Reinhold Schmölzer & orchest.ra.conteur „Aerial Image“

reinhold…es ist, wie wenn du im Zug sitzt und aus dem Fenster schaust: wie in Schichten offenbart sich dir ein Bild der Landschaft, die du mit deinen Blicken durchmisst – in der Ferne scheinen selbst schroffe Felsen sanft und in unendlicher Ruhe still zu stehen. Je näher aber ein Objekt kommt, desto schneller bewegt es sich, umso schwieriger wird es für dich, sein Wesen zu erfassen, zu begreifen. Jene Motive aber, die ganz nahe an deinem Fenster vorbei huschen, scheinen ihrer Gegenständlichkeit völlig beraubt. Sie sind für dich nur als eine Abfolge von hellen und dunklen Momenten, als Flackern, als Rhythmus merkL und spürbar…

Seine Sprache ist eine erzählende, seine Musik erzeugt Bilder: Reinhold Schmölzer legt mit seiner zweiten CD (nach „Miraculous Loss of Signal“, UNIT Records 2012) erneut ein Oeuvre vor, das vor Erzähllust nur so sprüht. Folgerichtig hat er auch die Einspielung dieser CD dem bewährten „orchest•ra•conteur“ unter dem umsichtigen Dirigat von Johannes Berauer überantwortet. Schon diese Wortkombination (Orchestra + Raconteur, also: Orchester + Erzähler) legt die Aufgabe fest, der die Musiker aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und den USA mit Verve nachkommen.

Jedes Instrument ist Teil des 19[köpfigen Big[Band[„Chores“ und Solo[ „Deklamateur“ gleichermaßen. Reinhold Schmölzer ist ein minutiös vor[schreibender Komponist, der scheinbar nichts dem Zufall überlässt und doch viel Freiraum für Improvisation bereitstellt, sodass sowohl die Musiker als auch das Publikum immer wieder von den fließenden, ja scheinbar schwebenden Übergängen von Notation zu Improvisation und wieder zurück nicht nur überrascht, sondern regelrecht in Staunen versetzt werden. „Aerial Image“, also „flüchtiges Bild“, ist mehr als nur ein Titel – es ist auch Programm. So flüchtig, wie die Bilder, die am Zugfenster vorbei rasen, erzeugen Reinhold Schmölzers Stücke Bilder im Kopf, die zum Nachdenken, zum Erinnern nicht nur anregen, sondern nahezu zwingen. Wie eine Welle, die immer wieder kehrt und doch nie die gleiche Form hat, bewegen sich auch Reinhold Schmölzers Kompositionen immer weiter.

Er hat – obwohl er noch zu den jungen Komponisten zählt – seinen persönlichen Stil gefunden. Er ist – und das haben ihm nicht nur internationale Preise und Kompositions[/Arrangementaufträge namhafter Orchester sondern auch diverse Fachjournalisten attestiert – ein Meister im Aufbau komplexer Themen, die rhythmisch überraschen und auch durch mit raffinierten Harmonien unterlegten schier unendlichen Melodiebögen überzeugen. Er hat es geschafft, die Pfade, auf die ihn Mentoren wie Ed Partyka, John Hollenbeck oder David Friedman gebracht haben, zu seinen eigenen Wegen auszubauen.

Dazu verwendet er auch eine etwas erweiterte Klangpalette. Neben dem traditionellen Big[Band[Sound bereichert er auf dieser CD auch die klanglichen Möglichkeiten durch den Einsatz eines Tubax, von diversen Percussion[ Instrumenten (zum Beispiel: Shrutibox) oder auch einem mit elektronischen Effekten gekoppelten Vibraphon. Eine etwas ungewöhnliche, aber dafür umso spannendere Zusammenarbeit, ergab sich mit Kaleb Erdmann in Form eines Stückes für Jazz Orchestra und Poetry[Slam[Text („Etwas ist passiert“).

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch der Titel „Conticinium“, der ganz ohne Rhythmusgruppe auskommt – vielleicht, weil Reinhold Schmölzer hier das „ochest ra vonteur“ selbst dirigiert?!

Reinhold Schmölzer & orchest.ra.conteur „Aerial Image“
Unit Records

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