Dustin O’Halloran „Silfur“

Dustin O’Hallorans Debütalbum für Deutsche Grammophon, erkundet mit neuen Kompositionen und neu interpretierten früheren Werken die wandelbare Perspektive von Musik in Zeit und Raum Für das Projekt arbeitete O’Halloran mit dem amerikanischen Komponisten und Multiinstrumentalisten Bryan Senti, der isländischen Cellistin Gyða Valtýsdóttir und dem Siggi String Quartet zusammen.

Auf Silfur sind zwei neue Werke – »Opus 56« für Klavier und »Constellation No. 2« für Klavier, Cello und Elektronik – sowie Neueinspielungen einer Auswahl von Stücken von O’Hallorans Soloalben, vier von ihnen wurden mit zusätzlichen Streicherarrangements aufgenommen. Einen ersten Vorgeschmack auf Silfur gibt O’Halloran am 6. April mit der Single »Opus 18«. Sie erscheint zusammen mit einem Livevideo, das in der Fríkirkjan-Kirche in Reykjavík von Regisseur Blair Alexander gedreht wurde.

Silfur entstand in Island, O’Hallorans Wahlheimat, in der er einen Teil seiner Zeit verbringt, während er sonst in Los Angeles lebt. Da er aufgrund des Lockdowns nicht nach Kalifornien zurückkehren konnte, ließ er sich von der Abgeschiedenheit und der einzigartigen Atmosphäre Islands inspirieren und spielte Werke von vier seiner Soloalben erneut ein. Die Musik seiner Vergangenheit wird nun gebrochen durch das Prisma der isländischen Erfahrung. Und eben darum geht es O’Halloran, um das Phänomen der Doppelbrechung. Ein Geschenk brachte ihn darauf: Bei der ersten Aufnahmesession für dieses Album bekam er einen Silfurberg (Silberfels), einen isländischen Kristall, der ihn später auch zum Titel des Albums inspirierte. »Er hat die einzigartige Eigenschaft, das Licht, das auf ihn trifft, zweifach zu brechen«, sagt O’Halloran. »Ich hatte das Gefühl, dass ich genau das bei der Aufnahme dieser Platte mache. Und mir kommt es so vor, dass der Ort, an dem man ist, immer eine Resonanz findet – das kommt irgendwie durch die Musik.«

O’Halloran fährt fort: »Ich habe viele Jahre mit diesen Stücken gelebt und sie von Zeit zu Zeit aufgeführt. Als Christian Badzura von Deutsche Grammophon mich fragte, ob ich sie noch einmal aufnehmen will, war ich mir gar nicht sicher, ob ich in meine Vergangenheit zurückkehren möchte. Aber dann dachte ich, es wäre eine Gelegenheit, den Stücken mehr von dem zu geben, was ich eigentlich im Sinn hatte, es war eine Möglichkeit, sie abzuschließen. Denn es gab noch Dinge, die ich einfangen wollte. Das Ganze war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, während ich die Musik in der Gegenwart auf ganz neue Weise erlebte. Es ist etwas Besonderes, dass wir die Zeit auf diese Weise einfangen können. Und ich denke, das ist fast das, was Musik ist: Sie hält die Zeit fest. Sie fängt einen Moment ein, den wir später wieder erleben können.«

Unterschiedlichste Anklänge sind in O’Hallorans Klavierkompositionen zu hören – J. S. Bach, Chopin und Debussy bis hin zu Arvo Pärt oder Erik Satie. Seine persönliche Ästhetik, still und zurückhaltend, schärft die subtilen Gefühlsnuancen durch klares Bewusstsein. Zehn Solostücke spielt er selbst, außerdem wird er von einer Reihe von Musikern, darunter auch Freunde, begleitet. Der Komponist Bryan Senti ist auf dem neuen Arrangement von »Opus 55« als Geiger zu hören. Das Siggi String Quartet wirkt bei »Opus 28« und »Opus 37« mit und auch bei dem Streicher-Arrangement von »Opus 17«. Außerdem ist die Komponistin und Cellistin Gyða Valtýsdóttir auf »Constellation No. 2« zu hören.

O’Halloran, zwischen Hawaii und Los Angeles aufgewachsen, begann im Alter von sieben Jahren mit dem Klavierspiel, das er sich selbst beibrachte. Während seines Studiums am Kunstcollege in Santa Monica bildete er ein Duo mit der Sängerin Sara Lov. Aus ihrer Partnerschaft formte sich die Indie-Rock-Band Dēvics. Ihr Weg führte nach Italien, wo sich seine musikalischer Werdegang als Pianist herauskristallisierte. Auf seine frühen Soloalben, Piano Solos Vol. 1 & 2 (2004 und 2006), folgten Vorleben (2010) und Lumiere (2011).

In den letzten zehn Jahren sind in O’Hallorans erfolgreicher Ambient-Musik-Zusammenarbeit mit Adam Wiltzie, A Winged Victory for the Sullen, vier Alben, zwei Soundtracks und Atomos entstanden, Letzteres für die Tanzkompanie von Wayne McGregor. Ihr jüngstes Album Invisible Cities erreichte Platz 4 in den UK Record Store Charts.

Mit seiner Musik für Film und Fernsehen erreichte O’Halloran ein neues Publikum. Er schrieb Partituren für Sofia Coppolas Marie Antoinette (2006) und Drake Doremus’ Like Crazy (Grand-Jury-Preis beim Sundance Film Festival 2011), eine mit einem Emmy ausgezeichnete Titelmusik für die US-Serie Transparent (2014-17) und den Soundtrack für The Hate U Give (2018) von George Tillman Jr. Seine erste Soundtrack-Zusammenarbeit mit dem deutschen Pianisten und Komponisten Volker Bertelmann für den Film Lion (2016) wurde für einen Academy Award, einen BAFTA, einen Golden Globe und einen Critics Choice Award nominiert. Unlängst arbeiteten sie erneut zusammen, um die Musik für Francis Lees romantisches Drama Ammonite (2020) zu schreiben, ihre Komposition stand in diesem Jahr auf der Shortlist für einen Academy Award.

Tracks
1. Opus 56
2. Opus 28 (feat. Siggi String Quartet)
3. Opus 44
4. Opus 18
5. Opus 17
6. Opus 55 (feat. Bryan Senti)
7. Opus 12
8. Fine
9. Opus 20
10. Opus 7
11. Opus 30
12. Opus 17 (String Quartet Version)*
13. Opus 21
14. Opus 37 (feat. Siggi String Quartet)
15. Constellation No. 2 (feat. Gyða Valtýsdóttir)**
*Siggi String Quartet (string quartet)
**Gyða Valtýsdóttir (cello)

Dustin O’Halloran „Silfur“
Deutsche Grammophon

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