Josephine Davies „Satori“

josephineEin improvisatorisches Trio-Projekt, das die Definition seines buddhistischen Titels „Satori“ – ein Moment der erleuchtenden Gegenwart und innerer Geräumigkeit, weg von der Unordnung des Gedankens – widerspiegelt, präsentiert die britische Saxophonistin und Komponistin Josephine Davies zusammen mit den Sidemen Dave Whitford (Kontrabass) und Paul Clarvis (Schlagzeug) auf einem fesselnden Album mit rein akustischen Original-Kompositionen.

Die vielfältige künstlerische Reise von Josephine Davies’ Karriere umfasst klassische Saxophonquartette und andere Besetzungen, sowie Schlüsselpositionen in größeren Ensembles wie dem Pete Hurt Orchestra und als „Resident“-Tenoristin und -Komponistin mit dem London Jazz Orchestra. Aber die Rückkehr in eine Klangwelt, die von dem unmittelbaren Solo-Horn-Charakter von John Coltrane hervorgerufen wurde und auf einer intensiven Live-Debüt-Performance im Londoner Iklectik-Kreativraum basiert, konzentriert sich diese Partnerschaft vor allem auf intuitive, erweiterte, dreidimensionale Reaktionen auf Josephines absichtlich minimales Komponieren, basierend auf Schlüsselzentren, anstatt vorgeschriebene, festgelegte harmonischen Sequenzen.

Die daraus resultierende, fließende Chemie zwischen diesen Exponenten des In-diesem-Moment-Musizierens ist faszinierend zu erforschen. Josephine Davies erklärt: „Dave und Paul machen die Dinge sehr schnell – ihre Kreativität und Spontaneität bringen immer etwas Neues und das Trio ist in der Lage, mit großer Leichtigkeit voranzukommen. Da ist eine wirkliche Attraktion zu diesem Raumgefühl: Die Freiheit haben, Ideen zu erforschen, ohne ein Harmonieinstrument, nicht zu wissen, wo sie hinführen werden“. Und die eigene melodische Quelle der Saxophonistin produziert die ungehinderten, oft berauschenden Ausdrücke der langsam brennenden Lyrik und des klangvollen Überschwangs.

In „Insomnia“ schweben und umschlingen eindringliche, panflötenartige Sopransax-Wellen die ruhelosen perkussiven Sounds von Bass und Schlagzeug – und anstatt die Aufmerksamkeit wie üblich auf Standard-Solo-Ausflüge zu lenken, verschiebt die Gruppendynamik so organisch, um bestimmte instrumentelle Phrasen und Ideen zu betonen. Der bissige, asymmetrische Rhythmus von „Crisp Otter“ (hier wird der Hinweis auf den US-Saxophonisten und seine Underground Band offensichtlich) groovt köstlich zu Davies’ flüssigem Tenor, und das wilde, technisch anspruchsvolle „The Yips“ erfüllt die Luft mit feierlicher, südafrikanischen Leidenschaft.

Drei Stücke, die ursprünglich als ein Übergangs-Medley konzipiert wurden, beginnen mit „Something Small“, ein munteres, fast Bernsteinesques Thema, das souverän vor seiner scheinbar widerwilligen Wiederholung auseinander genommen wird. Im Anschluss, benannt nach George Merryweather‘s bizarrem „Egelbarometer“ aus dem 19. Jahrhundert, folgt das schnell swingende Getümmel von „The Tempest Prognosticator“, das von Clarvis’ und Whitfords überschwänglicher Musikalität gezeichnet ist, während sich die gefährlich windenen „Snakes“ (einer von vier Tracks, die live vor Publikum aufgenommen wurden) über fast zehn Minuten hinausragen und Josephine Davies‘ breite, erfinderische Palette präsentieren. Das freudig rhythmische „Paradoxy“, mit soliden Echos von Sonny Rollins, erscheint in zwei verschiedenen Aufnahmen – ein Wink zu den klassischen Jazz-Alben der 50er und 60er Jahre, die beide ein lebendiges, individuelles Rampenlicht für jeden Spieler bieten.

Als ein Album zum immer wieder neu erleben, unterstreicht „Satori“ auch die der Live-Musik innewohnenden Dynamik und Energie – das lebenswichtige Herzblut eines jeden improvisierenden Musikers. Und diese besondere Umgebung ist etwas, in dem Josephine Davies viel zukünftiges Potential sieht: „Ich hoffte, dass dieses Trio mit Dave und Paul verspielt, energiegeladen und aufregend sein würde. Ich hatte sogar schon den Ton dafür in meinem Kopf. Aber das Ergebnis ist noch besser – so inspirierend und mit so viel Spaß“.

Tracks
1 Insomnia
2 Something Small
3 The Tempest Prognosticator
4 Snakes
5 Paradoxy
6 Crisp Otter
7 The Yips
8 Paradoxy Alternate Take

Josephine Davies „Satori“
Whirlwind

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