Partikel „Counteraction“

3daliu_digifailas_1CDtr_.cdrSeit ihrem Whirlwind Recordings-Debüt als akus tisches Trio (Cohesion, 2012) haben Partikel ihre Entwicklungsmöglichkeiten genutzt und erweitert. Das Folgealbum String Theory aus dem Jahre 2015 – ebenfalls auf Whirlwind Recordings als erweitertes Trio mit Duncan Eagles (Saxophon), Max Luthert (Kontrabass), Eric Ford (Schlagzeug) und Streichquartett – bescherte der Band ein erhebliches Interesse bei Medien und Publikum und brachte zahlreiche Auftritte auf internationalen Bühnen ein.

Diese Live-Erlebnisse (einschließlich einer einmona tigen China-Tour) präsentierten den Sound der Band auf einem neuen, höheren Level, verstärkt durch die Mitarbeit des Geigers Benet McLean und den großartigen kreativen Möglichkeiten, die durch digitale Harmonizer, diversen Pedalen und Programming ermöglicht wurden. So legt die neue Veröffentlichung Counteraction noch einen Gang zu: Musik, die speziell um diesen zukunftsorientierten Ansatz gefertigt wurde, während gleichzeitig der atmosphärische E-Gitarrist Ant Law, die Flötistin und Baritonsaxophonis tin Anna Cooper und der elektronische Sounddesigner Sisi Lu dazugenommen wurden. Die Kompositionen (meistens von Eagles) erforschen faszinierende Texturen, balancieren und integrieren sie mit der ursprünglichen Saxophon-, Bass- und Schlagzeug-Identität der Band, um oft auffallend ungewöhnliche Resonanzen zu erzeugen.

So erweitert der erst kürzlich veröffentlichte Trio-Track „Blood of the Pharoah“ jetzt sein räumliches, perkussives Rätsel durch ein schwebendes Ambiente und einem Cello, wodurch eine größere dramatische Intensität erreicht wird. Eine cinemaskopische Aura des freigeistigen Geschichtenerzählens ist der Schlüssel zu dieser einstündigen Reise. Die Electronics und die orchestrale Wogen von „Land and Sea“ stellen die beabsichtigten Kontraste seines Titels dar. „Scenes and Sounds“ verschwimmt mit urbanen Synthie-Abstraktionen, die in der animierten Rhythmen von Eagles, Luthert und Ford explodieren, hervorgehoben durch Ant Laws Griffbrett-Improvisationen. Und das Nachglühen von „Lanterns“, angeregt von einem Besuch in Peking, glitzert leise mit impressionistischen Radiowellen im Gewusel des Großstadtlebens.

Soundtrackartige Fusionen im Titelstück „Counteraction“ machen es fast unkategorisierbar – echoartige Ebenen der in Mehrgrifftechnik gespielten Violine und Elektronik werden mit Tenorsaxophon und Perkussion ausgeglichen. Die episodische Fantasie in Max Lutherts „Moving Fields“ entführt die Band ins Prog-Territorium, voll von rasender Komplexität. Und das pikante New Orleans-Gefühl in „Bolden Days“ (ein Tribut an den Jazz-Pionier Buddy Bolden) ist aus einem Gefecht aus Bambusflöten-Wendungen und Bluesfolk-Violine-Glissandi geschnürt.

Der Elan des Albums wird durch die durchweg soliden gemeinschaftlichen Arrangements und einem höchst explosiven Spiel definiert – doch das Beschreiten eines solch sich andauernd weiterentwickelnden Kurses ist auch ein Befreiungsprozess für die Band: „Partikel wird immer das akustische Trio im Herzen haben. Aber die Öffnung zu einer Reihe von Genres wie Electronica, sowie das Erleben der Musik der verschiedenen Kulturen, erweitert die Attraktivität unserer Musik und überbrückt die Lücken zum Publikum. Obwohl wir gerne ein hohes Niveau an künstlerischen Integrität erreichen wollen, um alles anspruchsvoll zu halten, ist es toll zu sehen, dass dies bereits geschieht“.

Partikel „Counteraction“
Whirlwind

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