Jeff Williams „Bloom“

jeffEs spricht Bände, wenn der belebte Opener-Track von Schlagzeuger Jeff Williamses neuem Piano-Trio Bloom mit den Worten „wir wärmen uns nur auf und stimmen unsere Kopfhörermixes miteinander ab“ vorgestellt wird. Denn das ist die bemerkenswert spontane Qualität, die seine Partnerschaft mit der Pianistin Carmen Staaf und dem Kontrabassisten Michael Formanek über zehn Nummern liefert, die jeweils von einem der drei Musiker geschrieben wurden, plus einer Interpretation eines Buster-Williams-Stückes.

Jeff Williams arbeitete neben Stan Getz, Dave Liebman, Joe Lovano und John Abercrombie und leitete immer wieder seine eigenen Gruppen. In den letzten Jahren spielte er in den USA im Quartett des Saxophonisten Dan Blake mit dem Pianisten Leo Genovese und dem Bassisten Dmitry Ishenko. „Einmal, als Leo nicht verfügbar war, trat Carmen ein und ich fühlte eine echte Verbindung zu ihrem Spiel“, erinnert sich der Schlagzeuger. „Wir sprachen über die Idee eines Trios, wonach ich Michael in die Arme lief (wir trafen uns in den 1970er Jahren zum ersten Mal, als wir in New York zusammen auftraten). Das war der ‚Heureka-Moment‘ – er erblühte aus dem Nichts, daher der Albumtitel.“

Bloom beinhaltet auch neue Trio-Arrangements von älteren Stücken. Jeff scherzt, dass er Thelonious Monks Haltung teilt (als der große Pianist gefragt wurde, warum er die ganze Zeit die gleichen Stücke spielt): „Ich möchte, dass die Leute sie hören!“ Die harmonische Schönheit von „Another Time“ zum Beispiel – ursprünglich aufgenommen mit zwei Hörnern und Bass – wird durch Staafs Fantasie und die farbigen Reflexionen von Williams Becken (einschließlich eines K Zildjan Rides aus den 1950er Jahren) aufgewertet. Und der verstohlene, chromatische 7/8-Antrieb von „Scrunge“ geht in das ungeduldig groovende „Search Me“ über.

Staafs „Short Tune“ und „New York Landing“ spiegeln ihre strahlende Persönlichkeit wider – synchronisiert, malerisch und sorglos, wie der Schlagzeuger schwärmt: „Eine gewisse Eigenart, eine Menge Technik in der Reserve – und ich kenne nur wenige junge Musiker, die den Blues so spielen können.“ Williams feiert auch Michael Formaneks nachdenkliche „Ballad of the Weak“: „Für mich sind das Strayhorn, Duke Ellington, Mingus – all diese Qualitäten“; und das schnell swingende „A Word Edgewise“ bietet ein typisch vibrierendes Bass-Solospiel.

„She Can’t Be A Spy“ (ein Zitat der New York Times: „Sie kann keine Spionin sein – sieh mal, was sie mit den Hortensien gemacht hat“) zerrt heftig an der Leine ohne spezielle Akkordwechsel: „eine lustige Herausforderung, die alles an den Rand der Klippe bringt“; und Buster Williams „Air Dancing“ (aus den Charts, die Jeff vom Meister selbst überreicht bekam) setzt die zarte Raffinesse fort, die u. a. von Herbie Hancock und Wayne Shorter überliefert wurde. Das flotte „Northwest“ wurde vor einigen Jahren mit Frank Kimbrough aufgenommen, und Staafs gamelanartiges „Chant“ liefert einen meditativen Tröpfchen-Piano- und Arco-Bass-Abschluss.

„Ich bin mit vielen Klaviertrios aufgewachsen, besonders mit denen von Ahmad Jamal aus den Jahren 1958 bis 1962 – das hat mein Spiel beeinflusst. Es gibt hier jedoch kein festes Konzept – es war lediglich ein Fall von ‚Mal sehen, was wir damit machen können’. Ich habe immer mit Leuten gespielt, die mich inspirieren, die die musikalische Kommunikation genießen und in die Tiefe gehen. Und die zuerst an die Musiker denken als an die Instrumentierung. So hoffe ich, dass Bloom es uns ermöglichen wird, mit diesem Trio weiter zu machen.“

Tracks
1 Scattershot
2 Another Time
3 Short Tune
4 Scrunge / Search Me
5 Ballad Of The Weak
6 New York Landing
7 She Can’t Be A Spy
8 Air Dancing
9 A Word Edgewise
10 Northwest
11 Chant

Jeff Williams „Bloom“
Whirlwind Recordings

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