Tintorettos Engel


Tintorettos Engel
Autorin: Melania G. Mazzucco
Seiten: 544, gebunden
Knaus
? 22,95 (D), ? 23,60 (A), sFr 39,90 (UVP)
ISBN 978-3-8135-0358-6

Tintoretto war ein Freibeuter der Malerei, ein radikaler Neuerer. Ein Leben lang kämpfte er um die Anerkennung seiner Heimatstadt Venedig ? und mit seinen inneren Dämonen. Immer sah er sich von Feinden umzingelt ? und brachte durch sein Misstrauen sein Lebenswerk in Gefahr.
Als der Roman beginnt, liegt der große Maler auf dem Sterbebett, und sein ereignisreiches Leben zieht an ihm vorbei. Während fünfzehn Fiebernächten erinnert er sich an Höhen und Tiefen. Als Sohn eines unbedeutenden venezianischen Färbers, der schon früh fast alles über Farben wusste, wollte er mehr als nur Stoffe färben.
Den Größten seiner Zeit, seiner Stadt, seiner Kunst nahm er sich zum hassgeliebten Vorbild: Tizian. Dieser venezianische Gigant, der alles hatte, was Tintoretto begehrte, sollte sein Meister sein. Tizian aber witterte in dem Halbwüchsigen den hochbegabten Konkurrenten. Er vertrieb ihn aus seiner Werkstatt und sorgte jahrelang dafür, dass Tintoretto keine lukrativen Aufträge bekam.Eine nie weichen wollende Bitterkeit war die Folge.Tintoretto musste sich alles selber beibringen.
Doch dass kein Meister ihn wollte, war auch seine große Chance, denn so war die Straße für ihn frei: niemand ging voraus, niemand folgte ihm. Die Freiheit, die daraus resultierte, konnte er sich jedoch lange nicht leisten. Erst mit über vierzig Jahren heiratete er die sechsundzwanzig Jahre jüngere Faustina, Tochter eines ihm wohlgesonnenen Gönners.
Von da ab ging es schrittweise bergauf. Denn diese Verbindung brachte ihm die bescheidene gesellschaftliche Anerkennung, die er für seine Karriere so dringend benötigte. Seine sagenumwobene Schaffenskraft tat das Übrige. Doch noch immer musste Tintoretto sich alles hart erkämpfen, nichts fiel ihm einfach zu. Mit den Jahren aber wurde er ein geachteter Bürger und Familienvater. Über die Kinder, die seiner Ehe mit Faustina entstammten, herrschte er mit eiserner Hand.
Nur bei einem seiner Kinder machte er eine Ausnahme ? bei seiner ältesten Tochter Marietta. Sie stammte laut Melania G. Mazzucco aus der vorehelichen Beziehung Tintorettos mit seiner großen Liebe Cornelia, einer Hure aus Deutschland, die ihn lehrte, was wahre Liebe bedeutet: frei bleiben.
Auch Marietta erwies sich schon als kleines Mädchen als furchtlos. Sie war talentiert und erbettelte sich einen Ausbildungsplatz in der Werkstatt ihres Vaters. Der steckte sie in Männerkleider, damit er sie in seiner Nähe haben konnte. Marietta begegnete den Menschen offen und ohne vorauseilenden Respekt. Diese innere Freiheit ließ sie zu einer gleichberechtigten Künstlerin heranwachsen. Doch dann ging sie eigene Wege.
Dies konnte der Vater nicht akzeptieren. Er sah diese für Marietta überlebenswichtige Loslösung als Verrat. Der Bruch war vorgezeichnet. Und mit dem Bruch legte sich eine Düsternis über Tintorettos Leben, die bis zu seinem Tode nicht mehr weichen sollte.
Autorin
Melania G. Mazzucco
, geboren 1966, hat zahlreiche, von der Kritik gefeierte Romane geschrieben. Bei Knaus erschien zuletzt »Vita«, für den sie den renommierten »Premio Strega« erhielt. Für ihren neuen Roman »Tintorettos Engel«, der sich in Italien 200.000 Mal verkaufte, hat sie viele Jahre intensiv recherchiert. Mazzucco gilt als große Kennerin Tintorettos und hat auch ein Sachbuch über die Familie des Malergenies verfasst.

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