Speer und Er

speerAlbert Speer – er war der Mann für die Zukunftsvisionen eines Kriegsverbrechers, er war Hitlers Architekt und Rüstungsminister. Beide lebten den Größenwahn dem Nationalsozialismus mit gigan­tischen Bauten ein ewig währendes Denkmal zu setzen. Rücksichtslos trieb Speer die deutsche Rüstungsindustrie auf einen Höchststand.

Er war kein unwissender Mitläufer, wie er immer wieder beteuerte, sondern mitverantwortlich am Tod tausender Zwangsarbeiter. Regisseur Heinrich Breloer entwickelt in dem historisch-biographischen Dreiteiler das Bild eines sich selbst belü­genden Menschen, der Mitschuldiger am dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte und sei­ner eigenen Aussage (Nürnberger Prozesse) nach Hitlers bester Freund war.

Vier Monate dauerten die Dreharbeiten – dann fiel in den WDR-Studios in Bocklemünd die letzte Klappe: Heinrich Breloer hatte die letzten Spielszenen für sein Doku-Drama „Speer und Er“ gedreht. Hitler und seinen Lieblingsarchitekten Albert Speer spielen Tobias Moretti und Sebastian Koch.

Eine gespenstische Kulisse ist in den WDR-Studios in Köln-Bocklemünd zu besichtigen: Filmarchitekt Götz Weidner hat Hitlers Arbeitszimmer in der Reichskanzlei nachbauen lassen. Der rote Marmor wirkt täuschend echt, erst wenn man die Wand berührt, wird klar, dass es sich nicht um Stein handelt. Hier wurden große Teile des Doku-Dramas „Speer und Er“ gedreht – der erste deutsche Film, der den Lebensweg Albert Speers vom kometenhaften Aufstieg im Dritten Reich über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse bis hin zu den Jahren im Spandauer Gefängnis nachzeichnet.

Eine weit ausgreifende biografische Erzählung:
Der erste Teil zeigt Speer auf dem Gipfel seiner Macht. Er ist Hitlers Lieblingsarchitekt, wird von ihm zum Rüstungsminister ernannt, er überlebt das Ende des Dritten Reichs und distanziert sich schließlich von seinem Freund Hitler.

Der zweite Teil zeigt die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse in einem spannenden Mix aus historischem Filmmaterial und nachinszenierten Spielszenen. Der als Hauptkriegsverbrecher angeklagte Speer setzt sich von der Führerclique ab. Er stellt sich selbst als einsichtiger Büßer dar, der im Dritten Reich eine Art Gentleman-Nazi gewesen sei.

Der dritte Teil konzentriert sich auf Speers 20 Jahre im Spandauer Gefängnis. Dort schreibt er autobiografische Notizen. Ein weiteres Bild entsteht: das des intelligenten Bestsellerautors.

„Zeitzeuge in eigener Sache“
Ein „realistisches Bild“ Speers will Heinrich Breloer vermitteln. „Wir alle schauen auf das Dritte Reich, ob wir es wollen oder nicht, durch die Brille Albert Speers“, sagte Breloer zum Abschluss der Dreharbeiten am Montag den 21.06.04 in Köln. In seinen Büchern habe Speer eine Kunstfigur von sich entworfen. „Er war Zeitzeuge in eigener Sache“, urteilt Breloer.

Der zwölf Millionen Euro teure Dreiteiler lief im Frühjahr 2005, 60 Jahre nach Kriegsende, im Ersten. Früher hätte der Film in dieser Form nicht entstehen können, sagte Breloer. Denn in der typisch „offenen Form“, die das Markenzeichen Breloers und seines Ko-Autors Horst Königstein ist, sind nicht nur die Spielszenen mit den Schauspielern zu sehen. Auch Interviews mit Zeitzeugen und Originalaufnahmen aus dem Dritten Reich werden in den Film eingewoben.

Und Speers Kinder hätten den Abstand der Jahrzehnte gebraucht, bevor sie ihm im Interview Auskunft gaben, sagte Breloer, der zuletzt 2001 mit „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ einen großen Erfolg verbuchte. Der Film wurde mit Emmy und Grimme preisgekrönt und in 40 Länder verkauft.

Extra
Dokumentation: Nachspiel – Die Täuschung
Die begleitende Dokumentation erzählt die Lebensgeschichte Albert Speers dort weiter, wo das dreiteilige Filmprojekt endet: am Gefängnistor von Spandau, dem Tag der Haftentlassung des Hauptkriegsverbrechers.
Making of (89 Min.)
Interviews (28 Min.)
Entfallene Szenen (32 Min.)

Speer und Er
FSK 12 J.
3 DVDs
Deutschland 2004
ca. 361 Min. + ca. 146 Min. Extras
EuroVideo
Regie: Heinrich Breloer
Darsteller: Tobias Moretti, Sebastian Koch, Axel Milberg
Ton: DD 2.0, DD 5.1
PAL – RC 2

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