Julia Ehninger „Im Wandel“

juliaehningerTransatlantisches Debüt: Den Großteil von „Im Wandel“ hat die Stuttgarter Jazzsängerin und DAAD-Stipendiatin Julia Ehninger im steten Transfer zwischen Deutschland und New York komponiert. Der Big Apple war während ihres Studiums an der Manhattan School of Music bei Gretchen Parlato, Theo Bleckmann und Phil Markowitz ihre zweite Heimat und Inspirationsquelle – und die Zeit in der legendären Jazzmetropole geprägt von vielen neuen Eindrücken, Begegnungen und Abschieden.

In dieser Übergangsphase setzte sich die Sängerin gedanklich mit den Themen Beständigkeit und Wandel auseinander. Es verwundert nicht, dass diese Themen nun auch ihr Debüt bestimmen. In ihren filigranen Kompositionen verbindet Julia Ehninger gekonnt zeitgenössischen Jazz mit Elementen des Pop und R&B und kreiert so mit ihren Mitmusikern einen ganz eigenen, leichten und hellen Sound. Modern und doch zeitlos, virtuos und doch leichtfüßig. Melodien mit Ohrwurmqualität treffen auf komplexe Harmonien und Rhythmen, eine beeindruckende Bandbreite, die dieses Quartett hier abdeckt. Obwohl „Im Wandel“ ein Erstling ist, ist unüberhörbar: Diese Musiker spielen nicht erst seit gestern zusammen.

Längst wird der Bandsound maßgeblich von ihren langjährigen musikalischen Weggefährten Lukas Brenner (Klavier), Nico Amrehn (Kontrabass) und Martin Grünenwald (Schlagzeug) mitgetragen. Zusätzlichen Schliff verleihen dem Album die Gäste Verena Nübel (Gesang) und der Saxofonist Alexander Bühl. Die Idee des Wandels zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Mal interagiert Julia Ehninger ohne Text – quasi wie ein zusätzliches Instrument – mit der Band, mal schließt sich die Band nahtlos und kunstfertig ihren textlichen Ausflügen an. Neben eigenen, ausschließlich deutschen Texten vertont die Sängerin Gedichte von Joachim Ringelnatz („Schenken“) und Hermann Hesse („Im Nebel“). Mit einer ernsthaften Leichtigkeit erzählt Julia Ehninger von Schlaflosigkeit, von Orientierungslosigkeit und Einsamkeit – oder eben, stetig wiederkehrend, von Veränderung. Bei ihr bringt Veränderung große Herausforderungen, aber auch die Chance auf etwas Neues, Besseres. „Wenn sich äußere Bedingungen ändern, ändern wir uns mit ihnen – die Hülle verändert sich, im Kern jedoch bleiben wir die gleiche Person“, sagt sie dazu.

Dieser Wandel machte selbst vor dem Songwriting nicht halt: Das Titelstück des Albums „Im Wandel“ hieß zunächst „Constant“, also eigentlich das genaue Gegenteil. Doch der Gedanke, dass es wirkliche Konstanz in zwischenmenschlichen Beziehungen nur geben kann, wenn wir Veränderung zulassen, ließ die Sängerin nicht los. Aus „Im Wandel“ hat das ein mutiges, stetig changierendes und besonderes Album gemacht. Und aus der Künstlerin? Sie ist sicherlich längst dabei, es herauszufinden.

Julia Ehninger – Jazz Vocals & Composition Julia Ehninger lotet seit vielen Jahren die traditionellen Genregrenzen des Jazz aus. Sie versucht viel, erreicht noch mehr, erprobt mutig neue Pfade und zieht ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mit ihrer warmen und beweglichen Stimme von der ersten Minute in den Bann. Die 28jährige Jazzsängerin studierte an den Musikhochschulen Weimar und Stuttgart und ging 2013 nach New York, wo sie an der Manhattan School of Music von Gretchen Parlato, Theo Bleckmann und Phil Markowitz unterrichtet wurde. Sie war Stipendiatin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und wurde 2015 mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ausgezeichnet.

Tourneen mit dem Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg führten die Stuttgarter Sängerin bis nach Abu Dhabi und Ecuador, mit der Weimarer Band Luna konzertierte sie in der Dominikanischen Republik. In Deutschland gastierte Julia Ehninger bundesweit mit verschiedenen Projekten in vielen Clubs, Theatern und Kulturzentren und wirkte u.a. bei der Coca Cola Christmas Tour mit. Ihre vielseitigen musikalischen Vorlieben führten dazu, dass sie sich sowohl mit Jazzstandards von Van Heusen, Ellington oder Shorter, als auch mit Pop- und Soulklassikern auseinandersetze. Zu ihren Einflüssen zählen Norma Winstone, Ella Fitzgerald und Erykah Badu, sowie der Schriftsteller Joachim Ringelnatz und die Lyrikerin Gioconda Belli.

Im Frühjahr 2011 gründete sie ihr eigenes Quartett, mit welchem sie im Frühjahr 2015 ihr Debütalbum aufnahm. Ihr Erstling „Im Wandel“ wird mit einem Innovationsgutschein des Landes Baden-Württemberg gefördert. Im selben Jahr gewann das Quartett den Wettbewerb „playground BW“ und konnte im Juli 2015 als Vorband von Zaz im Rahmen der Stuttgarter JazzOpen auftreten.

Tracks
1 Im Wandel
2 Wenn Winde stehen
3 Wo?
4 Luftsprünge
5 Schaflos
6 Schenken
7 Im Nebel
8 Schön

Julia Ehninger „Im Wandel“
Unit Records

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