Ostfriesenkiller

ostfriesenkillerDeutsche Regionalkrimis gibt es ja mittlerweile wie Sand an Nord- und Ostsee… Der Bestsellerroman Ostfriesenkiller von Klaus-Peter Wolf ragt jedoch aus der oftmals oberflächlichen Krimilandschaft geradezu heraus wie ein Leuchtturm an der stürmischen Nordsee. Über 700.000 Mal verkaufte sich der Erstling seiner Krimireihe, die mittlerweile insgesamt eine beeindruckende Auflage von mehr als 4 Millionen verbuchen kann.

Umso gespannter waren die zahlreichen LeserInnen, ob die filmische Adaption der Romanvorlage gerecht wird – und sie wurden nicht enttäuscht: Die bildgewaltige und fesselnde Inszenierung von Ostfriesenkiller steht skandinavischen Krimis in nichts nach. Küste und Watt bilden den düsteren Hintergrund für die Ermittlungen zu einer Serie von brutalen Mordfällen. Ulf Speicher, Leiter des Regenbogenvereins, der sich um behinderte Menschen kümmert, wird kurz nach einem erotischen Tête-à-tête durch die Fensterscheibe seiner Küche erschossen.

Zunächst gibt es verschiedene Verdächtige, da sich Speicher, der auch verantwortlich für die finanziellen Belange seiner Schutzbefohlenen war, viele Feinde gemacht hatte. Doch dann geschehen weitere Morde…

Schnell finden Ballistiker heraus, dass es sich bei der Tatwaffe um ein historisches Gewehr handelt, das beim zweiten Mord sogar mit einem aufgepflanzten Bajonett benutzt wurde. Mühsam arbeitet sich das Ermittlerteam der Kripo Aurich durch die zunächst irreführenden Indizien, doch bald scheint ein Hauptverdächtiger (herrlich fies: Uwe Bohm) gefunden. Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, die sich stets auf ihr Bauchgefühl und ihre Intuition verlässt, hält ihn indes für unschuldig und sucht mit einer Hartnäckigkeit, die schon fast an Besessenheit grenzt, den wahren Täter…

Die wunderbare Christiane Paul, die sich nicht scheut, in ihrer Rolle einigermaßen derangiert auszusehen, spielt überzeugend die empathische und schon fast hellsichtige Kommissarin Klaasen, die nicht nur mit den mysteriösen Mordfällen sondern nebenbei mit massiven privaten Problemen zu kämpfen hat, scheint doch ihre Ehe in die Brüche zu gehen. Verlassen vom Ehemann, der mit dem gemeinsamen Sohn zu seiner Geliebten zieht, stürzt sie sich trotzdem oder gerade deswegen umso intensiver in die schwierigen Ermittlungen.

Auch die übrigen ausgezeichneten Schauspieler (u. a. Christian Erdmann, Barnaby Metschrat oder Peter Heinrich Brix) agieren glaubwürdig und erfreulich unprätentiös, was gerade bei Svenja Jung als geistig verwirrte Nymphomanin eine schwierige Gratwanderung darstellt, die sie mit Bravour bewältigt. Und als kleine Überraschung gibt’s obendrein Ostfriesenkiller-Autor Klaus-Peter Wolf in einem Cameoauftritt in bester Hitchcock-Manier zu sehen…

Ostfriesenkiller ist ein intelligent konstruierter, spannungsreicher 90-minütiger Krimi mit überraschenden Wendungen, stimmiger Atmosphäre und jeder Menge Lokalkolorit, ohne jedoch provinziell zu sein.

Ostfriesenkiller
FSK 12 J.
89 Min.
Pandastorm
Regie: Sven Bohse
Darsteller: Christiane Paul, Christian Erdmann, Barnaby Metschurat, Peter Heinrich Brix, Andreas Pietschmann, Alexis Salsali, Andreas Euler, Svenja Jung, Sebastian Fräsdorf, Stefan Lampadius, Uwe Bohm, Vincent Krüger, Sandra Borgmann
Ton: DD 2.0
PAL – RC 2

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