Luke Combs „What You See Is What You Get“

lukeLuke Combs hat ein neues Album aufgenommen: „What You See Is What You Get“. Und es mehren sich bereits die Hinweise darauf, dass die Platte mindestens so durch die Decke gehen wird wie sein Einstandswerk „This One’s For You“. Auf der anderen Seite des Atlantiks stellt sein Debüt seit knapp zweieinhalb Jahren einen Rekord nach dem anderen ein. Und drüben, im Mutterland der Country Music und des Country Rock, steht alles Kopf, wo immer der Country-Man der Stunde auftaucht.

Woran das liegt? Luke Combs verkörpert derzeit wie kein anderer Country-Musiker eins der wichtigsten sozialen Grundmanifeste des alten Amerika: man kann schaffen was man will, wenn man nur hart genug dafür arbeitet. Was sich wie ein Klischee liest, ist für Luke Combs gelebte Realität. Wer ihn je auf der Bühne während eines seiner schweißtreibenden Konzerte in einem proppenvollen Club in Nashville erlebt hat, versteht, warum er es schnell soweit gebracht hat. Der Mann gibt alles, überall. Ob alleine mit seiner Gitarre in einem Club, oder in den 20.000er-Arenen, die er längst landauf, landab füllt – Luke Combs ist wer er ist.

Wahrhaftig, ehrlich, geerdet: was man von Luke Combs sieht und hört, fühlt man auch. Mit anderen Worten: „What You See Is What You Get“! 17 Songs umfasst das neue Album, und so viel steht schon jetzt fest: es riecht förmlich nach Hits. „1,2 Many“, Luke Combs‘ Kollaboration mit dem wiedervereinten Country-Duo Brooks & Dunn, wurde schon während seiner laufenden Arenen-Tour live getestet. Fans und Kritiker sind sich nach den ersten Höreindrücken einig: This track is a monster! Die Ballade „Better Together“ hat das Zeug zum ewig-berührenden Klassiker in Lukes Repertoire. „Reasons“ hingegen zeigt den neuen Country-Star von seiner reflektierten Seite.

Bittet man Luke Combs heute, gute zwei Jahre nach seinem Riesenaufschlag mit „This One’s For You“, einen Rückblick auf seine noch junge, aber beeindruckende Karriere zu halten, erntet man einnehmende Ambivalenz. Da ist zum einen Lukes starker Charakter. Er weiß exakt, wer er ist, er kennt seine Wurzeln, und er hat eine klare Vision. Andererseits hat er trotz seines unbedingten Sendungsbewusstseins die Bodenhaftung nicht verloren, sondern ist eher bescheiden geblieben in seinen Ansprüchen. Es ist fraglos diese Aufrichtigkeit, die einen Teil seiner Anziehungskraft ausmacht.

Angefangen hat für ihn alles in Boone, einer Kleinstadt im Nordwesten des US-Bundesstaats North Carolina. Der heute 29-Jährige spielte dort vor ein paar Jahren nächtliche, dreistündige Marathon-Gigs in Restaurants, die ihn lehrten, die Aufmerksamkeit von Zuhörern zu packen – und beizubehalten. „Mein Plan war damals: ich möchte mich gesanglich so ins Zeug legen, dass Leute ihre Burger für einen Moment beiseiteschieben, wenn ich Cover-Songs wie ‚Simple Man‘ von Lynyrd Skynyrd zum Besten gebe. Mit meinen selbstgeschriebenen Songs, die ich den Covers jeweils folgen ließ, hatte ich schließlich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Leute auf meiner Seite“, erinnert er sich.

