Howard Jones „Transform“

howardHoward Jones ist nicht nur ein Pionier der elektronischen Popmusik, sondern auch ein Musiker mit einer Mission. In seiner Karriere ging es immer um das große Ganze. Die Lieder des britischen Sängers, Songwriters und Keyboarders, einzigartig in ihrer Handschrift und ergo von hohem Wiedererkennungswert, erforschen universelle Themen wie Erleuchtung, Transzendenz und den Blick in die Vergangenheit, um den weiteren Horizont dahinter zu erfassen.

Auf seinem neuen Studioalbum „Transform“, dem nach diversen experimentelleren Werken ersten regulären Popalbum seit zehn Jahren, beschäftigt sich Jones mit den alltäglichen Kämpfen darum, seine eigene Identität in einer vollkommen vernetzten Welt nicht zu verlieren. Dabei ist seine Botschaft durchaus ermutigend: „Wir können unseren Wandel tatsächlich selbst beeinflussen. Wir müssen nur das Heft selbst in die Hand nehmen und aktiv werden und uns richtig einsetzen. Ich glaube, bei diesem Album war ich mir sehr bewusst darüber, dass jeder einen Anschub braucht. Egal, in welcher Situation wir uns auf der Welt befinden, niemand sonst wird etwas für uns ändern oder tun – wir müssen die Führung selbst übernehmen.“ Anders ausgedrückt: Wenn wir etwas auf dieser Welt verändern wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen.

Jones bleibt ein Begriff für jeden, der in den 80er und 90er Jahren aufgewachsen ist. Weltweite Hits wie „Things Can Only Get Better“, „No One Is To Blame“, „What is Love?“ und „New Song“ sind feste Bestandteile der Popkultur. Insgesamt kommt der Brite bis heute auf 15 internationale Top-40-Hits. In etlichen Kinofilmen und Fernsehserien der letzten Jahre wie „Breaking Bad“, „Stranger Things“, „Bumblebee“, „GLOW“, „Eddie the Eagle“, „Halt and Catch Fire“ und „Everybody Hates Chris“ sind seine Songs zu hören. Wie beliebt allein sein Frühwerk weit über Generationen hinaus ist, zeigt der Umstand, dass die Super-Deluxe-Neuauflagen seines Debütalbums „Human’s Lib“ (1984; UK No.1) und des Nachfolgewerks „Dream Into Action“ (1985), die im Jahr 2018 auf Cherry Red Records erschienen, schon allein auf Basis der Vorbestellungen ausverkauft waren.

Zu den frühen Highlights der Karriere des Synthesizer-Pioniers aus Wales zählt neben seinem Auftritt bei der Grammy-Verleihung 1985 (neben Herbie Hancock, Stevie Wonder und Thomas Dolby) natürlich sein unvergesslicher Auftritt beim Live-Aid-Spektakel 1985 im Wembley Stadion. Seine Pianoversion des Hits „Hide And Seek“ sahen 1,9 Milliarden Menschen, was damals einem Viertel der Weltbevölkerung entsprach. Eine weitere Fußnote seiner schillernden Karriere war seine Beteiligung an einer Tournee mit der All-Starr-Band (!), die Ex-Beatle Ringo Starr zusammengestellt hatte und zu der neben Jones weitere prominente Musiker wie Sheila E, Roger Hodgson, Ian Hunter und Greg Lake gehörten.

Zu den weiteren erwähnenswerten Albumveröffentlichungen von Howard Jones, der auf seinem von ihm gegründeten Label Detox auch reine Pianowerke veröffentlichte, zählen die Alben „Revolution Of The Heart“ (2005) und „Ordinary Heroes“ (2009), auf dem er mit Chor- und Streicherarrangements arbeitete. Zuletzt erschien unter dem Titel „Engage“ (2015) ein von seinen Fans mitfinanziertes, bahnbrechendes Multimediaprojekt, das zugleich Album, Film, Mobile-App, Buch und Live- Performance war. Musikalisch brachte es die Welten von Pop, Electronica, zeitgenössischer Klassik und Ambient zusammen. „Engage“ markierte den Beginn einer vierteiligen Serie, dessen zweiter Teil nun mit dem Album „Transform“ vorliegt. Die beiden noch ausstehenden Teile tragen die Titel „Dialog“ und „Global Citizen“.

