Rez Abbasi „Unfiltered Universe“

unfilteredZur Vervollständigung einer Trilogie von Alben, deren Kompositionen von den klangfarbenfrohen Melodien seiner pakistanisch-indischen Heimat geprägt sind, versammelt der in New York lebende Gitarrist Rez Abbasi auf „Unfiltered Universe“ ein Line-Up der Sonderklasse: Vijay Iyer am Klavier, Alt-Saxophonist Rudresh Mahanthappa, Bassist Johannes Weidenmüller, Dan Weiss am Schlagzeug und als Gast die bekannte Klassik-Cellistin Elizabeth Mikhael.

Die vorigen Veröffentlichungen „Things to Come“ und „Suno Suno“ konzentrierten sich jeweils auf Hindustani- und Qawwali-Musik, während diese neue Ansammlung von sieben Stücken die rhythmischeren südasiatischen Elemente der Karnatik-Instrumentalmusik einbeziehen und erforschen.

Der aus dem pakistanischen Karachi stammende Rez Abbasi – der hier zusammen mit Musikern, die selbst in der nord- und südindischen Musik äußerst versiert sind, frische, zeitgenössische Klänge kreiert – sieht seine unterbewussten Reflexe und Reaktionen als gleichermaßen wichtige Inspirationsquelle wie auch der Ausdruck seines sehr geschätzten kulturellen Erbes. „Ich habe eine intuitive Art an Kompositionen heranzugehen – eine Idee der Suche, aber ohne zu suchen, bewusst, aber nicht absichtlich. Also mit all den Einflüssen, die ich aufgenommen habe (einschließlich indischer Musik, Charlie Parker, John Coltrane, Jim Hall, Keith Jarrett, Led Zeppelin), warum sollte ich so ein „Tunnel-Visions-Ding“ entstehen lassen, wenn ich dieses „ungefilterte Universum“ haben kann? Ich hatte das Glück, mit einigen großartigen Karnatik-Musikern spielen zu dürfen – viele Jazz-Musiker bekommen diese Chance nicht. Aber anstatt spezifische karnatische Ideen aufzunehmen, benutze ich ihre Energie als Fundament“.

„Frühere Alben zeigten die unverwechselbaren Klänge von beispielsweise Tabla und Sitar – aber auf diesem Album gibt es überhaupt kein indisches Instrument. Es ist also ein Experiment diese Exotik zu tarnen. Es gibt sicherlich eine rhythmische und improvisatorische Empathie zwischen indischer Musik und Jazz. Aber das, was du hier hörst, bist du nicht gewohnt zu hören“ – etwas, das Abbasi mehr als „kreative Musik mit einer Jazz-Gewichtung“ definiert, als mit einem der ganzen anderen Konzepte des Indian Jazz oder Indojazz.

Abbasis komplexe Metren basieren oft auf zugrunde liegenden architektonischen Strukturen von Expansion und Kompression, die dem antreibenden, variationsreichen „Thin-King“ einen Antrieb zur schönen, suchenden Melodie gibt; das rätselhafte, taumelnde „Turn of Events“ findet dadurch eine spannende, fließende Synergie zwischen Cello, Gitarre und Saxophon. Das sorgfältig gestaltete „Propensity“ beinhaltet eine Basslinie, die sich durch eine Achtelnote fast unentdeckt durch mehrfach konzipierte Abschnitte bewegt: „Es gibt fünfeinhalb Takte hier, sechs Takte dort, wie die Idee von jemandem, der unregelmäßig atmet oder geht“.

Das rockig groovende „Disagree to Agree“ ist eine kantige, stoische Reflexion über vorherrschende politische Unruhen, und die kontrastreiche Freude von „Dance Number“ hat seine Wurzeln in Abbasis und Mahanthappas intensiven Sessions mit einer Carnatic Dance Company – die Komposition des Gitarristen widerspiegelt die Vitalität ihrer Schritte und Rhythmen.

Rez Abbasi schließt: „Mit Unfiltered Universe möchte ich eine emotionale Reaktion auslösen, die vielleicht etwas unbewusst verändern könnte. Wenn meine Musik bei den Zuhörern auf dieser Ebene etwas bewirken kann, dann, glaube ich, war ich erfolgreich. Aber meine wesentliche musikalische Botschaft ist: Der Jazz kann auch das sein – er kann kreativ, ohne völlig improvisiert zu sein und er kann bewegen ohne stilisiert zu werden. Ich hoffe, dass die Zuhörer diese Platte leben (und vielleicht auch lieben) werden“.

Tracks
1 Propensity
2 Unfiltered Universe
3 Thoughts
4 Thin-King
5 Turn of Events
6 Disagree to Agree
7 Dance Number

Rez Abbasi „Unfiltered Universe“
Whirlwind

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