Seine clevere Idee zahlte sich aus. Der junge Musiker mit der Gabe, bildreiche Songs zu schreiben, die aus dem Leben stammen, erspielte sich eine feste Fangemeinde, die ihm durch die Bars und Clubs von North Carolina, seinem Geburtsstaat, folgte. Quasi nebenbei, wuchs seine Popularität zusätzliche mittels YouTube-Verbreitung seiner Songs. Beflügelt vom Zuspruch, veröffentlichte er seine populärsten Songs in einer Reihe erfolgreicher EP’s, deren Erlös Lukes Umzug nach Nashville finanzierten. Seine zwei „mega-brutalen“ Jobs in Nashville, auf einer Go-Kart-Bahn und in einem Outlet-Store, hing er relativ schnell an den Nagel, wie er sich erzählt. „Ich habe seither keinen Job mehr gehabt, weil ich das Gefühl hatte, meinen Traum, von der Musik leben zu können, wahrgemacht zu haben.“

Ehre wem Ehre gebührt, aber der Cap- und Boots-Träger stapelt angesichts des Erfolgs seines Debütalbums natürlich viel zu tief. Ihm ist gelungen, was keinem außer Johnny Cash im Jahr 1959 gelang: 5 Songs gleichzeitig in den US-Country-Top 25 zu platzieren. Aber damit fängt die Liste von Lukes Resümee an Höhenflügen erst an: „This One’s For You“ wurde mit zweifach-Platin ausgezeichnet, hielt sich über 40 Wochen auf Platz 1 der Billboard Country-Album Charts, es ist das meist gestreamte Country-Album 2019 und der bestverkaufte Country-Longplayer 2018! Damit nicht genug, wurden sämtliche Singles-Auskopplungen in Vielfach-Platin gegossen. Und neben einer Grammy-Nominierung, darf sich Luke Combs über gewonnene Billboard Music-, CMA-, iHeartradio- und Music Row-Awards freuen.

Luke Combs hat alles richtiggemacht, vom Erobern der Country-Basis mittels Mundpropaganda bis zum ganz großen Einschlag. Seine Fans sehen in ihm keinen Star, sondern den Kumpel, der in seinen Liedern auch ihre Leben reflektiert. So wie jeder, schuftet sich auch Luke ab, um sich etwas gönnen zu können. „Neulich“, schmunzelt er, „spielte ich im Madison Square Garden in New York City. Und zur Feier des Tages, wollte ich mir eine relativ kostspielige Armbanduhr gönnen. Aus sentimentalen Gründen, denn mein Großvater, der meinen Erfolg leider nicht mehr miterleben konnte, hatte sich die gleiche Uhr ebenfalls von seinem hart verdienten Lohn gegönnt. Als ich das Geschäft betrat, beäugte man mich skeptisch, und gab mir zu verstehen, dass man meine gewünschte Uhr nicht führe. Ich wusste aber, dass sie in dem Geschäft angeboten wird. Also ließ ich in einem Nebensatz fallen, dass ich am Abend im ‚Garden‘ spielte. Und siehe da: plötzlich führte man die Uhr doch.“

Es würde ihm nicht einfallen, plötzlich eine Rolle anzunehmen, sich anders zu kleiden oder zu geben, führt er weiter aus. Denn, wie gesagt, er ist wer er ist, und er ist stolz darauf. Einen treffenderen Titel als „What you see is what you get“ hätte er für sein neues Album folglich gar nicht wählen können. „Ich bin der Typ Musiker, mit dem du ein Bier trinken kannst, ohne in Ehrfurcht zu versinken, denn ich rede nicht über Maseratis und Luxus-Resorts“, lacht er mit erfrischender Unschuld. „Meine Fans mögen mich vermutlich, weil ich so lebe wie sie. Ich habe mir nie die Gitarre geschnappt und gesagt, dass ich ein Country-Star werde. Die Lieder flossen einfach aus mir, aus meinem Herzen und meinen Lebenserfahrungen. Jetzt darf ich meine Lieder überall in Amerika, und hoffentlich auch bald überall auf der Welt spielen. Wie cool ist das! Und ich muss mich dafür nicht verstellen. Bei mir gilt klar: What you see is what you get.“

Tracks
1 Beer never broke my heart
2 Refrigerator door
3 Even though I’m leaving
4 Lovin‘ on you
5 Moon over Mexico
6 1, 2 many
7 Blue collar boys
8 New every day
9 Reasons
10 Every little bit helps
11 Dear today
12 What you see is what you get
13 Does to me
14 Angels workin‘ overtime
15 All over again
16 Nothing like you
17 Better together

Luke Combs „What You See Is What You Get“
Sony Music

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