Tony Tixier “Life of Sensitive Creatures“

tonyEine abenteuerliche Einzigartigkeit austrahlend, inspiriert sowohl von Maurice Ravel und Art Tatum wie ebenso von Herbie Hancock, Keith Jarrett oder Aydin Esen, präsentiert der junge Pianist Tony Tixier auf seinem Trio-Debut „Life Of Sensitive Creatures“ seine Kompositionen und anregenden Interpretationen in einem exzellenten Programm, das von Schönheit und Einfallsreichtum lebt.

Der gebürtige Franzose zog 2012 nach NYC und begann vor seinem kürzlichen Umzug nach Los Angeles mit einer Reihe von Koryphäen zusammenzuarbeiten. Diese Aufnahme konzentriert sich jedoch auf Tixier als fantasievoller Komponist und achtsamer Pianist: „Neben meiner Rolle als Sideman fühlt es sich auch gut an, meine eigene Stimme zu haben und meine eigenen Melodien zum Leben zu erwecken – das fühlt sich anders an als meine anderen Projekte. In einem Trio geht es eher um eine direkte, spontane und fließende Konversation mit Künstlern, die mehr als nur die technischen Fähigkeiten haben, also habe ich mich für Musiker entschieden, die meine Freunde sind und eine besondere Empathie für mein Schreiben empfinden.“ Diese offene Begeisterung und Bereitwilligkeit, die Tixier vom Kontrabassisten Karl McComas-Reichl und Schlagzeuger Tommy Crane erhält, wird vom Pianisten liebevoll bezeichnet als Arbeiten mit Musiker, die „Anfänger mit großen Ohren“ sind (in Wahrheit sind beide perfekt, mit Erfahrung vom Spielen in vielen Line-Ups). „Meine Musik braucht mehr als Solo-Piano, also gestalten sie, schaffen Raum und bewegen sie in verschiedene Richtungen.“

Tixiers Kreativität begann früh, als er ab seinem sechsten Lebensjahr klassisches Klavier an einem Konservatorium studierte: „Als Kind habe ich auch Gedichte geschrieben – über das Leben, Glück, Traurigkeit, Illusion. Musik zu kreieren ist also eine Erweiterung davon – nicht in Form eines großen Romans, sondern eher in Form von Kurzgeschichten und alles in einer bestimmten Reihenfolge. Ich benutze ein Tagebuch, um Titel oder ein Gefühl zu notieren, dann kommt vielleicht eine Melodie oder eine Basslinie dazu. Und ich versuche jede Woche zu schreiben – zwei, vielleicht dreihundert Songs bis heute.“

Die auffallende Ernsthaftigkeit der Cover-Gestaltung zeigt Tony Tixier als Kind in den Armen seiner Mutter – eine visuelle Darstellung der Eröffnungsnummer „I Remember the Time of Plenty“, dessen retrospektiver Schleier und überschwängliche Rhythmen die flüchtige Energie und das Glück der prägenden Jahre vermitteln. „Denial of Love“ hinterfragt die Wirksamkeit der globalen Einheit durch fragende Piano- und Bass-Phrasen, während „Illusion“ – Tixiers Ausdruck für das Aushalten der Desillusionierung nach dem Menschen oder Ereignissen uns verlassen haben – durch seine treibende Figuren positiv übermittelt wird. Der fröhliche Blues von „Home At Last“ öffnet das Druckventil des Tourens mit hausgemachter Glückseligkeit und die Strudel in „Flow“ führen zu einer juwelenartigen Klarheit.

Der malerische Stride-Piano-Swing in Louis Armstrongs „Tight Like This“ von 1920 (der Lieblingssong von Tixiers Großmutter) ist eine lebendige Hommage, die raffiniert das blecherne monotone Original für ein kantiges Klaviertrio neu gestaltet. Der perkussive Puls von „Calling Into Question“ könnte leicht einen Popsänger zum Mitmachen animieren.

Unter dem drängenden „Blind Jealousy of a Paranoid“ und dem lebhaften „Causeless Cowards“ steckt die klare Romantik von Jimmy Van Heusens Klassiker „Darn That Dream“; und es gibt eine faszinierende Interpretation von „Isn’t She Lovely“ (der Pianist hebt Stevie Wonders Können als Improvisator hervor ,der sagte „Giant Steps“ in den Soundchecks zu spielen).

Tony Tixier spielt derzeit in den Bands von Christian Scott, Seamus Blake und Wallace Roney. Aber sein Blick ist auch entschlossen auf seinen eigenen Weg gerichtet, seine eklektischen Interessen in seinen Gedanken lassen „Life of Sensitive Creatures“ nicht mit einem bestimmten Genre bezeichnen: „Es ist ein Songbook der Gefühle, vertont – eine Einladung, mit uns zu einigen unerwarteten Orten zu reisen – ein empfindlicher Brief an das Leben. Sie können zuhören, tanzen, es nennen, wie Sie es wollen – aber als Trio gehen wir darüber hinaus. Wir machen Kunst – ein bewegendes Bild – und darauf bin ich stolz.“

Tracks
1 I Remember the Time of Plenty
2 Denial of Love
3 Tight Like This
4 Illusion
5 Home at Last
6 Calling into Question
7 Darn That Dream
8 Blind Jealousy of a Paranoid
9 Isn’t She Lovely
10 Causeless Cowards
11 Flow

Tony Tixier “Life of Sensitive Creatures“
Whirlwind

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