Sein Einfluss auf neuere Musikergenerationen ist ebenfalls beträchtlich. Im Jahr 2013 produzierte der französische House-Musiker Cedric Gervais eine neue Version von „Things Can Only Get Better“ mit Jones als Leadsänger, die 14 Wochen lang in den Top 40 der Billboard Dance Charts zu finden war. Der niederländische DJ und Produzent Ferry Corsten veröffentlichte 2008 den elektronischen Dance-Track „Into The Dark“ mit Jones und erlangte weltweite Anerkennung. Eric Prydz, der Schweizer DJ und Produzent, mischte „Things Can Only Get Better“ neu ab und veröffentlichte den Song unter dem Titel „And Do You Feel Scared“ im Jahr 2006 auf dem Videospiel FIFA World Cup.

Auch der amerikanische Elektronikkünstler BT, der 16 Jahre jünger ist als Jones, teilt mit Howard Jones dessen Experimentierfreudigkeit. Für „Transform“ haben die beiden an drei Songs zusammengearbeitet, unter anderem an „At The Speed Of love“ und dem Titelsong. Der „britische Godfather of Synth-Pop“, wie Howard Jones auch genannt wird, kehrt rein musikalisch auf „Transform“ gleichwohl zu seinen Wurzeln zurück und kombiniert einen Teil seines frühen Synthesizer-Arsenals (Roland, Moog, Simmons, Emulator Keyboards) mit neuer Technik. „Ich habe viele Alben aufgenommen, auf denen ich neue Dinge ausprobiert habe, aber es fühlt sich gut an, wieder nur mit Synthesizern zu arbeiten. Meine Fans haben sich gewünscht, dass ich wieder ein Synthie-Album mache, und ich glaube, dass ich unbewusst diesem Wunsch nachgekommen bin und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.“

Howard Jones, seit weit über zwanzig Jahren ein überzeugter Buddhist, strahlt auch auf seinen neuen Songs eine in seiner Spiritualität verwurzelte Gelassenheit und Menschenfreundlichkeit aus, was durch seine angenehm sanfte Stimme noch verstärkt wird. Songs wie „The One To Love You“, der mit wie eh und je wunderbaren Hooks und einer aufregenden Klangpalette von Synthesizer-Sounds aufwartende Opener, das mit feinen Dance-Beats überzeugende „Take Us Higher“ oder die intensive Pianoballade „Mother“ demonstrieren einerseits eine beeindruckende stilistische Vielfalt, sind andererseits sofort als typische Howard-Jones-Songs zu erkennen.

Der Pop-Appeal seiner in brillanten Synthesizer-Fantasien getauchten Songs ist und bleibt sein unverkennbares Markenzeichen. „Beating Mr Neg“, ein Appell, nicht auf diejenige innere Stimme zu hören, die uns von unserem Weg und von unseren gesetzten Zielen abbringt, das eingängige „Hero In My Eyes“ und das funkbetonte „Stay With Me“ gehören zu den weiteren Höhepunkten eines Albums, das Fans des 80er-Jahre-Sounds ebenso gefallen wird wie Freunden moderner Popsongs.

In diesem Frühjahr geht Howard Jones gemeinsam mit seinem langjährigen Kompagnon Robbie Bronniman (Keyboards, Programming) und dem Gitarristen Robin Bolt auf Tournee durch Großbritannien und die USA. Ein Auftritt auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin ist ebenfalls in Planung und die nächste Deutschlandtournee dürfte auch nicht lange auf sich warten lassen.

Tracks
1 The One To Love You
2 Take Us Higher
3 Beating Mr. Neg
4 Transform
5 Hero In Your Eyes
6 Tin Man Song
7 At The Speed Of Love
8 Eagle Will Fly Again
9 Mother
10 Stay With Me

Howard Jones „Transform“
Big Lake Music

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