Manifest Destiny und die Indigenenpolitik der USA

manifestDie Vereinigten Staaten von Amerika betrachten sich seit ihrer Gründung am Ende des 18. Jahrhunderts als das Land der Freiheit und Gleichheit. Die damit zusammenhängende Idee einer „amerikanischen Einzigartigkeit“ hält sich bis heute.

Gerade in letzter Zeit geraten die ethnischen Grenzen dieses Ideals wieder verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Rassistische Diskriminierung gegen Afro-Amerikaner und muslimische Menschen nehmen zu. Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten lenkte die Aufmerksamkeit auf die weit verbreitete Ansicht einer „White Supremacy“, der sogenannten „Überlegenheit der weißen Ethnie“.

Christina Halwachs spürt in ihrer Analyse am Beispiel der Indigenenpolitik der USA den Wurzeln dieser Überzeugung nach, indem sie ihren Fokus auf die einflussreichste US-Ideologie des 19. Jahrhunderts legt, die Vorstellung eines Manifest Destiny. Dieser Doktrin des „offensichtlichen Schicksals“ lag die Vision zugrunde, dass eine göttliche Vorsehung die Einnahme des nordamerikanischen Kontinents durch eingewanderte Europäer und später durch die USA schicksalshaft vorherbestimmen würde.

Das vorliegende Buch ist als eine historische Mentalitätsstudie zu begreifen. Die Autorin konzentriert sich besonders auf die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten sowie die ethnisch-rassistischen und ideologischen Grundannahmen der Doktrin Manifest Destiny, die diese Überzeugung letztlich zu einer regelrechten „Cover-Story“ für die Landnahme durch die euro-amerikanischen Siedler als auch durch die US-Regierung machten.

Das Buch zeigt unter anderem durch Analysen von zeitgenössischen Gesetzes- und Vertragstexten, veröffentlichten politischen Reden und wegweisenden Gerichtsurteilen chronologisch auf, dass sich die Argumente und Rechtfertigungen der US-Amerikaner wie auch jene der eingewanderten Europäer, im Laufe des für die indigene Bevölkerung verhängnisvollen 19. Jahrhunderts bis zum General Allotment Act 1887, im Grunde nicht zu verändern schienen. Unumstrittenes Ziel blieb, die UreinwohnerInnen vom begehrten Land zu vertreiben, auf dass sich das Manifest Destiny erfülle. Die Indigenenpolitik der US-Regierung fungierte währenddessen oft genug als Handlanger der gierigen Forderungen euro-amerikanischer Siedler, und ihre durchgängig tragischen Konsequenzen prägen die Urbevölkerung der USA bis heute.

Christina Halwachs bietet mit ihrer Untersuchung nicht nur einen historischen Erklärungsversuch für die gegenwärtige Beziehung der Vereinigten Staaten von Amerika zu ihren indigenen Mitmenschen, sondern gibt eine ebenso kritische Einsicht in das geschichtsträchtige Selbstverständnis zahlreicher heutiger „weißer“ US-Amerikaner.

Autorin
Christina Halwachs
, geboren 1981 in Hartberg/Steiermark, arbeitete in einer Steuerberater- und Wirtschaftsprüfungskanzlei, bevor sie ein Geschichtsstudium an der Universität Wien begann. Ihre Masterarbeit in „Globalgeschichte und Global Studies“ beendete sie mit Auszeichnung im November 2016.

Manifest Destiny und die Indigenenpolitik der USA
Autorin: Christina Halwachs
208 Seiten, Broschur
promedia
Euro 20,00 (D)
ISBN 978-3-85371-431-7

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