Víkingur Ólafsson „Mozart & Contemporaries“

„Mozart & Contemporaries“ räumt mit einem Klischee auf, mit der Vorstellung von Mozart als engelsgleichem Wunderkind und idiot savant, stattdessen entsteht durch Ólafssons Auswahl – vorwiegend Musik aus den 1780er-Jahren – das Bild eines gereiften Komponisten, eines ideenreichen, hart arbeitenden Mannes, der mit Beschwernissen rang.
Die bemerkenswerte, persönliche Programmgestaltung zeichnet es auf kunstvolle Weise.

»Ich finde gerade diese zehn Jahre in Mozarts Leben und Kunst faszinierend«, sagt Ólafsson. »Mozart war ja nicht einfach nur Komponist, und es kommt mir so vor, als hätte er sich, wenn er für sich selbst als Klaviervirtuosen schrieb, mehr als sonst dem sublim Verspielten hingegeben, um das sich all seine Originalität und sein Erfindungsreichtum letztlich drehen. In dieser Phase brachte Mozart nicht nur die klassische Tradition zum Höhepunkt, sondern unterlief sie auch ganz subtil … Die Schatten sind dunkler, die Nuancierungen und Zweideutigkeiten tiefgründiger.«

Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), Joseph Haydn (1732–1809), Baldassare Galuppi (1706–1785) und Domenico Cimarosa (1749–1801): »Vielleicht eröffnen sie alle vier die Möglichkeit, das heutige Ohr auf die vorherrschenden Gedanken, Stile und Vorlieben der damaligen Zeit zu eichen«, überlegt Ólafsson. »Ich hoffe, dass sich durch den Kontext, diesen Mix aus Highlights und Entlegenem, unser psychologischer Fokus ein wenig verschieben lässt, sodass wir etwas von dem ideologischen Ballast abwerfen können, mit dem wir alle an Mozarts Musik herangehen. Das jedenfalls war mein Ziel: mich den bekanntesten Stücken von Mozart mit der gleichen Unbekümmertheit und kindlichen Begeisterung zu nähern, die ich empfand, als ich die unbekannten, atemberaubend lyrischen Werke solcher Komponisten wie Galuppi und Cimarosa entdeckte.«

„Mozart & Contemporaries“ ist die schillernde Momentaufnahme einer Zeit, in der es gärte; die Komponisten experimentierten viel, und Mozart schrieb so avantgardistische Werke wie die c-Moll-Sonate KV 457. Auf dem Album – es ist Ólafssons viertes bei Deutsche Grammophon – sind auch Transkriptionen des Pianisten zu hören: eindringliche Fassungen zweier Sonaten von Cimarosa und eine meisterhafte Bearbeitung des großartigen Es-Dur-Adagios aus Mozarts Streichquintett KV 516 für Klavier zu zwei Händen. Zum Abschluss des Albums geht Mozarts Adagio in h-moll KV 540 unmerklich in Franz Liszts Transkription der Motette Ave verum corpus (die dieser in seinem Todesjahr schrieb) über.

Dass die Gesanglinien in immer höhere Regionen des Klaviers aufsteigen, empfindet Ólafsson als Ausdruck einer letzten Ahnung von Tod und Verklärung. »Wenn ich Mozart spiele, habe ich das Gefühl, dass ich mich selbst als Musiker kennenlerne. Ich entdecke Seiten in mir, von denen ich vorher gar nichts wusste. Es scheint, als würde seine Musik mein tiefstes Inneres spiegeln.«

Tracks
Piano Sonata No. 9 in F Minor

1 I. Andante Spiritoso (Piano Sonata No. 9 in F Minor)
2 Rondo in F Major, K. 494
3 Carl Philipp Emanuel Bach: Rondo II in D Minor, H. 290
4 Sonata No. 42 in D Minor (Arr. ?lafsson)
5 Wolfgang Amadeus Mozart: Fantasia in D Minor, K. 397 (Fragment)
6 Wolfgang Amadeus Mozart: Rondo in D Major, K. 485
7 Sonata No. 55 in A Minor (Arr. ?lafsson)
Piano Sonata In B Minor, H.Xvi No.32
8 Joseph Haydn: 1. Allegro moderato (Original Version)
9 Joseph Haydn: 2. Menuet Tempo di menuet (Original Version)
10 Joseph Haydn: 3. Finale Presto (Original Version)
11 Wolfgang Amadeus Mozart: Kleine Gigue in G Major, K. 574
Piano Sonata No. 16 in C Major, K. 545 „Sonata facile“
12 Wolfgang Amadeus Mozart: I. Allegro (Original Version)
13 Wolfgang Amadeus Mozart: II. Andante (Original Version)
14 Wolfgang Amadeus Mozart: Iii. Rondo. Allegro (Original Version)
15 Adagio in E Flat (Arr. ?lafsson from String Quintet No. 3 in G Minor, K. 516)
Piano Sonata No. 2 in C Minor
16 I. Larghetto (Piano Sonata No. 2 in C Minor)
Piano Sonata No.14 in C minor, K.457
17 Wolfgang Amadeus Mozart: I. Molto allegro (Original Version)
18 Wolfgang Amadeus Mozart: II. Adagio (Original Version)
19 Wolfgang Amadeus Mozart: Iii. Allegro Assai (Original Version)
20 Wolfgang Amadeus Mozart: Adagio in B Minor, K. 540
21 Ave verum corpus, K. 618 (Transcr. Liszt for Solo Piano)

Víkingur Ólafsson „Mozart & Contemporaries“
Deutsche Grammophon

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