Micatone “The Crack”

micatoneFünf Jahre sind im heutigen Musikbusiness eine halbe Ewigkeit. Dass sich die Berliner Institution Micatone so lange Zeit genommen hat für ihren neuen, ihren fünften Longplayer hat verschiedene Gründe. Allen voran die verschiedenen Sideprojects der Bandmitglieder; so widmete sich Boris Meinhold vollumfänglich seinem anderen Baby, dem Darkpop-Trio Ann & Bones, Sängerin und Frontfrau Lisa Bassenge veröffentlichte mit „Wolke 8“ und „Canyon Songs“ gleich zwei weitere Solo-Alben, die beide für Furore sorgten.

Eine weitere Ursache für die schier unendliche Wartezeit auf den Nachfolger von „Wish I Was Here“ tritt beim Durchhören von „The Crack“ zu Tage. Die 1999 gegründete Formation und damals die erste richtige Popband auf Sonar Kollektiv hat mit äußerst viel Sorgfalt und Bedacht neue Songs geschrieben, komponiert und hörbar lange daran feingeschliffen. So lange bis sie ihren eh schon bis zur Perfektion ausgereiften eklektischen Popappeal nochmals um eine Ebene erweitert hatten.

Jedes dieser neun Stücke ist ein in sich vollkommen stimmiges Gesamtkunstwerk. So wie es sich halt gehört für meisterhafte Popsongs. „The Crack“ ist aber keineswegs nur eine klug durchdachte Ansammlung von Songs, die Micatone in den letzten fünf Jahren produziert hat. Im Gegenteil: Der Opener „Shell Song“ beginnt mit den Zeilen „Come on take a walk with me, take my hand we move in peace…“ und das Finale mit „Countless Times“ endet mit den Worten „How many times, how many times, how many times do we have to say goodbye“.

Hier wird also nicht nur musikalisch, sondern auch erzählerisch ein Bogen geschlagen. Lisa Bassenge singt von Abschied, Eifersucht, Rache, Verlassenheit und Ängsten, aber immer auch wieder von Freiheit. Musikalisch hat man sich nun mehr fast gänzlich von Electronica entfernt ohne dabei aber nicht irgendwie doch noch mit kontemporärer Clubmusik im entfernten Sinne in Kontakt zu bleiben. „Black Dog“ beispielsweise ist eine dubbige Bluesnummer für den frühmorgendlichen Dancefloor zu Hause, „Barbed Wire“ ein Ravemonster für unter der Bettdecke und „The Crack“ schwingt so gelassen dahin wie ein Sonntagsmorgentänzchen in der Küche zu zweit.

Das Warten hat sich also in jeder Hinsicht gelohnt. Micatone brauchte die fünf Jahre, um ein Album abzuliefern, das uns auf lange Zeit hinaus sehr viel Freude bereiten wird. Mögen es im schlimmsten Fall wieder fünf Jahre werden. Wir hoffen es nicht.

Tracks
1 Shell song
2 What if the fire was fake
3 All gone
4 Interlude
5 Black dog
6 Silent war
7 The crack
8 Barbed wire
9 The countless times

Micatone “The Crack”
Sonar Kollektiv

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