Jure Pukl & Matija Dedić “Hybrid“

jureDer in New York lebende slowenische Saxophonist Jure Pukl und der kroatischen Pianist Matija Dedić präsentieren auf „Hybrid“ zusammen mit Bassist Mett Brewer und Jonathan Blake am Schlagzeug eine energiegeladene und leidenschaftliche Studio Session.

Pukls beachtlicher Aufstieg in der internationale Jazz-Szene resultiert aus zahlreichen Soloaufnahmen und Aufnahmen als Sideman, der im Jahr 2015 durch den Erhalt des höchsten slowenischen Kunstpreises gewürdigt wurde. Die Liste seiner Kooperations-Partner beinhaltet Namen wie Branford Marsalis, Jeff „Tain“ Watts, Dave Liebman und Vijay Iyer. Die vielfältige Karriere seines musikalischen Partners Matija Dedić brachte diesen mit Künstlern wie Larry Grenadier, John Hollenbeck, Jeff Ballard und Kendrick Scott zusammen.

Über die gesamten rasanten siebenundsechzig Minuten aus fast ausschließlich Originalen hindurch stimulieren die individuellen Kompositionen von Pukl und Dedić einen feurigen, improvisatorischen Geist durch das Quartett. Ihr Respekt für die Tradition überträgt die Musik in einen spontanen, zeitgenössischen Kontext, der auch Elemente des Free Jazz mit einbezieht. Pukl erzählt die Geschichte, wie er als funk-liebender Jugendlicher in Slowenien seinen Vater bat, ihm bei dessen Rückkehr von einer Geschäftsreise nach München Maceo Parker-Alben mitzubringen. Der allerdings brachte ihm irrtümlicherweise Vinyls von dem damals dem jungen Mann noch vollkommen unbekannten und verblüffenden Charlie Parker mit. Aber nach einer Woche verliebte sich der Saxophonist in die Platten, gefolgt von den Klängen von John Coltrane und Stan Getz/João Gilberto: „Das sind Künstler und Aufnahmen, die ich immer noch als meine Inspiration erkenne“.

Die Direktheit dieser Live-Studio-Aufhamen ist greifbar, vom weitläufigen, schnellen Swing des Titelstücks „Hybrid“ zum weitreisenden „Where Are You Coming From And Where Are You Going?“ (Letzteres ist Pukls Fokussierung auf seine Entwicklung als Musiker, von seiner klassik-beeinflussten Eröffnungsstruktur über uneingeschränkte Bass-Kadenzen bis zu spitzen, ungleichmäßig geformten Improvisationen). Die wiederholten harmonischen und rhythmischen Figuren von „Sequence II“ und „Sequence III“ bieten die Freiheit des Ausdrucks in vollkommen unterschiedlichen Atmosphären. Der Vier-Takt-Vamp „Spinning Thoughts“ umschlingt stürmische Ideen aus einem einzigen, eleganten Tenormotiv.

Dedićs „Hempburger“ und „Plan B“ markieren die traditionellen Einflüsse dieses Quartetts mit Elan und Vitalität, präsentieren herausragend seine typisches Akkord-Klavier-Fundament und seine fließenden Soli, während die funkelnde Perkussion von Jonathan Blake alles vorzüglich verziert. Die Wärme in dem wunderschönen Stück „Family“, das Dedićs verstorbenem Vater gewidmet ist, wird von Matt Brewers Bass bereichert, kombiniert mit hinreißenden Tenor-Phantasien von Gast-Saxophonistin Melissa Aldana. Das anfänglich komisch wirkende „False Accusations“ glänzt letztendlich durch ungestüme Positivität. Pukls Tenorsax gleitet dahin wie ein Schiff über schwere See. Und die spätabendlichen ersten Klangwellen von Ornette Colemans „Lonely Woman“ köcheln leise zu mysteriösem Klavier und Bassklarinette.

„Es gibt eine wirklich gute Stimmung und viel Energie zwischen uns Vieren und so erlebten wir einige ganz besondere Momente bei den Aufnahmen zu diesem Album“, erinnert sich Jure Pukl. „Wir kennen uns alle gut und fühlen uns miteinander verbunden. Und es ist herausfordernd und spaßig, mit Melissa zu spielen. Ich habe immer das Musikmachen geliebt und so spiegelt dieses Album für mich sowohl meine musikalischen als auch meine persönliche Welten wider. Ich stelle mir immer etwas vor und sehe Musik als Bilder und so hoffe ich, dass vielleicht auch andere beim Zuhören auf tiefere Gedanken kommen – über sich selbst und über die Welt in der sie leben.“

Tracks
1 Hybrid
2 Where Are You Coming from and Where Are You Going?
3 Sequence II
4 Hempburger
5 Lonely Woman
6 Plan B
7 Family
8 False Accusations
9 Sequence III
10 Spinning Thoughts

Jure Pukl & Matija Dedić “Hybrid“
Whirlwind

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