Kowsky “Blinder Fleck”

kowskyWer 2019 glaubt, die Gitarre sei längst sechs Fuß unter der Erde, hat sich geschnitten und zwar an den sechs Saiten von Kowsky-Mastermind Marcus Ziegenrücker. So quicklebendig und ausgefeilt wie bei ihm wurde die Klampfe hierzulande lange nicht mehr geschwungen. Sein Debüt klingt, als würde jemand die Tür zur Vergangenheit aufstoßen während eine frische Brise den Raum flutet. Gekonnt mischt Kowsky 60er Beat und 90er Indie mit saftigem Pop zur lässigen Genre-Eigenkreation „Mini Rock“ – ein Sound, der Udo Lindenberg so gut gefiel, dass er dem Charakterkopf Kowsky und seiner fantastischen Band den ersten Platz beim Panikpreis verlieh.

„Wer ist der Boss hier“ Opener und erste Single trägt die typische Kowsky Handschrift und macht sofort klar, worum es bei Kowsky geht: frische, verdammt ehrliche und handgemachte Musik, die einen am Kragen packt, schüttelt und rührt. „Sag ma, wer hat hier eigentlich die Hosen an und wie zum Teufel komm ich bloß an so’n Paar Hosen ran?“ Das ewige Gerangel um den Chefsessel, die höchste Punktzahl, das dickste Konto und einen Tisch im besten Restaurant ist der Stoff dieses 3-minütigen Mini-Rockers. Die erste Kowsky-Single ist ein Ohrwurm, der sich mit aufsehenerregenden Gitarren, luftigem Bass und wirbelnden Beats hemmungslos in die Gehörgänge frisst. Macho-Typen sind Kowsky ein Dorn im Auge. Er nimmt sie an die Hand und führt sie „die Einbahnstraße runter, bis es nicht mehr weitergeht“. „Wer ist der Boss hier“ ist eine Reise ans Ende des Egos und wenn man so will, ein Lied über den Rule-igan in uns. Überspitzt und auf den Punkt gebracht persifliert Kowsky Macht, Kapitalismus und Beziehungen. Und wann kann man schonmal grinsend zu diesen Themen die Hüften schwingen und abrocken.

Zwei Jahre hat der gebürtige Berliner an seinem Debütalbum geschraubt – vom ersten Akkord bis zur letzten Silbe, von Demos bis zum fertigen Mix und vom Master bis zum Presswerk. Zusammen mit seinem Gitarristen Markus Abendroth, Teil des Berliner Produzententeams Zodiaque (Dota, Max Prosa, Fins) , hat er die 13 musikalischen Trips auf „Blinder Fleck“ produziert. Gemischt wurden sie von Pola Roy (Wir sind Helden, Judith Holofernes) im Hitipapa Studio in Berlin. Er verlieh den Songs die nötige Transparenz und unterstützte die Frische und Coolness der Aufnahmen. Im Vergleich zu modernen Dicke-Hose-Kaugummi-Produktionen schiebt Pola die Regler seines Mischpults lieber Richtung unprätentiös und langlebig.

Kowsky versteht die Architektur von Songs und baut auf seinem Album harmonische und zugleich überraschende Werke. Falls die Melodien hier und da an die Beatles erinnern, liegt das vielleicht daran, dass Paul McCartney ihm während seines Musikstudiums in Liverpool höchstpersönlich über die Schulter geschaut hat. Kowsky schreibt, textet und feilt die Arrangements akribisch aus, bis sie im Studio zum Leben erwachen. Mit einem Haufen frischer Songs steuert Kowsky nun Richtung Albumrelease. Das dass alles auch live bestens funktioniert, davon kann man sich im Februar 2019 auf der Clubtour von Kowsky & Band überzeugen. Bei ihren Konzerten bleibt kein Auge und ganz sicher auch kein T-Shirt trocken.

Tracks
1 Wer ist der Boss hier
2 Der faule Hund
3 Löschpapier
4 Blinder Fleck
5 Kap der falschen Hoffnung
6 Schmutzige Hände
7 Sag auf Wiedersehn
8 Meckermann
9 Diebe
10 Über-All
11 Die berüchtigte Jane
12 Ménage à trois
13 Himmelsmeer

Kowsky “Blinder Fleck”
recordJet

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