Lyambiko “Inner Sense”


Lyambiko “Inner Sense” – Sony/BMG

Nach der CD ?Lyambiko?, mit dem die Tochter einer deutschen Mutter und eines Vaters aus Tansania 2005 ihr Debüt bei SonyBMG gab, und dem Album ?Love?And Then? legt Lyambiko mit ?Inner Sense? ihr drittes Album vor. Mit dabei sind ihre langjährigen Partner Marque Lowenthal (Klavier) und Robin Draganic (Bass), während am Schlagzeug Heinrich Köbberling Platz genommen hat.

Unter den 13 Songs finden sich aber nicht nur erneut Jazz-Klassiker wie ?Stompin´ At The Savoy? (Benny Goodman) und ?Little Girl Blue? (Rodgers & Hart), in denen Lyambiko mal ausgelassen swingt, mal die Bar-Jazz-Intimität voll auskostet. Mit ihrer stilistischen Vielseitigkeit formt sie selbst berühmte Poptitel zu neuen Jazz-Songs: ?Look Into The Sun? von Ian Anderson (Jethro Tull) und ?Somebody To Love? von Freddie Mercury (Queen). Wie maßgeschneidert für die Stimme der 31-jährigen Wahl-Berlinerin sind zudem die Songs, die von den Bandmitgliedern und befreundeten Songwritern für sie geschrieben wurden: ob das von indischen Rhythmen beeinflusste ?Bangalore Local? oder die groovende Up-tempo-Nummer ?Non-Stop?. Doch Lyambiko ist ? und das mag vielleicht die größte Überraschung von ?Inner Sense? sein – mehr als nur eine charismatische Interpretin. Zum ersten Mal präsentiert sie sich höchstpersönlich als Singer-Songwriterin, der gleich mit dem Titelsong ein subtil funkiger Ohrwurm gelungen ist.

Erst ein Jahr vor Gründung der Band hatte Lyambiko, eine gebürtige Thüringerin, Tochter eines Amateurmusikers aus Tansania und einer deutschen Mutter, begonnen, Jazz zu singen. Nun stand sie mit ihren neuen Begleitern auf der Bühne und faszinierte das Publikum mit ihrem ganz eigenen Gesang. 2006 ersetzte Heinrich Köbberling Torsten Zwingenberger am Schlagzeug. Bis zum Jahresende 2004 hat Lyambiko mit ihrer Band rund 300 Konzerte gegeben. Die meisten in Deutschland und inzwischen drei Mal in den USA, wo sie vor allem in New York City und Boston große Erfolge feierten und Anerkennung von der amerikanischen Presse bekamen. Sie gastierten ebenso in Frankreich, Österreich, Schweiz, Polen und Tschechien. Die Sängerin LYAMBIKO verzaubert ihre Zuhörer mit einer samtweichen und kraftvollen Stimme. Ihre Performances sind eine Augenweide: sophisticated, cool. Sie galt als der Geheimtipp schlechthin mit ihrem außergewöhnlichen Talent für perfekte Intonation, Rhythmus, Dynamik und geschmackvollem Phrasing.

Lyambikos Gesang ist eine Reminiszenz an ihre großen Vorbilder Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und Billie Holiday, die zu Ikonen des Jazz geworden sind.

Tracks
1. – Inner Sense 3:12
2. – A Fool`s Paradise 4:46
3. Break Your Bread 5:23
4. – Inside Outside 4:44
5. – Restless 3:54
6. – Windows Of The Past 5:27
7. – Winter Sun 4:01
8. – Look Into The Sun 5:03
9. – Non-Stop 4:09
10. – Bangalore Local 3:53
11. – Somebody To Love 4:53
12. – Stompin`At The Savoy 1:03
13. – Little Girl Blue 6:19
14. – Automated World 3:13
15. – Namasekkeweh 5:15

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Meinung
Album Numero drei, Zeit für Veränderungen. Das dachte sich wohl Lyambiko, als sie die Aufnahmen zu Inner Sense in Angriff nahm. Nachdem die Sängerin mit den deutsch-afrikanischen Wurzeln (der Vater, Amateurmusiker, stammt aus Tansania) auf den bisherigen beiden Alben Lyambiko und Love ? And Then noch deutlich der Jazzgeschichte verpflichtet war, schwimmt sie sich nun zunehmend frei. Nur noch zwei Tracks auf dem rundum überzeugenden dritten Longplayer, nämlich Benny Goodmans "Stompin´ At The Savoy" und "Little Girl Blue" von Rodgers & Hart, sind Bearbeitungen alter Standards, die meisten anderen Songs wurden für diese Veröffentlichung neu geschrieben oder es handelt sich um originelle Jazzadaptionen von berühmten Rocktiteln. So wird etwa aus dem Jethro-Tull-Klassiker "Look Into The Sun" eine rhythmisch vertrackte Modernjazz-Nummer mit Tiefgang, und die ursprünglich recht bombastische Queen-Hymmne "Somebody To Love" verwandelt man ziemlich überraschend in eine still-nachdenkliche Pianoballade.

Lyambiko, die 31-jährige Wahlberlinerin, die einst in Thüringen das Licht der Welt erblickte, ist unüberhörbar gewachsen, eindeutig gereift. Ihre Stimme hat an Profil und Selbstbewusstsein hinzugewonnen, außerdem macht sie inzwischen auch als Songschreiberin ein gute Figur. Der ohrwurmige CD-Opener "Inner Sense", in dem das alte Faust-Thema vom Ausverkauf der Seele zeitgemäß variiert wird, wäre in dem Zusammenhang besonders zu erwähnen.

Nach dem Motto "trust your inner sense" vertraut Lyambiko jetzt verstärkt auf ihre eigenen Fähigkeiten. Sie findet immer mehr zum unverwechselbaren Personalstil und versucht sich risikofreudig an unvertrauten Klängen. Das hat freilich zur Folge, dass ihr Jazz nicht mehr ganz so leicht zugänglich ist wie bisher. Wer beim Zuhören ein wenig Mitarbeiten nicht scheut, wird jedoch mit einem nachhaltigen Klangerlebnis belohnt.

Amazon veröffentlicht das Album mit zwei exklusiven Bonustracks. Harald Kepler (amazon.de)

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