Miriam Green „Wanderlust“

miriamMiriam Green ist auf der Suche nach Frieden – drinnen und draußen.

Seit sie als Kind dieser Suche lauthals singend am Klavier ihren Ausdruck verlieh, ist sie durch die verschiedensten Klang-Welten geschlendert und hat so eine ganz eigene musikalische Sprache entwickelt. Jenseits von Konventionen verbindet die studierte Oboistin kammermusikalische Arrangements mit Songwriting und Poesie mit Protest.

Mit ihren Texten will sie zum Nachdenken anregen persönliche, sozialkritische und spirituelle Themen ohne Fingerzeigen zu verarbeiten ist dabei zu einem inneren Leitfaden geworden. So singt sie mit sanfter Stimme einfühlsam, oft allegorisch und doch schnörkellos über die Suche nach letztgültigen Wahrheiten, Verlustängste, Glaubenskriege oder über Astronauten, die aus dem Weltall keine Grenzen auf unserer Erde entdecken können.

Miriam ist Preisträgerin beim Giesinger Kulturpreis und beim Friedenssongwettbewerb in Bonn unter der Schirmherrschaft von Konstantin Wecker.

Hintergrundinfos zu den Liedern
Der Astronaut und Der Wahrheitssucher sind zwei politische Texte, die ich nach der Entzweiung mit einer Person geschrieben habe, die mir mal sehr nahe stand. Die Diskussionen über Grenzen und Flüchtings-Quoten in den letzten Jahren haben wohl viele Freundschaften zerstört und so ist
es auch mir gegangen.
Nana & Djed ist schon vor einigen Jahren entstanden. Es ist ein Lied, was ich für meine Großeltern geschrieben habe. Ich bin bei ihnen aufgewachsen und ich bin sehr dankbar, dass ich sie so lange bei mir haben darf. Da wir hier in den Industrienationen immer älter werden, ist es für die Meisten von uns selbstverständlich, dass unsere Großeltern uns begleiten. Gleichzeitig ist es unvorstellbar, wie anders ihr Leben for fünfzig Jahren war war und wie sie sich in unserer jetzigen Welt fühlen müssen, wo das Altern schon beinahe eine Schande ist.
Enticing Surrender erzählt die Geschichte eines Spaziergangs durch eine wundersame Welt, wo Jesus zum Tee vorbei kommt und Mohammad unter dem Bodhi-Baum zusammen mit Gandhi erklärt, warum diese Welt so ist wie sie ist. Es ist ein Song für den inter-religiösen Dialog und für mehr Toleranz unter den Religionen und Philosophien.
Zu „Enticing Surrender“ entsteht zur Zeit ein Video, für welches wir einzelne Sequenzen in der St. Pauls Kirche München, der Moschee Penzberg, dem Imakoko Zen-Zentrum und der Synagoge in Augsburg gedreht haben. Mit diesem Song war ich 2015 Preisträgerin beim Deutschen Friedenssong-Wettbewerb.
Invisible Slaves ist der zweite englische Song auf dem Album. Der Text entstand 2009 während meiner Schulzeit. Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der auf das weite Meer hinaus fährt um zu fischen. Zu Hause wartet seine Familie, als er feststellt, dass er sich nicht auf dem Meer, sondern im Krieg befindet. Ich selbst sitze in einem U-Boot und beobachte die ganze Szene. Dieser Song ist eine Anspielung auf die Tatsache, dass wir in der westlichen Welt durch unser Konsumverhalten und durch unsere Politik Menschen, die weit weg und unerreichbar scheinen, zu Sklaven machen. Für uns mögen sie unsichtbar sein, aber unser Wohlstand wächst auf ihre Kosten und es ist so leicht das zu verdrängen.
Wanderlust ist ein reines Instrumentalstück für Klavier, Oboe und Harmonium. Auf der Oboe habe ich Techniken benutzt, die sonst nur in modernen klassischer Musik Verwendung finden: Spaltklänge, Flageolett und Verfärbungen der Töne. Ich wollte mit meinem Instrument naturnahe Klänge und Sounds zu einem Stück verbinden, was an einen Morgen in einem grünen Laubwald erinnert – ruhig und vernebelt, aber geschäftig und lebendig unter der Oberfläche.
Ganz Vielleicht und Am Ende des Tages sind Lieder, die aus dem Wunsch entstanden sind, mich mit mir selbst zu versöhnen. Geht es in „Ganz Vielleicht“ eher um die Frage des Glauben-Könnens in einer Welt, in die man täglich den Glauben verlieren könnte, so war es bei am „Ende des Tages“ die Frage danach, was eigentlich wirklich zählt im Leben. Kurz vor meinem Studienabschluss habe ich mir oft den Kopf zerbrochen, wie wichtig Karriere, Geld und Einfluss sind und in wie weit ich sie eintauschen möchte gegen Kreativität, Sinn und Lebenszeit.
Das letzte Lied auf dem Album heißt Zeitweise und ist nichts Anderes als eine Weise über die Zeit. Über die Zeit kann man unendlich viel schreiben, sie ist so wenig greifbar und doch in jeder Sekunde präsent. Ich habe den Text geschrieben, als ich das Gefühl hatte, dass mir die Zeit davon rennt und entgleitet. Wie schön wäre es, sie nur einmal anzuhalten.

Tracks
1. Der Astronaut
2. Nana & Djed
3. Enticing surrender
4. Der Wahrheitssucher
5. Wanderlust
6. Invisible slaves
7. Ganz vielleicht
8. Am Ende des Tages
9. Zeitweise

Miriam Green „Wanderlust“
Sturm & Klang

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