Regina Spektor


Regina Spektor “Soviet Kitsch” – Sire

Es ist erst fünf Jahre her, da schlug Regina Spektor noch das Publikum in kleinsten Kellerloch-Clubs an der New Yorker Lower East Side in Bann. Doch nach hunderten von Shows in NYC und dem Umland war sie schließlich Gesprächsthema Nr. 1 der aufkeimenden Musikszene.

Obwohl sie vom Bühnenrand herunter ständig Exemplare ihrer CDs verkaufte, die sie mit Freunden aufgenommen und produziert hatte (11:11 und Songs), war es erst ihr nächstes Album, ?Soviet Kitsch?, das zu ihrem Aushängeschild wurde.
Ursprünglich nur als CD-ROM selbst gebrannt und bei Auftritten verkauft, brachte Regina Spektor die Scheibe bei Sire Records unter Vertrag, wo ?Soviet Kitsch? 2003 dann als reguläres Album erschien. Die darauf folgende Promotion-Tournee in den USA und Europa begann Regina Spektor noch als Opening Act, doch am Ende des Jahres war sie selbst die Hauptattraktion. Die in Russland geborene Chanteuse, die in Venues mit maximal 200 Zuschauern begann, füllt inzwischen Hallen wie das New York?s Irving Plaza oder das Londoner Shephard Bush Empire mit 1.300 Plätzen. Ihre Lieder, deren Schicksal es früher war, im heimischen Schlafzimmer verbrannt zu werden, ernteten ein weltweites Echo.

Und obwohl Regina Spektor die Live-Acts vor ihrem stetig wachsenden Publikum liebt, hatte sie seit ?Soviet Kitsch? hunderte von Songs geschrieben und brannte darauf, zurück ins Studio zu gehen. Immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen verwarf sie jede gewohnte Methode zu produzieren und vergrub sich mitten im New Yorker Meatpacking District mit dem bewährten Produzenten David Kahne (Paul McCartney) in den Noise Studios. Im Sommer 2005 verbrachte sie zwei Monate mit der Arbeit an ihrem vierten Album (das nun ihr Major-Label-Debüt wird), und nutzte alle Möglichkeiten zum Experimentieren “bis ein kleiner Frankenstein geboren war.”

Zwei Monate im Studio sind eine lange Zeit in Spektors Maßstab, bisher hatte sie ihre ?Songs? an einem Tag und ?Soviet Kitsch? in immerhin 10 Tagen aufgenommen. ?So zu arbeiten war immer mein Traum gewesen, aber ich dachte, das würde noch Jahre dauern, bis es dazu kommt. Ich habe buchstäblich versucht, jeden Aspekt meiner Persönlichkeit hier einzubringen. Wir haben mit Kabeln und Sounds herumgespielt, haben wohl das Labor ein paar Mal in Brand gesetzt, aber dann haben wir gelacht und von vorne angefangen.?

“Noch bevor ich überhaupt anfing, wusste ich schon, ich würde mit Dingen experimentieren, über die ich sonst nur nachdachte, wie zum Beispiel Beats und Drums? erklärt Regina Spektor, die Multi-Instrumentalistin. “Ich war total scharf drauf, mit elektronischen Instrumenten und größeren Arrangements herumzuspielen. Und doch sind auf dieser Platte natürlich einige Songs, die wirklich sparsam sind. Man möchte ja nicht um des Arrangierens Willen arrangieren. Ich musste vorsichtig sein, dass die Musik nicht am Ende mehr Spaß macht, zu spielen, als zu hören.”

Hält man das fertige Produkt in der Hand, möchte man sagen: Ziel erreicht. Auf ?Begin To Hope? nahm Regina Spektor die lyrischen Zeilen und die reduzierte Instrumentierung, die sie schon für ?Soviet Kitsch? eingerichtet hatte und stieß in jeder Richtung in neue Bereiche vor ? sowohl textlich als auch musikalisch. Von den Staccato-Streichern, die die ersten Akkorde zum Opener Fidelity in den Raum werfen bis zu der bluesigen Hommage an Billie Holiday Lady möchte Regina Spektor die genauen Inspirationsquellen ihrer musikalischen Grübeleien nicht auf den Punkt festnageln. ?Man kennt niemals die wahre Herkunft seiner Songs? verrät die Sängerin.

“Vielleicht habe ich im Lauf der Jahre von einer Erzählerin mehr zu einem eigenen Charakter enwickelt. Ich war es gewohnt, zu beobachten und Geschichten in der dritten Person zu schreiben, über die Dinge, die Ich sah. Dann, mit der Zeit, begann ich, mich selbst in diese Szenen einzubauen, mehr wie eine Schauspielerin.”

“Ich verstehe nicht ganz die Faszination der Leute, die immer mein ?wahres? Ich suchen, nachdem sie meine Songs gehört haben” wundert sich Spektor, die immer noch äußerst vorsichtig damit ist, ihr Privatleben mit der Öffentlichkeit zu teilen. ?Ich verstehe die Faszination der Leute, die dich kennenlernen wollen,? gibt sie zu, aber ?Die Leute wollen immer wissen, welcher Teil des Songs wirklich passiert ist, sie suchen so eine Art ?Wahrheit? Dabei können Sie locker denselben Schauspieler in 17 verschiedenen Filmen sehen, mit 17 verschiedenen Haarfarben, mit gefaketen Körperteilen, verstellter Stimme, falschen Akzent, als Bösewicht oder als Opfer ? und das ist dann okay für sie. Sie verstehen, dass es ja nur ein Film ist, sie verstehen, dass es eine Kunstform ist. Aber bei Musik vergessen sie das alles. Musik ist irgendwie gleich das Leben.”

Immer bereit, alte Konventionen im Austausch für Kreativität über den Haufen zu werfen, ist Regina Spektor eins dieser raren Talente, die den Trends voraus ist, und den Rest der Welt zwingt, ihr auf den Fersen zu bleiben. ?Je mehr Erfahrungen ich in dieser Welt mache, umso mehr Fragen scheine ich zu haben, wohin das Leben überhaupt führt.? sinniert die zierliche Sängerin. “Begin To Hope” dürfte zwar den Start ihrer Karriere markieren. Ihren Platz in der Musikgeschichte aber hat sie sich schon gesichert, als sie den ersten Ton sang.


Soviet Kitsch
Tracks

1. Ode to Divorce
2. Poor Little Rich Boy
3. Carbon Monoxide
4. Flowers
5. Us
6. Sailor Song
7. ***
8. Your Honor
9. Ghost of Corporate Future
10. Chemo Limo
11. Somedays

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Begin to hope
Tracks

1. Fidelity
2. Better
3. Samson
4. On The Radio
5. Field Below
6. Hotel Song
7. Après Moi
8. 20 Years Of Snow
9. That Time
10. Edit
11. Lady
12. Summer In The City

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