Georg Clementi „Zeitlieder 3“

georgclementi_zeitlieder3_coverDas Leben schreibe die besten Geschichten, heißt es immer wieder. Das mag schon stimmen, aber wirklich aufschreiben kann es sie nicht. Da muss dann schon ein Mensch her, der das stellvertretend macht. Zum Beispiel die Autoren der Wochenzeitung Die Zeit, die aus ihnen große Leseereignisse zum Zeitgeschehen verfassen. Verdichtetes Leben, von allen Seiten beleuchtet, umdacht.

Eine Lektüre, die den Südtiroler Chansonnier Georg Clementi vor ein paar Jahren anregte, daraus Lieder zu formen: Zeitlieder, Lieder zur Zeit, denen der gelernte Schauspieler Clementi nochmal ganz andere Perspektiven abgewinnt, indem er nicht die beobachtende Position des Reporters beibehält, sondern in die Figuren der Geschichten schlüpft. Das kam bei Publikum und Kritik bisher so gut an, dass dieser Tage ein drittes Album voller Zeitlieder erscheint.

2012 gewinnt er mit diesem Programm sowohl Publikums- als auch Jurypreis des renommierten Stuttgarter Chansonwettbewerbs „Troubadour“. „Er hat uns alle vom Hocker gerissen“, zeigte sich Jurorin Katja Ebstein begeistert und umschrieb damit schon einen der Begriffe, die in Clementis Kritiken immer wieder auftauchen: Energie. Aber auch Lebenslust fände sich immer wieder, „so etwas wie südländische Leichtigkeit“, empfand es Mirjam Jessa vom Österreichischen Rundfunk.

Begleitet von Sigrid Gerlach am Akkordeon und Tom Reif an der Gitarre lässt Clementi bereits im Eröffnungssong „Auf der A3“ einen bulgarischen Leiharbeiter, einen Oberstudienrat, einen Dealer und einen Flüchtling aufeinandertreffen, um von nichts anderem als von einer flüchtigen Liebe zu singen. Großes Kopf-Theater bietet er auch als 81jährige, die immer so alt werden, aber nie so alt sein wollte, als dem reich werden ausgelieferter Erbe oder als Fair-Trade Kaffee Käufer, dessen gut gemeinte Welt aus den Fugen gerät.

Tracks
Auf der A3
Der Erbe
Flügellos
Küsse die Hand
Hitze
Fairtrade Kaffee
Keine isst wie du
Lazarus
Lied einer alten Frau
Der Bibliophile
Loblied auf die Farbe Grau
Mehr oder weniger
Wenn ich denke

Georg Clementi „Zeitlieder 3“
Sowie Sound

Print Friendly, PDF & Email

You must be logged in to post a comment Login