Lea W. Frey „Plateaus“

leaWer sich aufs Plateau wagt, darf keine Angst vor dem Abgrund haben. Jeder Aufbruch zur Hochebene ist immer auch eine Reise mit offenem Ausgang. Die Berliner Sängerin Lea W. Frey macht sich auf ihrem dritten Album Plateaus, das am 06.10.2017 bei enja / yellowbird veröffentlicht wird, auf die Reise. Mit dabei: ihre Band bestehend aus Peter und Bernhard Meyer an Gitarre und Bass, Andi Haberl (The Notwist) am Schlagzeug und der Wahlberlinerin Liz Kosack an den Keyboards. Im Gepäck: zehn brandneue, selbst komponierte Songs gemischt von Olaf Opal, die von Gentrifizierung, Klimawandel und der Liebe erzählen.

Irgendwo in der Stratosphäre mit CAN, Sun Ra, Portishead und Sonic Youth vereint findet sich die Band in einem Prozess wieder, in denen Fragen der künstlerischen Kontrolle überhaupt keine Rolle mehr spielen. Wie bereits in ihren Konzerten, so breiten sich auch auf der CD rituelle Energie und magische Klangströme über die Wahrnehmung ins Nervensystem des Hörers aus.

Dabei ist Plateaus alles andere als eine Abkehr vom Jazz, findet Lea W. Frey. „Mein Leben führt ja sowieso schon immer zwischen den Aspekten Jazz, Klassik, Pop und Rock hin und her. Ich habe mich an den verschiedenen Stilistiken abgerieben und durch das Loslassen von Überflüssigem meine eigene Mitte gefunden. Die Stücke sind ausnahmslos aufgrund von Improvisation entstanden. Wäre Jazz kein Teil meines Lebens, wäre das so sicher nicht gekommen.“

Plateaus ist ein kraftvoller Neuanfang und somit auch für jeden Hörer eine gute Möglichkeit zum Neueinstieg und doch passiert bei Lea W. Frey nichts nur um seiner selbst Willen. Vereinfacht könnten wir den Prozess wie folgt beschreiben: Lea W. Frey hat auf ihren ersten beiden Alben bekannte Pop-Titel in eine sehr persönliche Jazzwelt übersetzt, jetzt schreibt sie ihre eigenen Songs und trägt ihre Erfahrungen mit dem Jazz zurück in eine komplexe Welt zwischen Indie-Rock und elektronischer Klangerfahrung.

„Mountains Die“ ist der Opener des Albums. Im Song blickt die Sängerin vom Plateau in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich. Es geht um Sichtweisen, unterschiedliche Ebenen und Aggregatzustände, die sich verschieben: Berge die sterben, Meere, die steigen und ein Blick auf innere wie äußere und zwischenmenschliche Welten, die sich durch die eigene Entwicklung plötzlich verändern können.

Wenn Gletscher dahinschmelzen, Zugvögel ihre Routen nicht mehr erkennen und sich die Welt auf den Kopf stellt, während wir auf den Frühling warten. Initialzündung für das Video zu „Mountains Die“ war eine Dokumentation über einen im Himalaya verloren gegangenen Zugvogel, der aufgrund klimatischer Veränderungen seine Flug-Route nicht mehr erkennt.

Tracks
1 Mountains Die
2 Ghost Dog
3 Plateau
4 Water’s Ember
5 Copy Yourself
6 Cuts & Bars
7 The Lore (Rivergirl)
8 Dylan
9 Dancers
10 Come Home

Lea W. Frey „Plateaus“
Enja Records

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