Jacques Callot und die Erfindung des Individuums

JacquesWorum im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) gekämpft wird, darum wird auch heute noch Krieg geführt: um Macht, Geld und den wahren Glauben. Und wie in jedem Krieg wird die Kunst zur Dienerin der Propaganda degradiert – was für Zeiten, um ein Künstler werden zu wollen!

Der junge Jacques Callot will um jeden Preis und allen Widerständen zum Trotz ein Meister seines Fachs, ein vollendeter Kupferstecher werden, reist als halbes Kind auf eigene Faust nach Italien, und tatsächlich gelingt ihm in Radierungen und Stichen so etwas wie ein individueller künstlerischer Ausdruck in einer Zeit, die den Begriff des Individuums gar nicht kennt. Rembrandt ist ein Sammler Callot’scher Werke, Francisco de Goya wird durch Callots Radierzyklus Die großen Schrecken des Krieges zu seinem eigenen Zyklus Desastres de la Guerra inspiriert, E. T. A. Hoffmann nennt sein literarisches Debüt Fantasiestücke in Callots Manier.

Was zeigt Callot dem Schauenden – und Lesenden – bis heute, vierhundert Jahre später? Die unermesslichen Schrecken des Krieges, den unbändigen Willen einer Künstler­persönlichkeit, den hohen Preis für diese Meisterschaft, den zu bezahlen Callot bereit ist, und ein zeitloses Werk voller Einzelschicksale, voller kleiner Leben.

Autor
Bernd Schuchter
, 1977 in Innsbruck geboren, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck, seit 2006 Verleger des Limbus Verlag, lebt mit seiner Familie in Innsbruck. Preisträger beim Prosapreis Brixen/Hall (2007) und beim Preis für künstlerisches Schaffen der Stadt Innsbruck (2014). Zuletzt erschienen die Erzählung Jene Dinge (2014), die Romane Link und Lerke (2013) und Föhntage (2014) und der literarische Reiseführer Innsbruck abseits der Pfade (2015). Seine Bücher wurden bisher ins Englische, Polnische und Ukrainische übersetzt.

Jacques Callot und die Erfindung des Individuums
Autor: Bernd Schuchter
176 Seiten, gebunden
Braumüller Verlag
Euro 18,00 (D)
ISBN 978-3-99200-168-2

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