichtlich von der Krankheit gezeichneten Patienten im Gespräch mit befreundeten Staatsoberhäuptern zeigen. Der Patient sei, so die Regierungssprecher, auf dem Wege der Besserung und werde die Staatsgeschäfte bald wieder übernehmen. Doch daran glaubt inzwischen selbst auf Kuba niemand mehr. Der Máximo Líder ist Geschichte. Die fast 50-jährige Diktatur auf der Zuckerinsel neigt sich ihrem Ende entgegen.

Der charismatische Diktator, von seinen Anhängern ebenso glühend verehrt wie von seinen zahllosen Gegnern gehasst, hat eine vom CIA angezettelte Invasion, unzählige Anschläge auf sein Leben, das jahrzehntelange Wirtschaftsembargo und den Untergang seines wichtigsten Verbündeten gegen die USA, der Sowjetunion, unbeschadet überstanden.

Man kann durchaus spekulieren, ob Fidel Castro sich so lange an der Macht hätte halten können ohne das Szenario des Kalten Krieges und die kompromisslose Embargopolitik der USA.

Gemessen an der Größe der karibischen Nation waren Castros politische Ambitionen maßlos: Er schickte seine Soldaten in die entferntesten Winkel dieser Erde und ermunterte seine Anhänger, im Namen der Gerechtigkeit und mit dem Versprechen einer brillanten Zukunft seine Revolution in andere Länder zu tragen. Aber er zwang auch zwei Millionen Kubaner ins Exil und brachte diejenigen zum Schweigen, die es wagten, seine Herrschaft anzufechten.

Soweit der Pressetext zu dieser DVD. Aber wir wollen uns den Film, die Aussagen und die Personen mal genauer ansehen. Die Regisseurin Adriana Bosch ist gebürtige Kubanerin, die als Kind zwar die kubanische Revolution miterlebte, aber dann mit ihren Eltern in die USA auswanderte. Die USA hatten ja nie etwas gegen Revolutionen, Gegenrevolutionen, Putschs, Diktaturen in Lateinamerika, wenn sie in ihrem Sinne geschahen und ihre Herrschaft über ihren “Vorgarten” sicherten. Hier aber auf Kuba geschah etwas, was ihnen ungeheuer vorkam, was sie nicht kontrollieren konnten und ihre Interessen tangierte. Die Mafia wurde von der Insel vertrieben, die US-Konzerne enteignet, die Großgrundbesitzer ebenfalls, darunter war übrigens auch der Großgrundbesitz der Familie Fidels.

Das alles könnte ja Schule machen, und das ging nicht, also wurde die antikommunistische Propagandamaschine angeworfen und die Isolierung Kubas in Lateinamerika und der Welt vorrangetrieben. Dies ist das Szenario indem Kuba seit der Revolution lebt, daran hat auch bisher die neue US-Regierung unter Obama nichts geändert. Geändert aber hat sich das politische Umfeld in Lateinamerika, die meisten Regierungen der lateinamerikanischen Länder sind heutzutage von linksliberal bis sozialistisch, die OEA ehemals willfähiges Werkzeug der USA, hat jetzt eigene Standpunkte, das zeigen auch die Reaktionen auf den Putsch der Großgrundbesitzer und Oberklasse in Honduras.

Wer wurde nun im vorliegenden Film interviewt? So der langjährige CIA-Agent Brian Latell, der frühere US-Botschafter Wayne Smith, die Kubanologen aus Florida Marifeli Pérez-Stable und Jorge Domínguez. Auch einige ehemalige Weggefährten Fidels wie Carlos Franqui, Alina Fernández (Fidels Tochter), und der ehemalige Schwager, Rafael Díaz-Balart, kommen zu Wort und das sie nicht gerade positiv über Fidel sprechen, ist wohl klar. Hier sei die Frage erlaubt, wo sind die lateinamerikanischen Soziologen und Politikwissenschaftler aus Brasilien, Argentinien, Venezuela, etc.? Warum hat man sie nicht befragt, sondern die üblichen, die ich auch in anderen Dokumentationen gesehen habe. Letztendlich wieder die gleiche Tendenz im Film wie in den meisten anderen, die in unseren Breiten gezeigt werden. Wenn man ein differenziertes Bild  haben möchte, bitte sehr, es gibt auch Produktionen die Kuba und Fidel nicht durch die Brille der 1. Welt sehen: da ist Oliver Stones Doku über Fidel “Comandante”,  die kubanische Prouktion  “Wege der Revolution – Fidel Castro” und als Buch sei empfohlen “Fidel Castro – Mein Leben” von Ignacio Ramonet, das in den nächsten Wochen auch als Hörbuch erscheinen wird. (Bernd Kielmann)

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