Kiev Stingl „Teuflisch“

kievDer Aufstieg des Kiev Stingl als Sänger begann Mitte der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts, als der Undergroundpoet 1975 mit Hilfe von Achim Reichel für Telefunken sein Debütalbum „Teuflisch“ aufnahm. Reichel hatte mit Jean-Jaques Kravetz (keyboards), Dicky Tarrach (drums), Tissie Thiers (bass) und Stefan Wulff (harp) eine hochklassig besetzte Band zusammengestellt, in der er selbst Gitarre spielte.

Zu der damaligen Zeit hatte sich die Underground Poesie aus den USA, vertreten durch Douglas Blazek, Tom Clark oder Charles Bukowski ihren Platz in der deutschen Subkultur geschaffen und traf dort auf die geballte alternative Schreibkultur ihrer deutschen Kollegen wie Wolf Wondratschek, Jörg Fauser und eben Kiev Stingl, dem wahrscheinlich radikalsten Vertreter dieser Neuen Deutschen Undergroundpoesie.

Die Zeit war also reif, diese Poesie mit musikalischem Leben zu füllen. So dachten zumindest Stingl und Reichel, aber es war wohl doch zu früh. „Teuflisch“ lag wie Blei in den Plattenläden. Einige Jahre später, Punk war inzwischen die neue wilde Rockmusik, wurde „Teuflisch“ mit einem anderen Frontcover auf Ahorn, dem Label von Achim Reichel und Frank Dostal neu aufgelegt. Diesmal funktionierte der Plan, die brachiale Lyrik, seine ganz eigene Art mit Sprache umzugehen, die Verballhornungen und der Humor, das kam an bei der Punk/NDW-Generation. Dazu dieser knurrend-heisere Gesang, den man entweder liebte oder hasste, es passte einfach.

„Teuflisch“ bekam endlich die Aufmerksamkeit, die das Album verdiente. Aber da hatte Stingl bereits mit der Arbeit an dem Nachfolgealbum „Hart wie Mozart“ begonnen, das noch radikaler geraten sollte.

Tracks
1 Ihr Blick ist höllisch kalt
2 Tierisch, in die Bars zu gehen
3 Rocker
4 Teuflisch
5 Häng rum
6 Morgen komm ich
7 Der Sommer ist längst vorbei
8 Seltsam, dich hier zu sehn

Kiev Stingl „Teuflisch“
Sireena Records

Print Friendly, PDF & Email

You must be logged in to post a comment Login