Gary Hoey “Neon Highway Blues”

garySeit ziemlich genau 30 Jahren fegt der US-Amerikaner Gary Hoey jetzt als ewig energiegeladener Gitarren-Derwisch durch die Musikszene. Ausgelassen hat er dabei wenig: Hoey spielte harten Rock, Prog und Surfsound, von ihm gibt es Filmmusik, verrückt-verrockte Weihnachtslieder und vieles mehr. Verwurzelt ist der heute 58-Jährige jedoch im Bluesrock, den er gerne kernig und immer wieder einmal mit deutlichem Heavy-Einschlag zelebriert. So auch auf seinem neuen Album „Neon Highway Blues”.

Auf der von ihm selbst produzierten, im eigenen Studio aufgenommenen Platte präsentiert er sich aufs Neue als Meister dieses Faches und Virtuose auf seinem Instrument. Zusätzlich befeuert haben ihn dabei als Gastmusiker nicht nur seine Labelkollegen Eric Gales und Lance Lopez, sondern auch der in Europa noch nicht allzu bekannte, gleichwohl seit langem von Kennern gepriesene amerikanische Jazz- und Bluesgitarrist Josh Smith, sowie – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – sein 17-jähriger Sohn Ian Hoey.

Gary Hoeys Karriere kam in Fahrt, als Ozzy Osbourne 1987 auf ihn aufmerksam wurde. Der Prince of Darkness suchte seinerzeit einen Gitarristen, er bekam ein Hoey-Tape in die Hand und lud ihn zum Vorspielen ein. Den Job in Osbournes Band ergatterte zwar bekanntlich Zakk Wylde, trotzdem waren für Hoey damit die Weichen für den Weg ins Musikbusiness gestellt. Er gründete mit Drummer Frankie Banali von Quiet Riot die Gruppe Heavy Bones und zog einen Plattenvertrag mit Warner Music an Land. Das erste und einzige Heayy-Bones-Album wurde 1992 in der Hochphase des Grunge allerdings wenig beachtet, weshalb sich die Band trennte. Viel besser lief es mit Hoeys Instrumentalalbum „Animal Instinct” (1993). Die Platte enthielt ein tolles Remake des Focus-Klassikers „Hocus Pocus”, das zum Radiohit geriet, Platz drei der Billboard Rock Charts erreichte und die „Animal Instinct”-Verkäufe beflügelte. Damit war der Grundstein für Hoeys bis heute andauernde Laufbahn als Musiker und Produzent gelegt.

Seither hat Gary Hoey viel Musik für Fernsehen und Kino geschrieben, darunter den Soundtrack zu Bruce Browns Windsurfing-Kultfilm „The Endless Summer II” (1994). Diesem ließ er 2005 ein Album namens „Monster Surf – Surf Songs that Really Rock!” folgen, auf dem er Surfsound-Hits von Künstlern wie den Beach Boys, Dick Dale oder den Ventures eine gehörige Heavy-Rock-Infusion verpasste. Ähnlich druckvoll angelegt war seine Mitte der Neunzigerjahre aus der Taufe gehobene erfolgreiche „Ho! Ho! Hoey”-Albumreihe mit verrockten traditionellen Weihnachtsliedern, die er zur Freude seiner Fans bis heute ab und an auch live auf die Bühne bringt.

Hoey produzierte Lita Fords (The Runaways) 2012 erschienene Platte „Living Like a Runaway” und wandte sich im Jahr darauf mit dem Album „Deja Blues” jenem Genre zu, dessen Fazination er so auf den Punkt bringt: „Blues lag mir stets am Herzen und nötigt mir tiefen Respekt ab. Immer wenn ich einen Bluestitel einspiele, wird daraus eine atemberaubende Reise: Wenn die Energie erstmal fließt, bleibt der Aufnahmeknopf so lange gedrückt bis sie gespeichert ist.” 2016 erschien der „Deja Blues”-Nachfolger „Dust & Bones”, mit dem Hoey ausgiebig tourte, unter anderem im Zuge der von der Mascot Label Group ausgerichteten „Rockin the Blues”-Konzertreihe.

Die elf Titel auf „Neon Highway Blues” schlagen einen breiten musikalischen Bogen. Der reicht vom Jeff-Beck-infizierten funkigen Opener „Under the Rug” (mit Eric Gales) über den dynamischen Slow Blues „Mercy of Love” (feat. Josh Smith) und das texanisch-beschwingte „Still Believe in Love” bis zum stampfenden Bluesrocker „Damned If I Do” (mit Lance Lopez). „Almost Heaven” „Waiting on the Sun” und der Titeltrack „Neon Highway Blues” sind teils majestätisch anmutende Instrumentals, und bei Gary Hoeys persönlichem Highlight „Don’t Come Crying” zeigt sein Ian Hoey im Zusammenspiel mit seinem Vater ganz ausführlich, was er schon als Youngster im Teenager-Alter an der Gitarre auf dem Kasten hat. „Mir hat das Freudentränen in die Augen getrieben”, sagt Gary Hoey – ein Effekt, den „Neon Highway Blues” als Ganzes bei vielen Fans des Genres mit größter Wahrscheinlichkeit ebenfalls auszulösen vermag.

Tracks
1. Under the rug – Hoey, Gary / Gales, Eric
2. Mercy of love – Hoey, Gary / Smith, Josh
3. Your kind of love
4. Don’t come crying – Hoey, Gary / Hoey, Ian
5. Still believe in love
6. Almost heaven
7. I felt alive
8. Waiting on the sun
9. Damned if I do – Hoey, Gary / Lopez, Lance
10. Living the highlife
11. Neon highway blues

Gary Hoey “Neon Highway Blues”

Mascot Label Group

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