Paul Young „Good Thing“

paulyounggoodGood Thing ist eine gute Sache: Eine große Kollektion von Klassikern, aber auch unterschätzten Insider-Hits des R&B, die von einem der besten Soul-Sänger aufgenommen wurden, die England je hervorgebracht hat: Paul Young! Es ist zwar das erste „richtige Album“, das der Brit-Award Gewinner nach langer, langer Zeit nun aufgenommen hat, doch schon in jenem Moment, wenn er den ersten Ton von Al Greens mitreißendem L-O-V-E anstimmt, ist es, als wäre er nie fort gewesen.

Good Things erscheint 35 Jahre nachdem Paul zum ersten Mal auf der Pop-Szene auftauchte: Zunächst mit der Street Band, die mit Toast im Jahr 1978 einen ersten UK-Hit ablieferten, dann mit den Bläser-gesättigten R&B-Querläufern Q-Tips, die Producer Mickie Most einst als die beste Live-Bands der Insel bezeichnete.

Als Solokünstler feierte er gigantische Erfolge mit Wherever I Lay My Hat (That’s My Home) und Love Of The Common People, das in Deutschland 1983 Platz 5 der Charts erreichte. Er glänzte sowohl bei Live Aid als auch auf dem Band Aid-Track Do They Know It’s Christmas. Schließlich brach er auch die Herzen der amerikanischen Fans mit Everytime You Go Away. Auf beiden Seiten des Atlantiks gehörte er zu den größten Stars in der Ära der achtziger Jahre.

„Ich hatte diese Idee, Coverversionen von Lieblingssongs mit Künstlern aufzunehmen, mit denen ich bereits zusammengearbeitet hatte“, erklärt Arthur Baker. „Stimmklassiker, die Songklassiker aufnehmen. Paul war der erste, der mir dazu einfiel.“

Das Tracklisting für Good Thing entstand dann in einer atemlosen „Plattensammler-Session“, wie Paul es nennt, in der er und Arthur Vorschläge austauschten.
„Es ging die ganze Zeit so: ‚Was ist hiermit, was ist damit?“, erinnert sich Paul an die aufregende Fan-Boy-Aktion. Dabei mieden sie zumeist die ausgetretenen Pfade, zu denen zum Beispiel auch R.E.S.P.E.C.T. gehört, und entschieden sich im Zweifelsfalle für die unbekannteren Optionen.

„Wir haben versucht, nicht gerade die augenfälligen Songs auszusuchen“, so Paul. „Viele von ihnen bewegten sich unter dem Radar, aber es sind trotzdem sehr gute Songs. Ich glaube, das ist etwas, was ich immer getan habe: Weniger bekannte Künstler auf den Tisch zu bringen, Sänger mit unglaublichen Stimmen wie Johnnie Taylor, aber auch Songs, die vielleicht nicht die Top-20 erreichten, die aber eine hohe Qualität haben. Das ist das, was das Album macht: eben diese aus der Versenkung zu holen.“

Arthur Baker fungierte als Executive Producer, die tägliche Arbeit wurde James Hallawell übergeben, der seine Fähigkeiten schon mit Stereo MCs, The Waterboys, David Gray und anderen bewies. Es schadete der Sache auch nicht, dass dieser seit den Tagen von Q-Tips ein ausgesprochener Paul Young-Fan ist. „Das erste Konzert, das ich je gesehen habe, war Q-Tips im Vorprogramm von The Who im Jahr 1981, damals in Cornwall, wo ich aufgewachsen bin,“ so erinnert sich Hallawell an seine prägenden Jahre als Soulboy. „Paul war auf der Bühne und wurde von einer kompletten Bläsergruppe begleitet.

Er lag auf seinen Knien und schaffte es irgendwie, seinen Anzug nicht zu zerreißen. Ich werde die Aufregung und die intensive Wirkung dieses Auftritts nie vergessen. Es brachte mein Inneres zum Explodieren.“ Und er ergänzt: „Auf diesem Album kehrt Paul zu seinen Wurzeln zurück. Er hat dieses Album gemacht. Ein Memphis-Soul-Album.“

Die Aufnahmesessions begannen schon 2012, zunächst in einem Studio in Shepherds Bush, bevor sie in einer umgebauten Scheune in Richmond fortgesetzt wurden. Das dortige Equipment, eine Hammond-Orgel, ein Grand Piano, ein altes Ludwig Drumset und anders, hätte nicht perfekter sein können. „Dies ist das erste richtige Album, das dort aufgenommen wurde. Aber es hat einen perfekten alten Sound, es klingt wie Muscle Shoals,“ so James über das Studio, das er mit dem legendären Studio in Sheffield, Alabama, vergleicht, wo alle großen Soulkünstler von Aretha Franklin bis Wilson Pickett legendäre Singles aufgenommen haben.

James und Arthur arbeiteten in Memphis mit dem renommierten Producer und Hi Records-Besitzer Willie Mitchell und mit Al Green zusammen, für den Arthur 1989 den Hit The Message Is Love produziert hatte, sie kennen also ihre Pappenheimer. Und sie hatten die passenden Musiker an der Hand: Von Paul Stacey (Oasis, Black Crowes) und Jeremy Stacey (High Flying Birds, Waterboys) bis hin zu Glen Matlock von den Sex Pistols. „Glen ist ein umwerfender Soulbass-Spieler,“ so James. „Er hat die Songs, an denen er gearbeitet hat, in etwas vollkommen Neues verwandelt.“

Arthur, Paul und James sind alle einer Meinung: Good Things ist ein zeitloses Vergnügen. Ein purer Genuss für alle, die bläsergesättigten, leidenschaftlichen R&B lieben. Die Performances jedes einzelnen Instruments sind absolut makellos und bringen den Ansatz des Albums auf den Punkt, die Produktion könnte nicht authentischer sein und Pauls Gesang erweckt die Soul-Ära zu neuem Leben. Er macht mit Words von den Bee Gees das, was Al Green mit How Can You Mend A Broken Heart gemacht hat: Er tränkt es mit Memphis-Feuer und großem Können.

Tracks
1 L-O-V-E (Love) 3:31
2 Touch a Hand, Make a Friend 4:40
3 Eloise (Hang On In There) 2:58
4 Back For a Taste of Your Love 3:21
5 Big Bird 3:18
6 Ain’t That a Lot of Love 3:22
7 Slipped, Tripped and Fell In Love 3:31
8 I Believe In You (You Believe In Me) 3:50
9 Words 3:29
10 Your Good Thing (Is About To End) 5:23

Paul Young „Good Thing“
Rykodisc

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