Savoy Brown „Witchy Feelin'“

savoybrownBlues ist nichts für schwache Nerven! Seit der Blues zum ersten Mal Luft geholt hat, haben seine größten Vertreter die Dunkelheit, Erzählungen von Not und Tod, bis hin zu höllischen Wesen und Teufeleien in die Musik eingeschlossen. Wenn das Cover von Witchy Feelin´ vermuten lässt, dass Kim Simmonds ebenfalls eine Tendenz zum Makabren besitzt, dann bestätigt dies der Frontmann von Savoy Brown gerne. „Blues handelt schon immer vom Teufel, Hexereien und dergleichen, zudem habe ich schon immer über diese Themen geschrieben! Mindestens drei Songs von Witchy Feelin´ haben Einflüsse der Hoodoo-Bewegung.“

Das 2017 bei Ruf Records veröffentlichte neue Album beweist, dass der Teufel wohl immer noch die besten Melodien hat! Vom aufregenden, zerbrechlichen Gitarrenriff, das der Song „Why did you Hoodoo me?“ eröffnet, sind wir mit Simmons in der Hand eines Meisters der den seismischen Gesang und das brachiale Saitenwerk, welches Savoy Brown als Dreh- und Angelpunkt des Blues-Booms der sechziger Jahre in Großbritannien etablierte. „ Auf diesem Album habe ich mein Bestes gegeben, um meine Stimme in ihrer vollen Kraft zu entfalten,“ erklärte Simmonds. „Ich habe eine Baritonstimme und höre gerne Sänger, mit denen ich mich vergleichen kann wie J.J. Cale, Mark Knopfler, Tony Joe White und Tom Rush. Für mein Gitarrenspiel werde ich immer noch inspiriert durch Buddy Guy, Otis Rush und all den Chicagoer Gitarristen , mit deren Musik ich in den Sechzigern aufgewachsen bin, aber ich höre auch immer neue Musik.

Zusammen mit dem Bassisten Pat DeSalvo, dem Schlagzeuger Garnet Grimm und dem Techniker Ben Elliots bringt uns Simmonds in eine Welt dunkler Ritter, wilder Stürme, Frauen und Whisky: alles immer aktuelle Themen, denen ein nicht altern wollender Bluesmann eine moderne Wendung gibt. „Die Songs von diesem Album sind zwei Jahre in der Produktion gewesen,“ reflektiert er, „ich habe versucht Songs zu schreiben, die eine persönliche Sichtweise haben und für jeden nachvollziehbar

sind. Bei Vintage Man habe ich daüber geschrieben, wie es ist, ein Typ zu sein, der sich nicht verändert, wenn er älter wird. Why did you Hoodoo me? behandelt die Kraft der Liebe und in Guitar Slinger schreibe ich darüber, einen großartigen Gitarristen in einer alten Country Bar zu sehen – wie ich es 1969 erlebt habe, als ich Roy Buchanan zum ersten Mal sah.“

Jeder, der Zeuge von Savoy Browns Austritt aus den „The Blocks“ 1965 wurde, wird von einer identischen Epiphanie sprechen. Damals war es diese Band, die den Blues-Boom auslöste, die bei Decca unterschrieb und den Weg zum ersten Auftritt von Cream ebnete und einen Lead -Gitarristen aufweisen konnte, der im selben Atemzug mit Hendrix (mit dem er jammte) und Clapton genannt wurde. „Als ich die Band 1965 gründete, war das eigentliche Konzept, eine Art britische Version einer Chicagoer Blues Band zu werden!“, reflektiert Simmonds. „Und die Sache ist, dass diese Vision noch immer lebt!“

Nun hatten Savoy Brown das, was viele britische Bands nicht hatten: Erfolg in Amerika. Und sie erzielten einen gewaltigen Erfolg durch ihre unermüdliche Arbeitsethik und ihre energiereiche Musik. „Es wird zu viel über Sex, Drugs und Rock´n´Roll geredet,“ erzählte Simmonds Classic Rock. „Es ist ein Klischee, jedoch sind wir hart arbeitende Kerle! Als wir nach Amerika kamen, waren wir wie eine kleine Armee! Ich schaue zurück und sehe eine Zeit, die mit unglaublichen Talenten übersäht war.“ Diese Zeit veränderte sich natürlich und Simmonds entfernte sich von einem London, das er nicht mehr wieder erkannte, -„Die Punks waren überall!“- um sich in New York niederzulassen. Savoy Brown´s Bandmitglieder kamen und gingen und die Musikszene verlagerte sich um ihn herum, aber der Gitarrist blieb seinem Ideal treu und wurde dafür belohnt. Er trat an kultigen Orten, wie der Carnegie Hall und the Fillmore East and West auf, veröffentlichte ca. dreißig Alben und erhielt später einen wohlverdienten Platz in Hollywoods Rock Walk of Fame.

Auch im Post-Millennium, während seine Kollegen sich langsam weiterentwickelten und in eine Art Halbrente abdrifteten, behielt Simmonds seine Visionen und verschaffte sich dadurch einen Vorteil. Er spuckte erfolgreiche Alben wie 2011 Voodoo Moon, 2014 Going to the Delta, 2015 The Devil to pay und die empathische Neuheit in Savoy Brown´s Katalog: Witchy Feelin ´aus. „Ich bin überrascht, dass ich immer noch die Energie in mir habe, Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben,“ berücksichtigt er, „Ich war in meinem Leben gesegnet und danke Gott dafür. Ich habe nie daran gedacht and der Vergangenheit festzuhalten – ich schaue nicht zurück und gratuliere mir selbst! Ich will immer den nächsten Berg erklimmen – und freue mich sehr über das neue Album.“

Tracks
1 Why Did You Hoodoo Me
2 Livin‘ On The Bayou
3 I Can’t Stop The Blues
4 Witchy Feelin‘
5 Guitar Slinger
6 Vintage Man
7 Standing In A Doorway
8 Memphis Blues
9 Can’t Find Paradise
10 Thunder, Lightning & Rain
11 Close to Midnight

Savoy Brown „Witchy Feelin'“
Ruf Records

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