Joel Harrison 5 “Spirit House”

joelharrison5Ein weitdenkender Musiker mit einem reichen und umfangreichen Backkatalog von Veröffentlichungen – vom Duo und kammermusikalischen Formaten bis zu Big Band-Projekten, von westafrikanischen bis zu nordindischen Kooperationen –, widmet der bekannte, in Washington DC geborene Gitarrist und Komponist Joel Harrison seine Aufmerksamkeit auf ein Quintett der Sonderklasse. Die faszinierende Frontline aus Cuong Vu an der Trompete und Paul Hanson am Fagott wird komplettiert vom New Yorker Bassisten Kermit Driscoll und der einflussreichen Eminenz Brian Blade am Schlagzeug. Harrison hat ein authentisches Improvisations-Album geschaffen mit einem konzeptionellen Schwerpunkt, der sehr stark auf die intuitiven Fähigkeiten dieser besonderen Musiker ausgerichtet ist.

Die farbenprächtige Palette von Harrisons Output ist von vielen Gitarristengrößen wie Bill Frisell, John Scofield und Jeff Beck beeinflusst und fest verwurzelt in den amerikanischen Rock- und Country-Epochen von Duane Allman und Danny Gatton. Hinzu kommt eine unbändige Leidenschaft für Kreuzungen der musikalischen Kulturen und Genres, sowie eine unverwechselbare Ausdruckskraft als Gitarrist und als Sänger. Dies alles macht deutlich, warum Joel Harrisons sich kontinuierlich entwikkelnden kompositorischen Klangwelten immer wieder neue, höchst spannende Momente entfalten. Auf „Spirit House“ werden, das instrumentale Line-Up täuscht manchmal darüber hinweg, eine Vielzahl von musikalischen Mixturen, Strukturen und Stimmungen erreicht.

Die Verkupplung von Trompete und Fagott, mit scharfsinnig gesättigten Gitarren- Voicings, erschafft einen bemerkenswert effektiven „Bläsersatz“ – wie im überschwänglichen „Left Hook“ zu hören -, der dann in der Lage ist, sich wieder zu teilen und frische Nuancen der Improvisation zu enthüllen. Die spezielle Jazz/Blues-Nummer „Sacred Love“ kontrastiert deutlich mit der psychodelischen Fusion von „An Elephant In Igor’s Yard“. „Some Thoughts On Kenny Kirkland“ lebt vom schmachtend-poetischen Klang von Joel Harrisons Gitarre und und die Holzbläser-Extravaganz in „Old Friends“ verbindet Andeutungen von Wehmut und Freude.

Harrison erklärt den Albumtitel „Spirit House“ als eine geeignete Metapher für den musikalischen „heiligen Raum“, den dieses herausragende Ensemble auf magische Weise mit einer knappen Stunde inspirierter Musik besetzt. Unter den Zielen des Leaders für dieses Album ist die Hoffnung, dass die musikalische Zugänglichkeit, einschließlich einiger Song-basierender Stücke, weiter reichen als die Komplexität einiger seiner letzten Veröffentlichungen: „Dies ist ein Projekt, das Herz, Seele, Verstand und Witz miteinander vermischt, um eine Musik zu kreieren, die auf unterschiedliche Weise bewegen könnte … um eine Tür im Innern des Hörers zu öffnen, um etwas zu erleben und mit auf eine Reise genommen zu werden.“

Das Gefühl der Entdeckung ist immer präsent in einem Quintett- Debüt, gekennzeichnet durch angeborene Musikalität und der Verwunderung von Unberechenbarkeit.

Tracks
1 An elephant in igor´s yard
2 Old friends
3 Left hook
4 Johnny broken wing
5 Some thoughts on Kenny Kirkland
6 You must go through a winter
7 Sacred love
8 Spirit house
9 Look at where you are

Joel Harrison 5 “Spirit House”
Whirlwind

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