Ivo Neame “Strata”

ivoWeitläufig bekannt ist Ivo Neame, das neue Glanzlicht des zeitgenössischen Jazz-Klaviers, durch seine Rolle als maßgebliche Stütze bei Phronesis und Marius Neset. Nun macht er einen Abstecher von seinem Oktett und anderen Projekten, um mit „Strata“ ein neues aufregendes Quintett zu präsentieren. Zusammen mit den Koryphäen des britischen Jazz Tori Freestone, Jim Hart, Tom Farmer und Dave Hamblett bzw.

Andrea De Biase, wirbeln die acht Neame-Originale zwischen komplexen, ausnotierten Grooves und verschiedenster instrumentaler Klangfarben zu wagemutigem Improvisationen. Ivo Neames Intention für seine neueste Aufnahme – ausgiebig live eingespielt und sorgfältig feingeschliffen vor dem Studiotermin – war eine tiefere Erforschung von harmonischen und strukturellen Details mit dem Ziel neue Stücke zu kreieren, wovon jedes seine eigene Identität hat.

Die dadurch entstandene Klanglandschaft des Quintetts, verstärkt durch Ivos tragende Synthie- und Akkordeon- Schichten plus Tori Freestones glanzvollen Flöten-Improvisationen, durchlaufen in der Tat viele verschiedene Ebenen. Vom schnellen Vibraphon-Swing in „Personality Clash“ und „Crise de Nerfs“, über das crescendohafte, Weather-Report-mäßige Synthie-Tenor-Gebilde des Titelstücks „Strata“, bis zu einem überschwänglichen, hypnotischen „Folk Song“ gibt es auf diesem Album eine unglaubliche Klangintensität zu genießen. Der Coltrane-durchtränkte „OCD Blues“ ist ebenso kraftvoll wie lebhaft mit der tatkräftigen Unterstützung von Tom Farmers und Dave Hambletts Lebendigkeit an Bass und Schlagzeug.

Und beim zum Pianotrio reduzierten „Eastern Chant“ lotet der Leader seine eigenen Grenzen aus. Das fesselnde Stück „Miss Piggy“ ist eine fein ausgearbeitete Ballade, die das anscheinend grenzenlose Klangspektrum von Tenoristin Tori Freestone präsentiert. Die transparenten Stimmungen von „Snowfall“, von Jim Harts bodenständigem Vibraphon verstärkt, werden von exzellenten treibenden Soli beleuchtet. Im Zentrum einer solchen Lebendigkeit und Vielfalt steht die forschende instrumentale Meisterklasse von Ivo Neame. Die sehr markanten eklektischen Momente sind manchmal eher den Einflüssen von Strawinsky oder Debussy zuzuschreiben als den offensichtlichen von Keith Jarrett, Chick Corea und JohnTaylor.

Ein Musiker, dessen Stil – ob durch programmatische oder abweichende improvisatorischen Strukturen – sich deutlich von dem anderer Jazz- Pianisten der heutigen Zeit unterscheidet. Sein besonderes Bestreben auf „Strata“ ist es, „unvergessliche Themen zu offenbaren, die den Zuhörer bewegen, sowohl musikalisch als auch emotional“. Fakt ist, egal wie viel Schichten Kreativität man hier durchforschen kann, dieses Album ist ein deutliches und nachhaltiges Statement von einem führenden britischen Quintett … und ein faszinierendes dazu!

Tracks
1. Personality Clash 7:15
2. Strata 6:13
3. Ocd Blues 9:30
4. Miss Piggy 3:42
5. Crise De Nerfs 4:25
6. Eastern Chant 6:07
7. Folk Song 5:02
8. Snowfall 6:59

Ivo Neame “Strata”
Whirlwind

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