Gizmo Varillas „El Dorado“

gizmoGizmo Varillas stammt aus dem spanischen Santander und wuchs in Bilbao auf. Es scheint eher unwahrscheinlich, dass seine Eltern ihn Gizmo getauft haben – nach einem in den Siebzigern populären Effektgerät, das Godley & Creme (10CC) entwickelt hatten. Gizmo zog es jedenfalls in die Ferne, genauer gesagt nach Cardiff, wo er Medienwissenschaften studierte und eigentlich schon auf dem besten Wege zum beachteten Dokumentarfilmer war. Aber dann packte ihn wohl das Fernweh und er ging ein Jahr lang als Straßenmusiker nach Südfrankreich, wo er unter offenbar mediterranem Einfluss sein musikalisches Kaleidoskop entwickelt hat, das sich fürwahr in den schönsten Farben bricht.

Nach dem eingangs erwähnten „One And Only“ (Free Download on Soundcloud) veröffentlichte Gizmo letztes Jahr die Single „Gotta Getaway“, das bereits mit seiner typisch symbiotischen Handschrift aufwartet, in der sich Folk und Tropical, Funk und Tüftelspaß fröhlich die Hand geben. Vamos. Der erste kleine Hit, sommerliche Hymne zum Aufbruch ins Ungewisse, war unters Volk gebracht. Sein nun in farbenfrohem Maya-meets-Pop-Art auftauchendes Debütalbum „El Dorado“ mag nicht das von den Spaniern ersehnte Land aus Gold sein, aber es geizt nicht mit kleinen Songjuwelen, mit denen sich Ohren dauerhaft schmücken oder die sich an Assoziationsketten hängen lassen, die bei den Songs von Gizmo entstehen. Schon der Opener, das Instrumentalstück „Paraiso“, offenbart den musikalischen Genius von Gizmo: Schicht um Schicht – wie ein Tigerauge – baut er das Stück auf, schlicht schön und überzeugend. Der Tropical-Groove ist hier wie auch bei dem folgenden „Freedom For A Change“ ein treibender Motor im Beat-Panoptikum dieses stilistisch kaum zu greifenden Troubadours – a trigger for a good mood.

Auch das Heiter-Melancholische ist sein Ding. Nehmen wir das rubinrot-traurig-temperamentvolle „On The Run“, bei dem zu leichten Flamencorhythmen die Lakonie eines Leonard Cohen auf den Groove verloren geglaubter Pop-Nuggets trifft. „Al Caminar“, das einzige spanischsprachige Stück, scheint auch aus waidwunder Seele zu kommen und lässt an die balladeske Kunst von Seu Jorge oder Devandra Banhart denken, mit denen Gizmo bereits verglichen wird. Oder nehmen wir den Onyx-schwarzen Glanz von „No War“, agitativ korrekt und mit Originalzitat von John Lennon ausgestattet, entwickelt Gizmo mit Dire-Straits-Gitarre einen Groove wie weiland Sniff ’n’ the Tears mit „Driver’s Seat“ – kurzum, ein Song, der sich in die Reihe großer moderner Friedenshymnen einreihen mag, damit steter Tropfen den Stein höhle und irgendwann mal die Waffen schweigen mögen.

Apropos Lennon, die große Verbeugung vor den Beatles vollzieht Gizmo mit dem smaragdgrünen Sixties-Flower-Power-Evergreen „Early Days“ und auch „Hold On“, die Ehrbezeugung an Paul Simon inklusive der Referenz an dessen Liebe zum Afro-Beat muss als rundum gelungen bezeichnet werden. Für die heiteren Momente im Leben ist die Single „Give A Little Love“ wie geschaffen – klingt wie das in Frankreich adaptierte Savoir-vivre. Der coole als Funk inszenierte Reggae-Voodoo-Groove mit Suchtpotential von „Outta My Mind“ sollte ein Diamant unter jeder Discokugel werden – und dürstet geradezu nach Remix-Versionen. Last but not least, der Epilog des Albums: Wie der Prolog ist auch der letzte Track ein Instrumental, dessen „clandestine“ Gitarren natürlich an Manu Chao denken lassen, dessen World Pop auch junge Künstler wie Gizmo bewegt haben dürfte.

Tracks
1 Paraiso 1:43
2 Freedom for a Change 2:38
3 Gotta Getaway 2:37
4 Hold On 2:58
5 Outta My Mind 2:49
6 Give a Little Love 2:28
7 Al Caminar 3:02
8 Shadows of the Dark 3:12
9 On the Run 2:35
10 No War 3:09
11 Early Days 2:58
12 El Dorado 1:55

Gizmo Varillas „El Dorado“
Big Lake Music

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