Ratko Zajca Nocturnal Four “Life On Earth”

ratkoWenn man Ratko Zjaca mit einer Aktie vergleichen würde, so müsste deren Fieberkurve klar nach oben zeigen. Als Geheimtipp angetreten und allenfalls Insidern bekannt, hat sich der kroatische Ausnahmegitarrist von Jahr zu Jahr, von CD zu CD kontinuierlich nach oben gearbeitet. Jeder Silberling – zuletzt „Beyond The Lines“, „Now And Then“, „The Way We Talk“ mit Simone Zanchini oder „Continental Talk“ offenbart ein deutliches Plus an Reife, Perfektion und Gelassenheit. Börsenaffine Zeitgenossen dürften sich über die enormen Zuwachsraten, die schier unerschöpfliche Ideenvielfalt, die Nachhaltigkeit und Substanz dieses klingenden Wertpapieres freuen. Wenn es für echte Jazzliebhaber eine echte todsichere Anlagemöglichkeit mit garantierter Wertsteigerung gäbe, dann müsste diese den Namen Ratko Zjaca tragen.

Schon allein die Liste prominenter Kollegen, die Seite an Seite mit ihm arbeiteten, sagt eine Menge über das Kreativpotenzial des sympathischen Saiten-Zauberers aus. John Patitucci, Randy Brecker, Steve Gadd, Adam Nussbaum, Miroslav Vitous, Reggie Workman, Al Foster, Ron Carter, Benny Bailey, Gary Peacock, Jimmy Cobb und Alvin Queen halfen ihm im Laufe der Jahre dabei zu erlernen, wie man anderen zuhört, aber auch seinen eigenen Sinn für das Machbare zu schärfen. Dass ihm jetzt sogar Grammy- und Oscar-Gewinner Antonio Sanchez mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten am Schlagzeug bei seinem aktuellen Album „Life On Earth“ zur Seite steht, scheint da nur eine logische Konsequenz zu sein. Er sowie Stefano Bedetti (Tenor-/Sopransaxofon) und Renato Chicco (Hammondorgel) schlagen ein neues Kapitel in Ratko Zjacas inzwischen durchaus beachtlichem Reise-Tagebuch auf, dessen Traum schon lange eine globale Jazzsprache frei von Ländergrenzen, Ideologien und Stilen war. „Ohne dass ich es mir jemals bewusst vornahm, bestanden meine Bands immer aus einer Mischung von Musikern aus allen Ländern. Auch diesmal war das so: Antonio kommt aus New York City, Stefano aus Italien, Renato aus Österreich und ich selbst aus Kroatien, wobei ich seit einiger Zeit schon in den Niederlanden lebe. Ich finde solche Konstellationen ausgesprochen interessant und belebend.“

Dass die Session des „Nachtvierers“ dann auch noch im italienischen Forli bei Cesena über die Bühne ging, rundet die kosmopolitische Note stimmig ab. Ein Zufallsprojekt ist „Life On Earth“ deshalb noch lange nicht. Als sich Ratko Zjaca, Stefano Bedetti und Renato Chicco 2016 zum ersten Mal über den Weg liefen, spürten alle drei rasch eine tiefe innere Symmetrie. „Für mich war schnell klar, dass das genau die Musiker waren, mit denen ich mindestens mein nächstes Album und meine nächste Tour absolvieren möchte. So etwas spürt man sehr schnell. Als ich dann noch Antonio, einen meiner All-time-Favorite-Drummer, fragte, ob er bei uns mitmachen wolle, war meine Traumbesetzung perfekt!“

Doch der Ruf von Ratko Zjaca hätte nicht einen solch rasanten Aufschwung nehmen können, wenn sich der Gitarrist einfach wie ein Chamäleon seiner jeweiligen Umgebungen angepasst und dienend und unauffällig hinter seinen prominenten Kollegen versteckt hätte. Bei Antonio Sanchez, dem Drummer der Pat Metheny Group, läge sogar der Verdacht nahe, dass Zjaca sich darauf beschränkt, eine veritable europäische Blaupause des Superstars abzugeben. Weit gefehlt!

Wer die Entwicklung des Bandleaders, dessen immer deutlicher zutage tretendes enormes Potenzial im Auge behält, der wird auf eine ganz eigene, unverwechselbare Tonsprache zwischen europäischen Einflüssen und amerikanischer Improvisations-Kultur, zwischen kleinen, flirrenden akustischen Blitzen oder heftigen Sturmgewittern stoßen. Wäre Ratko Zjaca eine Aktie, gäbe es nur einen Tipp: kaufen!

Tracks
1. Baracoa 7.20
2. Sense Of Mission 6.23
3. Mind Your Step 7.15
4. Shapes And Lights 8.05
5. There Is No Tomorrow 5.45
6. Here Nothing Begins 8.37
7. Guanajo 7.33
8. Finding Our Place 4.43
9. Colours Of Dance 5.35

Ratko Zajca Nocturnal Four “Life On Earth”
In & Out

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